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Prozess um Gruppenvergewaltigung: Jugendliche bestreiten Tat

Fünf minderjährige Jungen sollen in Mülheim eine 18-Jährige vergewaltigt haben. Jetzt stehen die drei älteren vor Gericht – und schweigen. Laut einem der Verteidiger bestreiten sie allerdings die Vorwürfe.

Dienstag, 07.01.2020, 14:35 Uhr aktualisiert: 07.01.2020, 14:42 Uhr
Auf einer Richterbank im Landgericht liegt ein Richterhammer aus Holz.
Auf einer Richterbank im Landgericht liegt ein Richterhammer aus Holz. Foto: Uli Deck

Duisburg (dpa/lnw) – Mit Schals vermummt, die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen: So sind zwei von drei minderjährigen Angeklagten am Dienstag im Duisburger Landgericht erschienen. Der Vorwurf gegen die Jugendlichen im Alter von 14 und 15 Jahren wiegt schwer: Es geht um die gemeinschaftliche Vergewaltigung einer 18-Jährigen in Mülheim an der Ruhr. Zu fünft sollen die jungen Täter über ihr Opfer hergefallen sein. Zwei der Verdächtigen, die zur Tatzeit zwölf Jahre alt waren, sind strafunmündig und müssen daher nicht vor Gericht. Den drei anderen wird nun der Prozess gemacht. Laut einem der Verteidiger fühlen sie sich völlig unschuldig.

Was genau am Dienstag im Gerichtssaal passierte, bleibt unklar. Die Kammer hat die Öffentlichkeit wegen des jungen Alters der Angeklagten ausgeschlossen. Zwei der drei Angeklagten betraten den Sitzungssaal über den Gerichtsflur, einer wurde von Wachtmeistern durch einen Hintereingang hineingeführt. Der heute 15-Jährige sitzt als einziger in Untersuchungshaft. Er soll die 18-Jährige früher schon einmal vergewaltigt haben.

Vor Gericht wollen die 14 bis 15 Jahre alten Bulgaren erst einmal schweigen. Das erklärte einer ihrer Verteidiger in einer Prozesspause. Die Vorwürfe würden sie allerdings bestreiten: «Mein Mandant sieht das so, dass es zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gekommen ist», sagte Anwalt Marc Decker. Dass es nun zu einem Prozess gekommen ist, sei für seinen Mandanten sehr belastend. «Er ist schockiert, dass es eine Anklage gibt und ein Verfahren.»

Laut dem Verteidiger kannten sich die Angeklagten und die junge Frau schon länger: «Man stand in Kontakt – über WhatsApp», so Decker. Laut Anklage hatten sich die Jugendlichen mit der 18-Jährigen verabredet, sie dann in ein Waldstück mitgenommen. Warum sie mitging, ist nicht klar.

Die Ermittler hatten aus Opferschutzgründen nicht viel über die junge Frau gesagt. Die 18-Jährige war am ersten Verhandlungstag noch nicht als Zeugin geladen. «Sie ist traumatisiert und befindet sich in psychologischer Behandlung», sagte ihr Beistand Kirsten Etzbach am Rande des Prozesses.

Der Fall von Mülheim hatte im Sommer bundesweit für Entsetzen gesorgt. Dass die beiden jüngsten Verdächtigen gar nicht erst vor Gericht kamen, sorgte für Debatten über die Frage, bis wann man strafunmündig sein sollte. Die Stadt Mülheim scheiterte zudem mehrmals damit, die Familie des Hauptverdächtigen auszuweisen. Die Eltern legten auf den letzten Drücker immer wieder die nötigen Belege für eine Arbeitsstelle vor.

Mit den Urteilen ist voraussichtlich im März zu rechnen.

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