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Landesregierung unterstützt Heinsberg-Studie

Die sogenannte Heinsberg-Studie des Bonner Virologen Hendrik Streeck gerät in die Kritik von Opposition und Wissenschaft. Es geht um die Methodik und das Engagement einer Berliner Agentur. Die Landesregierung gab rund 65.000 Euro für die Untersuchung aus.

Freitag, 10.04.2020, 21:18 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 21:32 Uhr
Hendrik Streeck, Direktor am Institut für Virologie im Universitätsklinikum Bonn, spricht auf einer Pressekonferenz.
Hendrik Streeck, Direktor am Institut für Virologie im Universitätsklinikum Bonn, spricht auf einer Pressekonferenz. Foto: Jonas Güttler

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Landesregierung unterstützt die sogenannte Heinsberg-Studie des Bonner Virologen Hendrik Streeck mit 65.315 Euro. Das geht aus der Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage der SPD im Landtag hervor. Demnach werden mit dem Geld Corona-Tests und medizinische studentische Hilfskräfte finanziert.

Die SPD-Abgeordnete Sarah Philipp hatte die Landesregierung auch nach der Bezahlung der Berliner Agentur Storymachine gefragt, die die Dokumentation der Studie unter anderem in Sozialen Medien leistet. Dazu habe man keine Erkenntnisse, so Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im Namen der Landesregierung. Agentur-Mitinhaber Philipp Jessen hatte dem Internetdienst «Meedia» am Donnerstag gesagt: «Natürlich fließen weder Steuergelder noch finanzielle Mittel der Universität Bonn in unsere Arbeit.» Die Agentur sei von sich aus auf Streeck zugegangen.

Die SPD-Abgeordnete Philipp nannte die Beteiligung von Storymachine am Freitag einen «unlauteren Wettbewerbsvorteil», selbst wenn kein Geld geflossen sei. Die Agentur könne so schließlich auf ein Referenzprojekt verweisen, das «bestimmt auch andere Agenturen gerne gehabt hätten.»

Die Politikerin sagte weiter, dass die Agentur den Auftrag offensichtlich bekam, weil Streeck mit dem Mitinhaber Michael Mronz persönlich bekannt sei. Mronz bestätigte dem «Kölner Stadt-Anzeiger», dass er den Forscher «schon lange privat» kenne und schätze. Als Streeck ihm erzählt habe, wie viel Zeit ihn das öffentliche Kommunizieren seiner Arbeit koste, habe er ihm Hilfe angeboten. Mronz wiederholte, dass seine Agentur weder Steuergeld noch Mittel der Uniklinik Bonn bekomme. Man wolle der Forschung nur die «angemessene Aufmerksamkeit» schenken.

Virologe Streeck hatte am Donnerstag im Beisein von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erste Ergebnisse seiner Studie im vom Coronavirus besonders betroffenen Landkreis Heinsberg vorgestellt und sich für erste Lockerungen der aktuellen Maßnahmen ausgesprochen.

Wie mehrere Medien am Donnerstag und Freitag berichteten, stößt die Studie auf Kritik anderer Wissenschaftler. So habe unter anderem der Virologe Christian Drosten bei einem Gespräch, organisiert vom Kölner Science Media Center, gesagt, man könne aus Streecks Pressekonferenz «gar nichts ableiten». Die «Süddeutsche Zeitung» unterstellte Streeck mit Bezug auf Drosten und einen weiteren Experten mutmaßliche methodische Fehler.

Streeck hatte bei seiner Pressekonferenz unter anderem gesagt, dass nach seinen Untersuchungen 15 Prozent der Menschen der Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg die Corona-Infektion bereits durchgemacht hätten - und damit immun wären.

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