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Orkan «Sabine»: Viele Städte geben schulfrei

Nordrhein-Westfalen geht in Deckung vor Orkan «Sabine»: Große Städte geben schulfrei. Bei der Bahn werden Vorkehrungen getroffen für den Fall, dass Bäume auf Schienen fallen. Wie schlimm es ab Sonntag wirklich wird, ist noch unklar.

Freitag, 07.02.2020, 19:13 Uhr aktualisiert: 07.02.2020, 19:22 Uhr
Schüler einer Grundschule melden sich während des Unterrichts.
Schüler einer Grundschule melden sich während des Unterrichts. Foto: Frank Molter

Düsseldorf/Essen (dpa/lnw) - Nordrhein-Westfalen bereitet sich auf Orkan «Sabine» vor, der in der Nacht zum Montag über NRW hinwegfegen soll. Mehrere Städte wie Essen, Neuss und Gelsenkirchen lassen am Montag alle ihre Schulen geschlossen - anderswo sollen die Eltern entscheiden, ob sie den Weg zur Schule für sicher halten. Bei der Bahn bereiten sich Räumkräfte auf einen Einsatz vor - großflächige Zugausfälle im Berufsverkehr am Montagmorgen sollen möglichst verhindert werden. Beim Landesbetrieb Straßenbau wurden Rufbereitschaften verstärkt. Auch der Flughafen Köln/Bonn wird «sturmfest» gemacht.

Die Stadt Essen stellte fest, dass am Montag eine «sichere Erreichbarkeit der Schulen nicht garantiert werden» könne. Daher werde am Montag kein Unterricht stattfinden. Auch in der Stadt Münster wird der Unterricht am Montag wohl komplett ausfallen: Sie empfahl den Eltern, «ihre schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen am Montag zu Hause zu lassen und nicht zur Schule zu schicken». Begründung: Die Wetterlage und die «damit einhergehenden möglichen Gefahren».

Die Stadt Köln wollte sich am Freitag noch nicht festlegen und verwies auf die aktuellen Regelungen. «Es entscheiden die Eltern, ob der Schulweg zumutbar und sicher ist.» Auch könnten die Schulen gemeinsam mit der Stadt als Schulträger entscheiden, den Unterricht frühzeitig zu beenden, «damit die Kinder noch sicher nach Hause kommen können». In Düsseldorf und Dortmund soll ähnlich verfahren werden.

Das Schulministerium hatte zuvor Schulen und Schulträger auf die Möglichkeit hingewiesen, am Montag den Unterricht ausfallen zu lassen. «Oberste Priorität hat die Sicherheit und Unversehrtheit aller Schülerinnen und Schüler», sagte Staatssekretär Mathias Richter (FDP). Das Ministerium betonte, dass Eltern am Montagmorgen entscheiden dürften, ihre Kinder nicht zur Schule zu schicken, «sollten sie den Schulweg für unzumutbar und nicht sicher erachten».

Der Deutsche Wetterdienst erwartet, dass Orkan «Sabine» in der Nacht zum Montag in Nordrhein-Westfalen Schäden verursacht und möglicherweise den Verkehr durcheinanderbringt. Er rechne damit, dass Bäume umfallen, sagte Meteorologe Bernd Hussing. Auch Auswirkungen im Bahnverkehr seien nicht auszuschließen. Voraussichtlich werde es am Sonntagmorgen eine amtliche Unwetterwarnung geben.

In Nordrhein-Westfalen wird der Höhepunkt des Orkans in der Nacht zum Montag etwa gegen Mitternacht erwartet. «Zwischen Windstärke 9 und 12 ist da alles möglich», sagte Hussing. Er rechne mit Windgeschwindigkeiten bis zu 120 Stundenkilometern. Zum Vergleich: Beim verheerenden Orkan Kyrill im Januar 2007 wurde die stärkste Böe in tiefen Lagen in Düsseldorf mit 145 Stundenkilometern registriert. «Am Sonntag wird der Wind im Tagesverlauf immer mehr zunehmen.» Bereits am Nachmittag gebe es flächendeckend Böen der Stärke 9. Auch länger anhaltenden Regen sagen die Experten voraus.

