Hochschulen
Kontaktlos studieren: Ruhr-Uni verzichtet auf Präsenz-Lehre

Wegen der Corona-Pandemie ist der Semesterstart auf den 20. April verschoben worden. Doch wie Studieren dann genau aussehen wird, das ist ungewiss. Die Ruhr-Uni prescht vor und gibt bekannt: Ihre Lehre in den kommenden Monaten soll präsenzfrei und kontaktlos sein.

Mittwoch, 01.04.2020, 17:11 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 17:23 Uhr
Das Uni-Center der Ruhr-Universität Bochum in Bochum (Nordrhein-Westfalen).
Das Uni-Center der Ruhr-Universität Bochum in Bochum (Nordrhein-Westfalen). Foto: Marcel Kusch

Bochum (dpa/lnw) - Wegen der Corona-Pandemie verzichtet die Ruhr-Universität Bochum in der kommenden Vorlesungszeit bis Juli komplett auf Präsenzveranstaltungen. Ziel sei es aber, den 72 900 eingeschriebenen Studierenden ein vollwertiges Sommersemester anzubieten, teilte die Uni am Mittwoch mit. Statt Vorlesungen in vollen Hörsälen oder Seminare vor Ort stellen dafür die Lehrenden ihre Studienangebote auf online-gestützte, kontaktlose Angebote um.

Auch Experimente, Exkursionen oder Archivbesuche sollen durch gleichwertige Angebote ohne Kontakt ersetzt oder verschoben werden. Bei all dem sollen die Studierenden weiter ihre Punkte sammeln können, die sie für den Studienabschluss brauchen. «Das ist der aktuelle Stand, mit dem wir planen, der aber je nach Lage auch angepasst werden kann», sagte eine Sprecherin.

Normalerweise würde das Semester in der kommenden Woche starten. Um die Ausbreitung des Coronavirus abzubremsen, hatte die Landesregierung den Semesterbeginn für die etwa 782 000 Studierenden an den 70 Hochschulen im Land bereits auf den 20. April verschoben.

Schon jetzt machten Hochschulen zunehmend von der Möglichkeit Gebrauch, digitale Lehrangebote bereitzustellen, hieß es aus dem Wissenschaftsministerium am Mittwoch. Zu allen Fragen rund um die Corona-Pandemie stehe das Ministerium in ständigem Austausch mit den Hochschulen. In Kürze wolle man gemeinsam «eine Neubewertung der Lage vornehmen» und über «etwaige Folgemaßnahmen» entscheiden. «Dabei werden auch die Möglichkeiten der digitalen Lehre erörtert werden», hieß es weiter.

Mit einer Festlegung, wie genau es weitergehen soll, tun sich die meisten Hochschulen bisher schwer: Ob das Semester in Präsenzform starten kann, sei leider weiter ungewiss, heißt es bei der Universität Duisburg-Essen. Die Studierenden sollten sich aber darauf einstellen, «dass das Semester möglicherweise ganz in räumlicher Distanz stattfinden muss», sprich mit Online- und E-Learning-Formaten.

An der Universität Münster will man nach jetzigem Stand nicht gänzlich auf Präsenzveranstaltungen verzichten. Alle Verwaltungseinheiten würden derzeit mit Hochdruck an Lösungen für den Lehrbetrieb arbeiten. «Wir warten aber auch noch auf Entscheidungen der Politik in Düsseldorf», sagte ein Uni-Sprecher der dpa.

Das Landes-ASten-Treffen (LAT), in dem sich die Studierendenvertreter der NRW-Hochschulen zusammengeschlossen haben, kritisierte das Fehlen einer landesweiten Lösung: «Ein Flickenteppich aus unterschiedlichen Herangehensweisen aller Hochschulen ist unserer Auffassung nach wenig förderlich und führt zu Verunsicherungen bei den Studierenden», sagte LAT-Koordinatorin Katrin Lögering der Deutschen Presse-Agentur. Wie ein Verzicht auf Präsenzveranstaltungen gelänge, hänge dabei stark vom Fach ab. «Ein Chemiestudium kann nicht so einfach auf Onlinelehre umgestellt werden wie beispielsweise ein Jurastudium», sagte sie. Außerdem seien bei Studierenden die Zugangs- und Lernbedingungen zur Onlinelehre höchst unterschiedlich: Studierende mit Kind oder chronisch Kranke könnten unter Umständen Nachteile haben, wenn sie nun von zuhause aus lernen müssen. «Das muss unbedingt berücksichtigt und ausgeglichen werden.»

An der Fern-Universität Hagen, die schon immer zeit- und ortsunabhängiges Studieren ermöglicht hat, ist das Semester am Mittwoch dagegen wie geplant gestartet. Die Hochschule will nun andere von ihrem Vorsprung in Sachen digitaler Wissensvermittlung profitieren lassen. So öffnet die Koordinationsstelle für E-Learning und Bildungstechnologien der Hochschule ihr Angebote für Interessierte anderer Hochschulen, hieß es in einer Mitteilung.

In einem Blog etwa gebe es Hilfe zur Erstellung von Lehrvideos und ausgewählte Praxisbeispiele. Rektorin Ada Pellert erhofft sich demnach einen Schub für Digitalisierung von Hochschulen: «Alle probieren jetzt aus und merken dabei, was sie schon können und wo noch Nachbesserung nötig ist. Dabei entstehen Dinge, die wir in der deutschen Hochschullandschaft nachhaltig verankern sollten.»

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