Palliativ- und Hospizversorgung
Nur ein Drittel der Patienten wird versorgt

Düsseldorf -

Nur ein Drittel der Patienten, die eine palliative Versorgung bräuchten, werden auch entsprechend versorgt. Gründe dafür sind Personalmangel und Unwissen in der Bevölkerung.

Montag, 09.03.2020, 20:28 Uhr
CDU-Landtagsabgeordneter Stefan Nacke
CDU-Landtagsabgeordneter Stefan Nacke Foto: Klaus Altevog

Es kann für Kranke die wichtigste Hilfe am Ende des Lebens sein. Doch nur die Hälfte der Menschen in Nordrhein-Westfalen kennt die Angebote der Palliativversorgung für todkranke Patienten, wenn die Krankheitsursachen nicht mehr bekämpft, aber die Symptome gelindert werden können. Und nur 18 Prozent wissen, dass die Begleitung Sterbender in den landesweit rund 70 Hospizen oder durch einen ambulanten Hospizdienst kostenlos ist. Dieses Bild aus einer Studie des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes zeichnete der Palliativmediziner Professor Winfried Hardinghaus bei einem Werkstattgespräch der CDU-Landtagsfraktion.

Es kann für Kranke die wichtigste Hilfe am Ende des Lebens sein. Doch nur die Hälfte der Menschen in Nordrhein-Westfalen kennt die Angebote der Palliativversorgung für todkranke Patienten, wenn die Krankheitsursachen nicht mehr bekämpft, aber die Symptome gelindert werden können. Und nur 18 Prozent wissen, dass die Begleitung Sterbender in den landesweit rund 70 Hospizen oder durch einen ambulanten Hospizdienst kostenlos ist. Dieses Bild aus einer Studie des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes zeichnete der Palliativmediziner Professor Winfried Hardinghaus bei einem Werkstattgespräch der CDU-Landtagsfraktion.

Insgesamt 70 Palliativ­stationen gibt es in nordrhein-westfälischen Krankenhäusern, 3000 dafür ausgebildete Ärzte stehen zur Verfügung. Und dennoch, berichtete Hardinghaus, werde derzeit nur ein Drittel der Patienten, die eine palliative Versorgung bräuchten, entsprechend versorgt. „Die Situationen in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, auch in der Eingliederungshilfe, ist dringend verbesserungsbedürftig.“

Bewusst Abschied nehmen

Nicht geplant, aber passend: Das Werkstattgespräch mit 140 Vertretern aus ­Hospizarbeit und Palliativmedizin erhielt durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe zusätzliche Brisanz. Hardinghaus warnte, damit werde Beihilfe zum Suizid vom Motiv Krankheit gelöst. Weil aber oft Stresslagen Gedanken an einen Suizid auslösten, brauche es eine viele Lebens­bereiche einschließende Begleitung. Hier komme den Hospizen eine wichtige Rolle zu: „Wer bewusst Abschied nehmen kann, hat das Höchste im Leben erreicht.“

Auch wenn die Angebote sich deutlich verbessert und verbreitert haben, gibt es nach Worten von Elke Bertels-Janett, Pflegefachleitung Palliativstation am Herz-Jesu-Krankenhaus in Münster-Hiltrup, enormen Aufhol­bedarf: „Wir haben noch große Defizite in Behinderteneinrichtungen, in ambulanten Pflegediensten und in Altenheimen.“ Personell sei Palliativbetreuung oft nicht zu leisten.

Den Mangel spüren zuerst ländliche Regionen. Lokale Netzwerke von Anbietern und ehrenamtlichen Begleitern seien eine Lösung, die aber finanziert werden müsste, forderte der Bonner Palliativmediziner Professor Lukas Radbruch. Diese müssten Patienten auch in frühen Krankheitsphasen beraten, nicht erst in den letzten Tagen ihres Lebens.

Enttabuisierung von Tod und Sterben

Das könnte auch dazu führen, dass Sterbende ihren Wunsch nach einem Abschied in gewohnter Umgebung nicht mehr aus falsch verstandener Rücksicht auf Angehörige verschweigen, regte Gabriele Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, an. Nur etwa 85 Prozent der Patienten ist das vergönnt.

Juliane Schneider, Leiterin des Marien-Hospiz in Winsdorf bei Siegen berichtete, sie erhalte immer öfter Anrufe aus Kliniken, die Patienten loswerden wollten. Dass die Krankenhäuser jetzt 300 Euro Strafe für zu lange Behandlungen zahlen müssten, „ist kontraproduktiv“.

Die CDU-Fraktion will nun weitere Lücken im System schließen, sagte der Abgeordnete Stefan Nacke. „Wir wollen auf Basis des christlichen Menschenbildes für eine humane Gesellschaft sorgen, in der Tod und Sterben nicht tabuisiert und Betroffene und Angehörige nicht alleingelassen werden.“

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