2021 droht eine saftige Erhöhung
Versicherte müssen vermutlich höhere Beiträge zahlen

Versicherte werden im kommenden Jahr vermutlich höhere Beiträge zahlen müssen. Das hat der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) jetzt angekündigt. Um wie viel Prozentpunkte die Zusatzbeiträge steigen sollen, ist noch unklar. Die Erhöhung wird aber vermutlich saftig.

Dienstag, 14.01.2020, 18:38 Uhr aktualisiert: 14.01.2020, 19:04 Uhr
2021 droht eine saftige Erhöhung: Versicherte müssen vermutlich höhere Beiträge zahlen
Foto: Patrick Pleul, dpa

Nach Angaben der Verbraucherzen­trale hatten Anfang dieses Jahres 18 vor allem kleinere Kassen ihre Zusatzbeiträge angehoben. „Wir gehen nun davon aus, dass 2021 ein nennenswerter Teil der Krankenkassen die Beiträge erhöhen muss“, sagte GKV-Sprecher Florian Lanz auf Nachfrage. In Deutschland gibt es insgesamt 105 ge­setzliche Krankenkassen mit 73 Millionen Versicherten.

Als Grund für die drohende Beitragserhöhung macht der GKV deutlich gestiegene Mehrausgaben verantwortlich. Zum einen bedingt durch den allgemeinen medizinischen Fortschritt, zum anderen aus Sicht der Kassen durch die zahlreichen Gesetze, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf den Weg gebracht hat – hier vor allem das ­Gesetz für mehr Pflegepersonal und das Termin-Service-Gesetz.

"Keine spürbaren Verbesserungen in der Versorgung"

„Die Mehrausgaben durch die Spahn-Gesetze belaufen sich auf insgesamt zehn Milliarden Euro pro Jahr“, sagte der Sprecher der AOK Nordwest, Jens Kuschel, gegenüber unserer Zeitung. Spürbare Verbesserungen in der Versorgung hätten sie allerdings nicht gebracht.

Im vergangenen Jahr hatten die Kassen erstmals seit 2015 wieder Verluste gemacht. Nach GKV-Angaben beliefen sie sich auf eine Milliarde Euro. 2018 hatten die gesetzlichen Krankenkassen noch ein Plus von zwei Milliarden Euro erzielt. Um das Defizit auszugleichen, hatte Spahn wiederholt auf die Reserven der Kassen in Höhe von derzeit rund 20 Milliarden Euro hingewiesen und die Kassen aufgefordert, die Reserven in Teilen abzubauen. „Rücklagen sind allerdings einmalig“, sagte der GKV-Sprecher. Die Ausgabensteigerung sei hingegen stetig. Für den Verband ist der Spahn-Vorschlag ein Spiel auf Zeit. „Wenn die Reserven aufgebraucht sind, führt an einer Beitragserhöhung kein Weg vorbei.“

Kommentar: Krankes System

Nicht schlecht heißt nicht automatisch gut. Auf das deutsche Gesundheitssystem trifft das zu. Natürlich funktioniert die Versorgung. Es hapert nur immer häufiger an immer mehr Ecken. Landärzte sind Mangelware, Plätze in der Kurzzeitpflege auch. Klinikpersonal fehlt, die Not­aufnahmen sind überfüllt, wer einen Termin beim Facharzt benötigt, braucht neben Zeit viel Geduld. Das gesamte System, so scheint es, ist an seine Grenzen gekommen. Man könnte auch sagen: auf den Hund.

Herumgedoktert wird viel. Vor allem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist in der Szene eher berüchtigt als berühmt dafür, dass er Gesetzesinitiativen im Stakkato startet, deren Umsetzung nicht nur Klinikdirektoren und Chefärzte schwindlig werden lässt. Ganz ab­gesehen davon, dass längst nicht alles Neue in der Praxis den Erfolg hat, der vorab politisch attestiert wurde.

Das ist der Befund. Jetzt kommen weitere Beschwerden: Nach vier guten Jahren schreiben die gesetzlichen Krankenkassen rote Zahlen. Das Gros wird darum im kommenden Jahr die Zusatzbeiträge erhöhen. Die Folge: Die Bürger werden mehr zahlen für eine medizinische Versorgung, die keinesfalls besser wird.

Von Elmar Ries

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