Krankheiten
Coronavirus in NRW: Mehr als 60 Infizierte, auch Kinder

Der Erreger Sars-CoV-2 breitet sich derzeit vor allem in Nordrhein-Westfalen aus. Inzwischen sind Dutzende Infektionen bestätigt. Neben dem stark betroffenen Kreis Heinsberg gibt es jetzt auch Fälle in Bonn, im Raum Aachen und im Sauerland.

Samstag, 29.02.2020, 14:13 Uhr aktualisiert: 29.02.2020, 14:22 Uhr
Blick in den Saal des Krisenstabs, der über die Ausbreitung des neuen Coronavirus im Kreis Heinsberg berät.
Blick in den Saal des Krisenstabs, der über die Ausbreitung des neuen Coronavirus im Kreis Heinsberg berät. Foto: Roberto Pfeil

Heinsberg (dpa) - Bei vier Kindern in Nordrhein-Westfalen ist eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen worden. Die Kinder gehen in die Kita im Kreis Heinsberg, in der eine an Covid-19 erkrankte Frau als Erzieherin arbeitet. Sie wird zurzeit in der Düsseldorfer Uniklinik behandelt. Das teilte der Kreis Heinsberg am Samstag nach einer Sitzung des Krisenstabs mit. Den Kindern gehe es gut. Sie zeigten «allenfalls leichte Erkältungssymptome», sagte eine Sprecherin. Die Zahl der Personen, die sich mit dem Erreger Sars-CoV-2 im Kreis Heinsberg nachweislich infiziert haben, sei nun auf 60 gestiegen.

Insgesamt besuchen 114 Kinder die betroffene Kita. Rund 100 Jungen und Mädchen machten den Test, bei vieren war der Befund positiv. Die anderen rund 14 Kinder seien zu dem freiwilligen Test nach bisherigen Erkenntnissen nicht erschienen, sagte die Kreissprecherin. «Nur» noch alle diejenigen Personen, die unmittelbar zu einer infizierten Person Kontakt hatten und die selber Krankheitssymptome zeigen, sollten in häusliche Quarantäne gehen. Sie sollten ihren Hausarzt konsultieren, der entscheide, ob ein Test vorgenommen werde. Man passe die Maßnahmen zur Quarantäne damit an. Rund 1000 Menschen befanden sich im Kreis Heinsberg am Samstag zunächst noch in häuslicher Isolation. Sie sollte für einen Großteil aber im Laufe des Samstags enden.

Erstmals wurden auch aus Bonn, aus der Region Aachen und aus dem Sauerland - im Märkischen Kreis - insgesamt fünf Infektionen gemeldet. In Bonn hat sich ein Mitarbeiter der Offenen Ganztagsbetreuung (OGS) einer Grundschule mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Die Schule bleibt ab Montag an für zwei Wochen geschlossen. Die rund 185 Grundschüler sollen nun auf das Virus getestet werden, sagte die Leiterin des Gesundheitsamtes, Ingrid Heyer. Dazu sollten Krisenteams die Familien im Laufe des Tages zu Hause aufsuchen.

Der 23 Jahre alte OGS-Mitarbeiter zeige nur leichte Symptome und befinde sich in häuslicher Quarantäne. Er habe im Kreis Heinsberg Karneval gefeiert und sei dann am Aschermittwoch nach Bonn zurückgekehrt. Damit gibt es einen Bezug zum Kreis Heinsberg, wo auch der 47-Jährige gefeiert hatte, der als Erstinfizierter in NRW gilt. Er wird weiter in der Uniklinik Düsseldorf behandelt - ebenso wie seine Ehefrau - sie ist die 46-jährige Erzieherin aus der Kita in Gangelt, wo nun vier Kinder positiv getestet wurden.

In Aachen und im nahe gelegenen Würselen wurde Sars-CoV-2 bei drei Personen nachgewiesen. Es handele sich um eine Frau aus Gangelt im Kreis Heinsberg, die aus anderen Gründen in einer Aachener Klinik behandelt wurde, wie ein Sprecher der Stadt am Samstag mitteilte. Sie sei nun isoliert, alle Kontaktpersonen würden ermittelt.

In Würselen wurden eine Frau und ihr Sohn positiv getestet. Bei dem Sohn handele es sich um einen Heranwachsenden oder jungen Erwachsenen - er sei Schüler der elften Klasse, sagte ein Sprecher der Städteregion Aachen auf dpa-Anfrage. Aufgrund «des leichten Krankheitsverlaufes» wurden beide trotz ihrer Infektion nach Hause entlassen. Kontaktpersonen würden ausfindig gemacht. Ob auch bei den beiden Betroffenen ein Bezug zum Kreis Heinsberg bestand, war zunächst unklar.

Im sauerländischen Lüdenscheid hat sich ein Lehrer infiziert. Ein Sprecher des Märkischen Kreises sagte auf dpa-Anfrage, es seien 36 Kontaktpersonen in häusliche Quarantäne geschickt worden. Man habe von allen Abstriche genommen, die nun ins Labor geschickt würden. Die Förderschule des Kreises mit 95 Schülern und 20 Lehrern bleibe bis Ende der kommenden Woche geschlossen. Auch der Pädagoge - mit nur leichten grippeähnlichen Symptomen - habe im Kreis Heinsberg an der Karnevalssitzung teilgenommen, die für NRW als Ausgangspunkt gilt. Vier weitere Lehrkräfte der Förderschule müssen ebenfalls in häusliche Quarantäne.

Am Freitag waren Patienten auch aus Düsseldorf und Bergheim gemeldet worden - auch sie haben laut Gesundheitsministerium allesamt Bezüge zu Infizierten im Kreis Heinsberg. Als erste Sars-CoV-2-Fälle mit einer ernsten Erkrankung waren die beiden Ehepartner aus Gangelt in eine Klinik gekommen - seit Mittwoch werden sie mit einer Lungenentzündung auf der Isolierstation des Düsseldorfer Uniklinikums behandelt. Dabei galt der Zustand des Mannes als ernst, hatte sich aber zuletzt «etwas stabilisiert». Die beiden Kinder des Paares hatten sich nicht angesteckt, sie sind gesund.

Angesichts der Ausbreitung des neuen Coronavirus wurden zahlreiche Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen abgesagt oder stehen auf dem Prüfstand, darunter auch internationale Messen.

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