Himmelslaternen – Verkauf erlaubt, anzünden verboten
Verbraucherzentrale NRW geht gegen Online-Händler vor

Düsseldorf -

Die Rechtsgrundlage ist paradox: Himmelslaternen dürfen in Deutschland zwar verkauft, aber nicht angezündet werden. Händler müssen beim Verkauf darauf hinweisen. Die Verbraucherzentrale NRW mahnte sechs Online-Händler, die dieser Pflicht nicht nachkamen, ab. 

Dienstag, 10.03.2020, 06:55 Uhr
Himmelslaternen – Verkauf erlaubt, anzünden verboten: Verbraucherzentrale NRW geht gegen Online-Händler vor
Für Himmelslaternen gilt eine widersprüchliche Rechtslage, auf die Händler hinweisen müssen. Foto: dpa

Unter den sechs Online-Händlern, die die Verbraucherzentrale NRW abmahnte, waren unter anderem auch Amazon und Alsino. Vier der sechs Händler gaben laut Verbraucherzentrale eine Unterlassungserklärung ab und gelobten Besserung. Amazon hat nach Erhalt der Abmahnung mitgeteilt, sie hätten den Verkauf von Himmelslaternen komplett eingestellt.

Der Internethändler Alsino bestreitet, Himmelslaternen auch an Privatkunden in Deutschland zu verkaufen. Ein Testkauf  mit Lieferort Düsseldorf habe jedoch das Gegenteil belegt, berichtet die der Verbraucherzentrale. Ein weiterer Online-Händler, Eifel-Luftballons.de, wurde später abgemahnt und kann die geforderte Unterlassungserklärung noch bis zum 12. März bei der Verbraucherzentrale einreichen. 

Himmelslaternen können Brände verursachen

Anlass für die Abmahnungen war der verheerende Brand des Affenhauses in der Silvesternacht im Krefelder Zoo, für den nach Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft Himmelslaternen verantwortlich waren. 

Verheerender Brand im Krefelder Zoo

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  • In der Silvesternacht hat es im Krefelder Zoo einen verheerenden Brand gegeben.

    Foto: Marcel Kusch
  • Das Affenhaus geriet in Flammen. Mehr als 30 Tiere verendeten.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Beim Eintreffen der Feuerwehrkräfte in der Silvesternacht stand das Affenhaus bereits in Flammen.

    Foto: Alexander Forstreuter
  • Ein Feuerwehrsprecher sagte, man sei überrascht gewesen, wie schnell das Dach des Affenhauses gebrannt habe.

    Foto: David Young
  • Eine Sprinkler- oder Brandmeldeanlage habe es nicht gegeben, dies sei zum Zeitpunkt des Baus 1975 aber auch nicht vorgeschrieben gewesen.

    Foto: Marcel Kusch
  • Mehrere Menschenaffen wurden bei dem Brand getötet, so etwa der Senior-Silberrücken Gorilla «Massa».

    Foto: Roland Weihrauch/dpa-Archiv
  • Auch der Orang-Utan «Suria» und seine Mutter «Lea» (hier ein Archivbild von 2016) starben.

    Foto: Roland Weihrauch/dpa-Archiv
  • Die Ermittler gehen davon aus, dass eine sogenannte chinesische Himmelslaterne den Brand des Affenhauses verursacht hat.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Gerd Hoppmann, Leiter der Ermittlungskommission der Polizei Krefeld, präsentiert eine Himmelslaterne. 

    Foto: Fabian Strauch
  • „Es ist der schwerste Tag in der Geschichte des Krefelder Zoos“, sagte Direktor Wolfgang Dreßen.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Der Brand im Krefelder Zoo ist nach Einschätzung der Polizei „weitgehend aufgeklärt“.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Eine 60 Jahre alte Krefelderin und ihre beiden erwachsenen Töchter meldeten sich und gaben an, Himmelslaternen im Internet bestellt und fünf in der Silvesternacht steigen gelassen zu haben.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Die Ermittler gehen davon aus, dass eine dieser Himmelsleuchten den Brand des Affenhauses verursacht habe. Dies werde aber derzeit noch genau geprüft, um andere Ursachen auszuschließen. Die anderen vier Leuchten habe man sichergestellt.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Die Frauen dachten nach eigenen Angaben, dass es an Silvester erlaubt sei, sie steigen zu lassen. Tatsächlich sind sie aber in ganz Deutschland verboten.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Gegen die drei Frauen wird nun wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. Darauf steht ein Haft- oder Geldstrafe.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Vor dem Haupteingang des Krefelder Zoos wurden Kerzen, Bilder, Plüschtiere und Schilder abgelegt.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Am Mittwochvormittag wurde nach dem Brand eine Pressekonferenz abgehalten. Am Neujahrstag und auch am Donnerstag blieb der Tierpark wegen des Unglücks geschlossen: „Unsere Mitarbeiter stehen unter Schock“, erklärte der Zoo und warb um Verständnis.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Den Fragen der Journalisten stellten sich (v.l.): Kai Günther (Feuerwehr), Gerd Hoppmann (Kriminalhauptkommissar Polizei Krefeld), Frank Meyer (Oberbürgermeister von Krefeld) und Zoosprecherin Petra Schwinn.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Der Zoo wird voraussichtlich am Freitag wieder öffnen. Der Brandort wird mit Absperrungen versehen, um einen „Katastrophentourismus“ so weit wie möglich zu verhindern.

    Foto: David Young
  • Die durch den Brand im Krefelder Zoo umgekommenen Menschenaffen können nicht beerdigt werden. 

    Foto: David Young
  • Da es sich bei ihnen nicht um Haustiere, sondern um Wildtiere handele, sei eine Beerdigung nicht erlaubt, sagte Zoosprecherin Petra Schwinn am Donnerstag. Zoointern werde es eine Trauerfeier geben.

    Foto: David Young

Die Verbraucherzentrale beruft sich auf die Informationspflicht für Händler, nach der Händler Verbraucher über Eigenschaften, Nutzungsbestimmungen und Risiken von Produkten informieren müssen, damit Kunden entscheiden können, ob sie mit diesem Wissen ein Produkt überhaupt kaufen. Diese Informationspflichten gelten sowohl im Internet als auch für den stationären Handel. Aufgrund der widersprüchlichen Rechtslage sei die Einhaltung dieser Pflicht laut Verbraucherzentrale bei Himmelslaternen besonders notwendig. 

Kein bundesweites Verbot

Himmelslaternen dürfen in Deutschland zwar verkauft und erworben werden. Sie dann entflammt gen Himmel steigen zu lassen, ist bundesweit jedoch strikt verboten und stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Eine Ausnahme ist in Nordrhein-Westfalen nur in seltenen Fällen möglich und muss ausdrücklich behördlich genehmigt werden.

Damit einhergehend kündigte NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann einen Verkaufsstopp an. Über die NRW Landesgrenzen hinaus und über das Internet können die Laternen trotzdem noch erworben werden. Deshalb will Laumann sich dafür stark machen, dass der Verkauf von Himmelslaternen im stationären Handel und übers Internet über die NRW-Landesgrenzen hinweg gestoppt wird.

NRW-Verbraucherzentralenvorstand Wolfgang Schuldzinski merkt an, dass „ein Produkt, das man nicht verwenden darf, grundsätzlich auch nicht verkauft werden dürfte. Da es theoretisch in Ausnahmefällen erlaubt werden kann, Himmelslaternen steigen zu lassen, müssten diese Produkte zumindest deutlich mit Warnhinweisen gekennzeichnet sein.“

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