Brauchtum
Rechtsextremisten-Anwalt tritt aus Karnevalsverein aus

Nach heftiger öffentlicher Kritik ist der Rechtsanwalt Björn Clemens aus dem Düsseldorfer Karnevalsverein Narrenkollegium ausgetreten. Clemens, der häufig für Mandanten der rechten Szene aktiv ist, stellt sich als Opfer einer Rufmordkampagne dar.

Dienstag, 14.01.2020, 15:27 Uhr aktualisiert: 14.01.2020, 15:32 Uhr

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der häufig für Rechtsextremisten tätige Anwalt Björn Clemens ist nach öffentlicher Kritik aus dem Düsseldorfer Karnevalsverein Narrencollegium ausgetreten. Das hat der Verein am Dienstag mitgeteilt. Damit sei der Jurist dem Rat des Präsidenten der Vereinigung gefolgt und einer Vorstandsentscheidung zuvorgekommen.

Das Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) hatte dem Narrencollegium ein Ultimatum gestellt: Wenn der Verein den Anwalt nicht ausschließe, drohe dem Verein selbst der Ausschluss aus dem Dachverband. «Wir dürfen es nicht tolerieren, dass Menschen, die nachweislich extremistischen Gruppierungen nahestehen, am Rosenmontagszug auf einem Prunkwagen mitfahren», so CC-Präsident Michael Laumen.

Clemens selbst erklärte, er solle offenbar durch eine «infame Rufmordkampagne» beschädigt werden. Der 52-Jährige vertritt derzeit einen der Verdächtigen im Mordfall des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU). Lübcke soll von einem Rechtsextremisten erschossen worden sein.

Björn Clemens, der zum Begriff des Angriffskrieges promovierte, hatte als stellvertretender Bundesvorsitzender der «Republikaner» Gespräche mit der NPD angestrebt. Er ist weiterhin im Vorstand der vom Verfassungsschutz in mehreren älteren Berichten als rechtsextrem eingestuften «Gesellschaft für freie Publizistik».

«Karneval ist für alle da, wir sind politisch neutral. Aber hier ist die rote Linie ganz klar überschritten», sagte Wagenbauer Jacques Tilly der dpa. Der Düsseldorfer Karneval stehe für Toleranz und Internationalität.

Clemens erklärte, er habe sich in dem Karnevalsverein kein einziges Mal politisch geäußert. «Den Versuch, mich für mein patriotisches Denken als rechtsextrem zu diffamieren, weise ich zurück», teilte er mit. Die «Rheinische Post» hatte zuerst über die Karnevals-Aktivitäten des Anwalts berichtet.

Er beende die Mitgliedschaft im Narrencollegium, um «weiteren Schaden vom Verein und von meiner Person und Familie fernzuhalten», so Clemens. Die Karnevalsgesellschaft Narrencollegium distanzierte sich von Antisemitismus und Extremismus allgemein. Das Motiv des Rosenmontagswagens von 2018 (Titel: «Scheißhaufen mit eingesteckter Hakenkreuzfahne») spreche für sich.

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