Denkmäler
Burgbesitzer: Mehr Förderung, weniger Denkmalschutzauflagen

Burgen, Schlösser und alte Herrenhäuser sehen prächtig aus, für die Finanzen ihrer Eigentümer sind sie aber oft ein Alptraum. Die Burg- und Schlossbesitzer in NRW dringen auf mehr Förderung vom Land – und Entgegenkommen der Denkmalschutzbehörden.

Dienstag, 11.02.2020, 05:59 Uhr aktualisiert: 11.02.2020, 06:12 Uhr
Ina Scharrenbach (CDU), Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, beantwortet Fragen von Journalisten.
Ina Scharrenbach (CDU), Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, beantwortet Fragen von Journalisten. Foto: Federico Gambarini

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Eigentümer denkmalgeschützter Gebäude in NRW wünschen sich zusätzliche Fördermittel und mehr Entgegenkommen der Behörden bei Denkmalschutzauflagen. «Wir brauchen mehr Unterstützung vom Land und mehr Fingerspitzengefühl und Flexibilität der Behörden», sagte der Vorsitzende der Familienbetriebe Land und Forst NRW, Max Freiherr von Elverfeldt, der Deutschen Presse-Agentur. «Denn das Schlimmste für die Gebäude ist, wenn sie nicht genutzt werden und verfallen.»

Aktuell arbeitet die Landesregierung an einer Novelle des NRW-Denkmalschutzgesetzes. Der Entwurf des neuen Gesetzes soll noch in diesem Jahr vorgelegt werden. NRW-weit gibt es gut 82 000 denkmalgeschützte Gebäude wie Burgen, Schlösser, Herrenhäuser oder Mühlen. Mehr als drei Viertel der Gebäude sind in der Hand privater Eigentümer. Vielen Eigentümern fehlen trotz aller Bemühungen die finanziellen Mittel für den denkmalgerechten Erhalt der historischen Bausubstanz.

Am heutigen Dienstag trifft sich die zuständige Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) zu einem Austausch mit Vertretern der Deutschen Burgenvereinigung und der Vereinigung der Familienbetriebe.

Von der schwarz-gelben Landesregierung seien die Fördermittel für den Denkmalschutz wieder hochgefahren worden auf aktuell rund zwölf Millionen Euro im Jahr, sagte von Elverfeldt. «Das spüren wir auch positiv, doch die Förderung reicht bei weitem noch nicht aus.» Sie müsse deutlich erhöht werden, forderte von Elverfeldt. Eine Zahl nannte er nicht.

Probleme mit Denkmalschutzauflagen gebe es oft bei Modernisierungen von Gebäuden - etwa energetischen Sanierungen oder dem Anbau von Balkonen, Terrassen oder Wintergärten. Die Installation von Solaranlagen auf den Dächern werde bei diesen Gebäuden praktisch durchgehend untersagt, beklagte von Elverfeldt. Ohne eine zeitgemäße Umgestaltung ließen sich Immobilien aber vielfach nicht vermieten oder verwerten. Eigentümer seien dann in vielen Fällen finanziell mit ihren Anlagen überfordert. Es drohe der Verfall.

«Wir wollen keine historischen Fassaden verschandeln», betonte der Verbandsvertreter. Natürlich sei der Denkmalschutz auch für die Eigentümer ein wichtiger Aspekt. Es gehe ihm nur um mehr Flexibilität bei Gebäuden wie ehemaligen Ställen oder Wirtschaftsgebäuden, die baulich nicht im Mittelpunkt stünden.

Bei den Denkmalschutzbehörden in den Kommunen gebe es für individuelle Lösungen oft durchaus Verständnis, weil die Vertreter die Verhältnisse vor Ort sehr gut im Blick hätten. Er würde sich wünschen, dass bei der Reform die Entscheidungskompetenz der Unteren Denkmalbehörden gestärkt werde, sagte von Elverfeldt. Außerdem rate er zur Zurückhaltung bei der Anerkennung neuer Denkmäler: «Je mehr Denkmäler wir bekommen, desto knapper wird der Fördertopf.»

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