Prozesse
Frau an Rollstuhl gefesselt und erdrosselt: Ehemann schweigt

In einem Altenheim in Emsdetten wird eine demenzkranke Bewohnerin erdrosselt. Täter soll der Ehemann gewesen sein. Vor Gericht will er sich zu den Vorwürfen nicht äußern, vor Jahren hat er aber schon mal einem Polizisten sein Herz ausgeschüttet.

Montag, 25.05.2020, 16:20 Uhr aktualisiert: 25.05.2020, 16:32 Uhr
Aussenansicht des Landgerichts in Münster.
Aussenansicht des Landgerichts in Münster. Foto: Fabian Strauch

Münster (dpa/lnw) - Jeden Tag ging der 67-jährige Rentner in das Emsdettener Altenheim «Sonnenhof», um seine demenzkranke Frau zu besuchen. Er kam fast immer am frühen Nachmittag und blieb dann für ein paar Stunden. Am 12. Dezember 2019 soll der Mann den Besuch dazu genutzt haben, seine Frau umzubringen. Seit Montag muss er sich wegen Totschlags vor dem Schwurgericht Münster verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem hageren Deutschen vor, seine Frau gegen 16.15 Uhr mit dem Rollstuhl in ihr Einzelzimmer geschoben zu haben, um sie dann mit einem Seil an den Stuhl zu fesseln. Laut Anklage stülpte er der 62-Jährigen anschließend eine Plastiktüte über den Kopf und erdrosselte sie mit einem weiteren Seil. Dann soll der 67-Jährige das Zimmer seelenruhig verlassen haben.

Als die Pflegekräfte später am Tag nach der demenzkranken Frau sahen, war diese bereits tot. Sofort richtete sich der Verdacht gegen den Ehemann. Die Polizei schrieb ihn zur Fahndung aus. Am Abend des Tattages konnte der Rentner festgenommen werden. Am Bahnhof seines Wohnortes Rheine wurde er als «hilflose Person» von Passanten aufgefunden. Offenbar hatte er viel Alkohol getrunken. Eine Blutprobe ergab einen Wert von über 1,5 Promille.

Einer der Polizisten erinnerte sich am Montag als Zeuge an die Situation der Festnahme. «Er reagierte überhaupt nicht, wirkte irgendwie abwesend», sagte der 32-jährige Beamte den Richtern. «Wir haben ihn dann mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus bringen lassen.» Seine Kollegen und er hätten sich ernsthaft gefragt, «ob der Mann noch alle Sinne bei sich hat». Der 67-Jährige habe keinen Ton gesagt und «einfach Löcher in die Luft gestarrt».

Auch vor Gericht will sich der Angeklagte vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern. «Wir werden lediglich zum bisherigen Lebensweg Angaben machen», erklärte Verteidigerin Heide Derks auf Nachfrage des Gerichts. Auf der Suche nach einem möglichen Motiv sind die Richter also auf Zeugen aus dem Umfeld des Paares angewiesen.

Einen ersten Anhaltspunkt könnte auch ein Vorfall vom Juni 2017 geben, als das Ehepaar noch zusammen in Rheine wohnte. Damals hatte der Angeklagte selbst die Polizei alarmiert und erklärt, dass er gerade seine Frau umgebracht habe. «Wir fanden die Frau dann allerdings recht schnell und fast unverletzt in der Wohnung», erinnerte sich einer der damals eingesetzten Polizeibeamten vor Gericht. Auf dem Weg zur Wache habe der Angeklagte ihm dann sein Herz ausgeschüttet und erklärt, dass er es mit der demenzkranken Frau nicht mehr aushalte. «Ich wollte sie umbringen, ich habe zugedrückt, aber ich habe es wohl nicht geschafft», soll der Mann damals gesagt haben.

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