Der Sturm wird voraussichtlich am Montag andauern. Die Wetterexperten rechnen tagsüber weiterhin mit schweren Sturmböen. Auch orkanartige Böen seien nicht ausgeschlossen, hieß es in einer DWD-Prognose.

Die Deutsche Bahn empfahl Reisenden, für Sonntag, Montag oder Dienstag geplante Reisen zu verschieben. Im Regional- und Fernverkehr der Deutschen Bahn werde ab Sonntagabend mit erheblichen Beeinträchtigungen insbesondere im Norden und Westen Deutschlands gerechnet, teilte die Bahn mit.

Gleichzeitig laufen die Sturm-Vorbereitungen bei der Bahn auf Hochtouren. «Wir verstärken in allen Bereichen und bereiten uns auf "Sabine" vor», sagte eine Bahnsprecherin. So werde das Personal in den Leitstellen und Betriebszentralen erhöht, Schichtpläne würden angepasst. «Parallel werden Reparaturfahrzeuge ins Standby gesetzt.» Die Maßnahmen sind in einem vierstufigen Plan festgelegt. Das Augenmerk liege darauf, die Strecken so schnell es geht wieder befahrbar zu machen.

Beim Landesbetrieb Straßenbau werden in Südwestfalen und im Ruhrgebiet Mitarbeiter in Bereitschaft versetzt, die eigentlich für den Winterdienst parat stehen. «Zusätzlich wurde Kontakt zu den Firmen aufgenommen, die derzeit für uns die Gehölzpflege durchführen, um eventuell mit entsprechendem Gerät zum Einsatz zu kommen», sagte Straßen.NRW-Sprecherin Susanne Schlenga. Im Ernstfall würden die Mitarbeiter vor allem für die Absperrung von Straßen sorgen.

Auch der Flughafen Köln/Bonn wird sich nach Angaben einer Sprecherin auf den Sturm einstellen. «Es gibt ein Standardprozedere, mit dem wir unseren Flughafen sturmfest machen. So würden etwa auf dem Vorfeld, wo Maschinen stehen, Fluggastbrücken befestigt, fahrbare Treppen würden fixiert. Es werde kontrolliert, ob große Poster und Werbetafeln gut befestigt seien. «Bei Kleinflugzeugen werden die Tragflächen beschwert.» Gegebenenfalls sollen auch große Verkehrsflugzeuge «sturmbetankt» werden, «damit sie schwerer werden». Auch der Düsseldorfer Airport beobachtet die Lage genau: «Wir sind auf Wetterereignisse jeder Art eingestellt und können kurzfristig reagieren», sagte ein Flughafensprecher.

Auch die Essener Berufsfeuerwehr gab sich zuversichtlich: «Wir sind immer gut vorbereitet», sagte ein Sprecher Nach dem Pfingststurm «Ela», der 2014 in Essen große Schäden angerichtete, habe man mehr als 20 neue Kettensägen mit Zubehör gekauft. Mit der freiwilligen Feuerwehr, die man zusätzlich alarmieren könne, habe man außerdem «ein dickes Pfund».

Auswirkungen wird der Sturm voraussichtlich auch auf den Kölner Dom haben: Rund um den Dom werde es am Sonntag aus Sicherheitsgründen wahrscheinlich zu Absperrungen kommen, teilte die Dombauverwaltung am Freitag mit. Je nach Lage könnten auch der Zugang zu Dom, Domschatzkammer und Turmbesteigung betroffen sein. Gottesdienste müssten dann entfallen. Darüber werde die Dombauverwaltung kurzfristig auf ihrer Internet-Seite informieren, hieß es.

Ob das Fußball-Bundesligaspiel in Mönchengladbach am Sonntagnachmittag gefährdet ist, war noch offen. Dies soll erst am Spieltag geklärt werden, teilte Borussia Mönchengladbach mit. Auf dem Spielplan steht das Derby gegen den 1. FC Köln.

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