Lockerungen in NRW
Neue Corona-Phase beginnt am Montag

Düsseldorf -

Die Bürger in NRW können ab Montag wieder ins Museum gehen, den Zoo besuchen und sich die Haare schneiden lassen. Allerdings alles unter Einhaltung zahlreicher Hygieneregeln gegen Corona.

Sonntag, 03.05.2020, 16:48 Uhr aktualisiert: 03.05.2020, 17:16 Uhr
Passanten auf der Einkaufsstraße „Hohe Straße“.
Passanten auf der Einkaufsstraße „Hohe Straße“. Foto: Marius Becker

Für Nordrhein-Westfalen beginnt am Montag eine neue Phase im Umgang mit der Corona-Pandemie. Mit der dann in Kraft tretenden neuen Schutzverordnung dürfen zum Beispiel Zoos, Museen und ähnliche Einrichtungen wieder öffnen. Auch Bildungseinrichtungen wie Volkshochschulen und Musikschulen können den Betrieb wieder aufnehmen. Sie freue sich, dass nun eine behutsame Wiedereröffnung beginnen könne, sagte Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) am Sonntag in Düsseldorf. „Das ist ein wichtiger Hoffnungsschimmer für die Kultur.“

Dabei müssen die bekannten Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. Auch die Maskenpflicht gilt weiter. Ein paar Tage dauert es noch bis zu der von vielen ersehnten Spielplatzöffnung: Das soll am Donnerstag (7. Mai) geschehen. Jeglicher Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen einschließlich Fitnessstudios bleibt dagegen untersagt. Dafür kann man ab Montag wieder zum Friseur gehen.

Erste Gottesdienste

Im Kölner Dom fand am Sonntag der erste öffentliche Gottesdienst seit dem 14. März statt. Dazu waren allerdings nur 122 Teilnehmer zugelassen. Normalerweise kommen zur 10-Uhr-Messe im Dom etwa 600 Gläubige. In den vergangenen Wochen habe man sich mit der Übertragung im Internet beholfen, sagt Kardinal Rainer Maria Woelki. Dass man jetzt wieder zusammen die Messe feiern dürfe, sei „ein Fortschritt, ein Stück Normalität“. Allerdings galten zahlreiche Einschränkungen: So durfte nicht zusammen gesungen werden, und man saß in den Kirchenbänken weit auseinander. Beim Ausreichen der Kommunion stand der Priester hinter einer Plexiglasscheibe und reichte die Hostie darunter durch. Auf markierten Einbahnwegen gingen die Gläubigen zu ihrem Platz zurück.

In Nordrhein-Westfalen waren bis Sonntag 33 412 Coronavirus-Infektionen registriert worden. Das waren 212 bestätigte Fälle mehr als am Vortag, wie das Gesundheitsministerium in Düsseldorf mitteilte. Die Zahl der Toten erhöhte sich innerhalb eines Tages um 19 auf 1287 seit Beginn der Pandemie.

Die NRW-SPD wirbt für Konjunkturprogramme, um die Wirtschaft nach der Krise anzukurbeln. „Wir müssen eine ganz aktive Industriepolitik betreiben, die den Umbau der Energiewirtschaft vorantreibt, Investitionen begünstigt und die Tarifpartner stärkt“, sagte der Vorsitzende der NRW-SPD, Sebastian Hartmann, der Deutschen Presse-Agentur. „Wichtig ist, dass man diese Krise jetzt nicht wieder zum Kaputtsparen von öffentlichen Investitionen missbraucht.“

Unklarheiten beim Thema Schulöffnungen

Viele Unklarheiten gibt es weiterhin beim Thema Schulöffnungen. Der Präsident des Nordrhein-Westfälischen Lehrerverbands (NRWL), Andreas Bartsch, bemängelte widersprüchliche Signale der Landesregierung. „Die Irritationen in der Lehrerschaft sind inzwischen gewaltig“, sagte Bartsch der „Rheinischen Post“. „Wir benötigen eine gute, klare Planung und nicht das ewige Hin und Her der vergangenen Tage.“ Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) müsse sich besser mit Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) abstimmen, forderte Bartsch.

Hoffen auf regionalen Tourismus

Erleichterung herrscht in Kamp-Lintfort: Die Landesgartenschau kann dort am Dienstag (5. Mai) öffnen, wie die Landesregierung entschied. Ursprünglich war die Öffnung schon für den 17. April geplant gewesen, zuletzt hatte aber auch das neue Datum 5. Mai auf der Kippe gestanden. Die Organisation der Landesgartenschau hat dem Land ein Corona-Konzept vorgelegt mit geplanten Abstands-Markierungen, Aushängen, Durchsagen, Zutrittsbeschränkungen in geschlossenen Räumen und Einbahnstraßen-Regelungen.

NRW-Tourismusregionen hoffen, dass Urlauber in der Corona-Epidemie die Reiseziele vor der eigenen Haustüre entdecken. NRW sei bisher ein Kurzreiseziel, sagte die Sprecherin von Tourismus NRW, Tonia Haag. „Das heißt, die Leute fahren hier eher mal so vier Tage hin, aber nicht für den zweiwöchigen Sommerurlaub in normalen Jahren.“ Wegen der Corona-Krise könne das aber in diesem Jahr anders sein, so „dass wir noch mal vom Sommer stärker profitieren könnten, als das in einem normalen Jahr der Fall wäre“.

