Einzelhandel
Supermarktkette Real beschließt Aus für sieben Filialen

Nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages für Real gibt es keine Atempause für die Mitarbeiter. Denn die Supermarktkette stellt überraschend schnell die Weichen für erste Filialschließungen. Die Gewerkschaft Verdi ist alarmiert.

Mittwoch, 04.03.2020, 14:35 Uhr aktualisiert: 04.03.2020, 14:42 Uhr
Ein Mann schiebt seinen Einkaufswagen vor einem Real Supermarkt.
Ein Mann schiebt seinen Einkaufswagen vor einem Real Supermarkt. Foto: Oliver Berg

Düsseldorf (dpa) - Noch ist die Tinte unter dem Kaufvertrag für die Supermarktkette Real kaum getrocknet, da wird es ernst für die ersten Mitarbeiter des Unternehmens. Bis spätestens Mitte nächsten Jahres sollen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur die sieben Geschäfte in Bamberg, Deggendorf, Augsburg, Papenburg, Rheine, Bad Sobernheim und in Wildau bei Berlin ihre Tore schließen. Insgesamt sind davon 650 Beschäftigte betroffen. Zuvor hatten Zeitungen der Funke-Gruppe darüber berichtet.

Die Schließungen seien mit den künftigen Real-Eigentümer, dem russischen Finanzinvestor SCP, besprochen, erfuhr dpa. SCP hatte bereits kurz nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages mit der Metro angekündigt, rund 30 Filialen mangels Zukunftsperspektiven schließen zu wollen. Der Rest der Kette soll zerschlagen werden. Ein Großteil der 276 Real-Märkte soll an Wettbewerber wie Kaufland, Globus oder Edeka verkauft werden. Nur ein Kern von 50 Filialen soll noch 24 Monate unter dem Namen Real weitergeführt werden.

Bei der Gewerkschaft Verdi klingeln angesichts der Situation die Alarmglocken. «Das ist ein bitterer Tag für die Beschäftigten bei Real, und es sind wohl leider nicht die letzten schlechten Nachrichten nach diesem desaströs geführten Verkaufsprozess», bemerkte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Mittwoch. Sie hatte am Vorabend Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) aufgefordert, endlich aktiv zu werden und alle Beteiligten an einen Tisch zu holen. «Es geht um 34 000 Menschen mit ihren Familien, die nicht wissen, ob sie in einem Jahr noch Arbeit haben», sagte sie in Düsseldorf. Hier sei die Bundesregierung gefordert.

Die Gewerkschaft sieht nach früheren Angaben im Zuge der Übernahme bis zu 10 000 Arbeitsplätze in Gefahr. Dabei geht es nicht nur um die 30 Filialen, die geschlossen werden sollen. Auch die Zukunft der Arbeitsplätze bei den 50 Filialen, die als Real-Kern noch mindestens 24 Monate weiterbetrieben werden sollen, sei ungewiss, meinte der Verdi-Bundesfachgruppenleiter für den Einzelhandel, Orhan Akman. «Niemand ist in der Lage, ein Unternehmen mit lediglich 50 Warenhäusern auf Dauer wirtschaftlich zu betreiben», ist der Branchenkenner überzeugt. Das Ganze sei nicht mehr als eine «Beruhigungspille» für die Mitarbeiter.

Und selbst bei den Geschäften, die an Wettbewerber abgegeben werden, können die Beschäftigen laut Verdi nicht sicher sein, ihre Jobs zu behalten. Denn viele der Real-Filialen müssten aufwendig renoviert oder sogar in mehrere Läden aufgeteilt werden, um eine Zukunft zu haben. Dies während des laufenden Betriebs zu machen, sei in vielen Fällen eine Illusion.

Die Gewerkschaft befürchtet, dass vielen Mitarbeitern wegen der langen Umbauzeiten am Ende doch gekündigt werden könnte und sie sich später bei den Nachfolgeunternehmen neu bewerben müssen. Damit würden sie ihre zum Teil über Jahrzehnte angehäuften sozialen Ansprüche verlieren. Um das zu verhindern, will Verdi versuchen, mit SCP und den potenziellen Käufern von Real-Filialen wie Kaufland oder Edeka Sozialtarifverträge abzuschließen, die einen reibungslosen Übergang garantieren.

SCP-Group-Chefin Marjorie Brabet-Friel hatte kurz nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages angekündigt, der Finanzinvestor werde versuchen, «Schließungen und Entlassungen so weit wie möglich zu vermeiden». Doch schränkte sie zugleich ein, das weitere Vorgehen von SCP hänge auch vom künftigen Engagement der anderen Beteiligten, von den Mitarbeitern, Betriebsräten und Gewerkschaften über die Politik bis hin zu den Vermietern ab.

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