Agrar
Verband: Viele Milchbauern haben Existenzängste

Seit Jahrzehnten geht die Zahl der Milchbauern zurück. Dieser Trend könnte sich jetzt beschleunigen, befürchtet der Branchenverband. Landwirte müssten höhere Kosten und auch Auflagen schultern.

Mittwoch, 08.01.2020, 16:20 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 16:32 Uhr
Milch wird in ein Glas geschüttet.
Milch wird in ein Glas geschüttet. Foto: Roland Weihrauch

Krefeld (dpa/lnw) - Die Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalens befürchtet ein beschleunigtes Höfesterben. Immer mehr Milchviehhalter stünden vor der Existenzfrage, erklärte der Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW, Rudolf Schmidt, am Mittwoch in Krefeld. Die Trockenheit habe zu höheren Kosten geführt, weil mehr Futter für die Tiere zugekauft werden musste. Hinzu komme ein enormer Investitionsdruck durch zunehmende Umweltauflagen, die Umsetzung der Düngeverordnung und baurechtliche Vorgaben für die Lagerung von Gülle und Silage. Die Existenzängste von Landwirten seien auch bei den bundesweiten Protestaktionen deutlich geworden.

Binnen eines Jahres gaben laut der Zählung von November 2019 in Nordrhein-Westfalen 250 Milchbauern ihren Betrieb auf. Damit sank ihre Zahl um 4,4 Prozent auf aktuell 5381. Im Vergleich zu 1980 schrumpfte die Zahl der Milchkuhhalter um rund 88 Prozent. Zugleich geht der Trend zu immer größeren Betrieben weiter. 2019 standen im Schnitt 75 Milchkühe je Halter im Stall. Das sind zwei mehr als 2018 und mehr als das Fünffache von 1980, als es nur 14 Tiere waren. Die Gesamtzahl aller Milchkühe nahm in Jahresfrist um 2 Prozent auf rund 401 400 Tiere ab. Die Erlöse der Milchbauern je Kilogramm Rohmilch gingen im Durchschnitt um 0,6 Prozent auf zuletzt 32,66 Cent zurück.

Die Milchproduktion stieg im vergangenen Jahr indes in Nordrhein-Westfalen entgegen dem Bundestrend auf ein Rekordniveau. Die NRW-Landwirte lieferten 2019 nach einer ersten Schätzung mehr als 2,7 Millionen Tonnen Kuhmilch bei den Molkereien an. Das entspräche einem Plus von 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bundesweit wird hingegen mit einem Mini-Minus von 0,1 Prozent gerechnet.

Der Anstieg in NRW wird unter anderem damit erklärt, dass die Bauern mehr hochwertiges Futter zukaufen mussten, weil die eigenen Vorräte nicht ausreichten. Aufgrund des hohen Kostendrucks für die Betriebe sei zudem der Tierbestand auf leistungsfähigere Tiere ausgerichtet worden.

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