Die wichtigsten Infos zur Maskenpflicht in NRW

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  • Die Stadt Münster hatte als erste Großstadt in Nordrhein-Westfalen bekanntgegeben, eine Maskenpflicht einzuführen - später zog das Land nach. Ab dem 27. April gilt dies. Doch wo werden die Masken überall zur Pflicht? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

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  • Wann muss ich die Maske tragen?

    Immer dann, wenn eine Dienstleistung in Anspruch genommen oder erbracht wird und der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann, müssen Nase und Mund bedeckt werden.

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  • Wo muss ich die Maske tragen?

    Die Maskenpflicht gilt im öffentlichen Personennahverkehr, an Haltestellen, in Bahnhöfen und im Taxi, beim Einkauf im Einzelhandel und bei der Erbringung und Einholung von Dienstleistungen. Also auch in Apotheken, Arztpraxen, Tankstellen und auf Wochenmärkten sowie bei der Abholung von Speisen und Getränken. Für Beschäftigte kann eine Plexiglas-Abtrennung die Maskenpflicht ersetzen.

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  • Wer muss eine Maske tragen?

    "Betroffen von der Verpflichtung sind alle Personen ab Vollendung des fünften Lebensjahres", heißt es in einer Mitteilung der Stadt Münster. 

    Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können, sind von der Pflicht befreit“, stellt NRW-Gesundheitsminister Laumann klar.

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  • Welche Art von Maske muss ich tragen?

    Ja, aber es sollte eigentlich nur für eine Übergangszeit sein. „Wenn man bis Montag keine Maske besorgt hat, darf man auch einen Schal oder ein Tuch tragen“, sagt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Wolfgang Heuer, Leiter des Krisenstabs in Münster, bittet sogar darum, zertifizierte Masken Krankenhäusern, Arztpraxen, der Pflege oder dem Rettungsdienst vorzubehalten. Grundsätzlich gilt es, Mund und Nase zu verdecken. 

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  • Was passiert, wenn ich keine Maske trage?

    Wer keine Maske trägt, darf aus Geschäften oder Bussen verwiesen werden. Das Land hat bewusst keine feste Summe für mögliche Bußgelder festgelegt, sondern überlässt deren Höhe den Ordnungsämtern der Kommunen. Das Bußgeld soll auch nicht sofort angeordnet werden, sondern erst, wenn sich Betroffene nach einem entsprechenden Hinweis weigern, Masken aufzusetzen.

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  • Welche Regelung gibt es für Schulen?

    Eine landesweite Pflicht gilt hier nicht. Die Entscheidung treffen die jeweiligen Schul-Leitungen. Dabei spielt der gebotene Mindestabstand eine wichtige Rolle. Besonders an die Schülerinnen und Schüler, die zur Prüfungsvorbereitung in die Schulen zurückkehren, richtet sich die Bitte des Krisenstabs in Münster, schon ab sofort in Bus und Bahn eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen. 

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  • Wie kann ich mir eine Maske selbst nähen?

    Die Stadt Münster hat auf ihrer  Homepage  eine Nähanleitung in gleich mehreren Sprachen veröffentlicht. Zudem gibt es auch Videos im Netz, in denen das Nähen erläutert wird.

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  • Hat die Maskenpflicht einen Einfluss auf das Abstandsgebot?Nein, dieses gilt weiter in vollem Umfang. „Es wäre gefährlich, wenn die Maske ein zu großes Gefühl der Sicherheit geben würde“, sagt NRW-Gesundheitsminister Laumann: „Das Abstandsgebot ist aber viel wichtiger.“

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  • Dürfen die Masken auch beim Autofahren getragen werden?Laut ADAC Nordrhein grundsätzlich ja. Allerdings müsse das Gesicht deutlich erkennbar sein, sonst droht ein Bußgeld von 60 Euro. In Taxis muss der Fahrgast eine Maske tragen. In Fahrschulen sowohl der Lehrer als auch der Schüler. Es darf zudem kein weiterer Schüler auf der Rückbank mitfahren. Dort darf nur ein Prüfer im Fall der Prüfung sitzen - natürlich mit Maske.

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  • Können Restaurants und Kneipen bald wieder öffnen?Ziemlich sicher nicht. „Dieses Thema sehe ich derzeit nicht“, sagt Laumann: „Dazu gehört mehr als die Frage nach einer Maskenpflicht.“ 

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  • Erleichtert die Maskenpflicht Besuche im Alten- oder Pflegeheim?Noch nicht sofort. Ein Gutachten soll aber Wege aufzeigen. Dafür müssen aber auch Einzelfall-Fragen geklärt werden. Zum Beispiel, ob Besucher direkt zu ihren Angehörigen gelangen können, ohne durch das gesamte Heim zu gehen.

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  • Tragen die Fußballprofis Masken auf dem Platz?Nein, sagt DFB-Chefmediziner Tim Meyer. „Wenn Spieler mit Masken spielen würden, das fände aus meiner Sicht keine Akzeptanz“, sagte Meyer, der die medizinische Task Force zur Fortsetzung der Bundesliga leitet, der Deutschen Presse-Agentur. Das Bundesarbeitsministerium prüft nach „Spiegel“-Informationen aber die Möglichkeit, Profis bei einem Neustart der Bundesliga mit Gesichtsmasken spielen zu lassen.

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