Einzelhandel
Karstadt-Kaufhof-Arbeitnehmer fordern Mietverzicht

Köln (dpa) - Bei der angeschlagenen Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof fordern die Arbeitnehmer finanzielle Zugeständnisse der Vermieter von Kaufhausfilialen. Auch sie müssten für die Sanierung des Unternehmens zu Verzicht bereit sein, sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Galeria Karstadt Kaufhof, Jürgen Ettl, am Donnerstag. Jetzt sei «keine Zeit zum Pokern».

Donnerstag, 04.06.2020, 15:53 Uhr aktualisiert: 04.06.2020, 16:02 Uhr
Fussgänger gehen am Notausgang eines Karstadt-Kaufhauses vorbei.
Fussgänger gehen am Notausgang eines Karstadt-Kaufhauses vorbei. Foto: Federico Gambarini

«Einige Vermieter haben bereits Zugeständnisse signalisiert und senken die Miete, andere Immobilienbesitzer wiederum bleiben hart und sind nicht dazu bereit», kritisierte Ettl. Viele Jahre seien die Warenhäuser ein zuverlässiger Mieter gewesen. Nun gehe es darum, möglichst viele Filialen zu retten. Es reiche nicht, dass nur Mitarbeiter und Lieferanten verzichteten.

In einem Informationsschreiben des Gesamtbetriebsrats an die Mitarbeiter heißt es, der Galeria-Generalbevollmächtigte habe erklärt, dass bereits spätestens im August 2020 weitere liquide Mittel in dreistelliger Millionenhöhe nötig seien. Das habe der von den Arbeitnehmervertretern bestellte Sachverständige bestätigt. Die «Wirtschaftswoche» hatte zuvor über das Schreiben berichtet.

Die Arbeitnehmervertreter verhandeln derzeit mit den Sanierern des Konzerns über einen Rettungsplan. «Die Zeit läuft, bis Ende des Monats muss der Sanierungsplan stehen«, sagte Ettl. Rund 28 000 Beschäftigte und ihre Familien warteten gebangt darauf, wie die Verhandlungen ausgingen.

Gut ein Drittel der Filialen ist nach Einschätzung der Sanierer nicht zu retten. «Von den insgesamt 172 Warenhäusern könnten am Ende im Idealfall vielleicht fast zwei Drittel weiter machen», hatte der vorläufige Sachwalter der Warenhauskette, Frank Kebekus, der «Wirtschaftswoche» gesagt. Das würde die Schließung von mindestens 58 Häusern bedeuten. Insgesamt stünden 80 Häuser «im Feuer». Doch gebe es für mehr als ein Dutzend dieser Filialen bei Zugeständnissen von Vermietern und anderen Beteiligten noch Hoffnung.

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