Laschets Schreibtisch
Ein Stück Geschichte auf vier Beinen

Aachen -

Eine unerwartete Frage: „Haben Sie diesen Tisch schon gesehen?“, fragt Ministerpräsident Armin Laschet viele seiner Gäste, die ihn in seinem Büro in der Staatskanzlei besuchen. Was es mit dem symbolträchtigen Stück auf sich hat.

Freitag, 24.01.2020, 21:45 Uhr aktualisiert: 24.01.2020, 21:59 Uhr
An dem Schreibtisch haben der französische Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel den Aachener Vertrag unterschrieben.
An dem Schreibtisch haben der französische Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel den Aachener Vertrag unterschrieben. Foto: Ralph Sondermann

Der in kunstvollen Würfel- und Rauten-Mustern mit edlen Hölzern furnierte Rokoko-Tisch mit vergoldeten Kanten und Verzierungen fällt sofort ins Auge. Hier in der edlen, aber schlicht gehaltenen Einrichtung ist er ein echter Blickfang – und doch kein Fremdkörper. Wer in Laschets Büro an dem antiken Tisch umrahmt von der europäischen, der deutschen und der nordrhein-westfälischen Fahne Platz nimmt, kann auf den Rhein sehen.

Aachener Vertrag unterschrieben

Wenn der Blick denn nicht an dem schmucken einst in Frankreich gebauten „Bureauplât“ hängen bleibt. Denn Laschet hat sich ein symbolträchtiges Stück in die Staatskanzlei geholt, dessen Geschichte er gerne und begeistert erzählt. So alt der Tisch auch sein mag, seinen historischen Moment hatte er vor gut einem Jahr im Aachener Rathaus. An ihm haben der französische Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel den Aachener Vertrag unterschrieben. Es war der Moment, in dem beide Staaten ihre Partnerschaft auf eine neue Basis gestellt und damit den 1963 geschlossenen Élysée-Vertrag erneuert haben.

Wenn der Ministerpräsident von dem Moment erzählt, kann man spüren, wie wichtig dem gebürtigen Aachener dieser Schulterschluss ist. „Das war genau 56 Jahre nach Unterzeichnung des Élysée-Vertrags ein herausragendes Signal für unsere beiden Nationen und die Europäische Union“, erinnert er gegenüber dieser Zeitung an den Moment. „Für mich ist die deutsch-französische Freundschaft und Zusammenarbeit ein Herzensanliegen. Der Tisch erinnert mich Tag für Tag daran, dass wir diese Beziehung pflegen und weiter verstärken müssen.“

Große Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft

Dass Nordrhein-Westfalen im Zentrum Europas, nah an Frankreich und den Benelux-Staaten liegt, prägt Laschets politisches Verständnis nicht erst als Ministerpräsident. Aber seit er in die Staatskanzlei eingezogen ist, nutzt er jede Chance, die internationalen Verbindungen des Landes zu verbreitern. Vom Regierungschef über Minister und Gouverneure bis hin zu Botschaftern und Generalkonsuln hat Laschet in den vergangenen zweieinhalb Jahren viele internationale Gäste in der Staatskanzlei begrüßt. Die tragen sich am „Bureauplât“ ins Gästebuch des Landes ein. Einer der letzten Besucher war im Dezember US-Botschafter Richard Grenell. „Für mich ist es eine liebgewonnene Gewohnheit geworden, meinen Gästen die Herkunft und die Symbolik des Tisches zu erklären und mit ihnen über die große Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft zu sprechen“, sagt Laschet. Ebenso pflegt er die Verbindung in die Niederlande, nach Belgien und Luxemburg.

Dass Laschet sich international so intensiv vernetzt, trägt ihm immer wieder den Spott der Opposition ein, er übe offenbar schon für das internationale Parkett als potenzieller Kanzlerkandidat. In seinem Umfeld verweist man dagegen darauf, wie hilfreich diese Kontakte schon bei der Lösung konkreter Probleme waren. Der Ministerpräsident selbst betont immer wieder sein Verständnis: Ein so großes Land wie NRW, das nach seiner Wirtschaftskraft zu den G20 gehören könnte und mitten in Europa liegt, müsse politisch und wirtschaftlich international vernetzt sein.

Dem kunstvollen Tisch war nach dem historischen Moment vor einem Jahr ursprünglich die Rückkehr ins städtische Suermondt-Ludwig-Museum Aachen bestimmt, wo er vorher in einem Archiv geschlummert hat. Das genau wollte Laschet verhindern, jetzt steht er als Dauerleihgabe in seinem Büro. Irgendwie standesgemäß.

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