Fußball
Macht der Vorbilder: Fußballer auch als Team gegen Rassismus

Ein starkes Zeichen von Borussia Dortmund. Eines, das aus der 3. Liga auch die Reserve des FC Bayern und die Spieler des SC Preußen Münster in die Welt schickten. Mehr dürften es werden. Der Fußball geht in Stellung im Kampf gegen Rassismus.

Donnerstag, 04.06.2020, 16:32 Uhr aktualisiert: 04.06.2020, 16:42 Uhr

Berlin (dpa) - 28 Spieler, sie knien auf dem grünen Rasen, zusammen bilden sie ein Herz. Die Botschaft ist eindeutig. «Wir, die Spieler von Borussia Dortmund, unterstützen die Black Lives Matter Bewegung voll und ganz», schreibt BVB-Profi Profi Mats Hummels bei Twitter: «Wir akzeptieren keinerlei Rassismus. Für eine aufgeschlossene und tolerante Welt, für eine bessere Welt!»

Nachahmer wird es geben, daran dürften keine Zweifel bestehen - der Fußball zeigt sich vereint im Kampf gegen Rassismus. Bereits am Mittwochabend hatten sich die Spieler der zweiten Mannschaft des FC Bayern München und des SC Preußen Münster vor dem Anpfiff ihrer Drittliga-Begegnung am Mittelkreis niedergekniet. Die Geste, die 2016 Quarterback Colin Kaepernick von den San Francisco 49ers erstmals vor einem Football-Spiel gezeigt hatte, um ein Zeichen gegen Polizeigewalt und Rassismus zu setzen.

Selbst in Stadien ohne Zuschauer, wie aktuell während der Coronavirus-Pandemie, haben Fußballer eine enorme Reichweite. Als Vorbilder könnten sie etwas sagen, betonte Nationalspieler Joshua Kimmich. «Es ist gut, dass es nicht nur ein Spieler ist. Vielleicht ist es auch eine Option, als Mannschaft etwas zu sagen», wurde der 25 Jahre alte Profi des FC Bayern übereinstimmend in britischen Medien am Donnerstag mit Blick auf die Aktion unter anderem des englischen BVB-Profis Jadon Sancho am vergangenen Wochenende zitiert.

Der 20-Jährige hatte nach seinem Tor zum 2:0 beim SC Paderborn sein Trikot über den Kopf gezogen und zeigte ein Shirt mit der Aufschrift «Justice for George Floyd». Sein Teamkollege Achraf Hakimi trug ebenfalls ein Shirt mit diesem Schriftzug. Es waren nicht die einzigen Gesten geblieben, nachdem der Tod des Afroamerikaner Floyd infolge eines brutalen Polizeieinsatzes in Minneapolis vor allem in den USA gegen Polizeigewalt und Rassismus ausgelöst hat.

Was dabei in den USA passiert, schockiert auch Spieler in Deutschland, wie Kimmichs Bayern-Kollegen Jérôme Boateng. Der Fall führe vor Augen, «wie weit verbreitet Rassismus gegen Schwarze in Amerika immer noch ist» und welche Rolle «Racial Profiling», also rassistisch motivierte Polizeikontrollen, dort spielten, sagte der 31 Jahre alte Boateng in einem Interview der Deutschen Welle. «Rassismus gibt es überall, aber in den USA ist es schon extrem», sagte Boateng.

Auch in Deutschland sei Rassismus «ein Thema und sehr präsent», äußerte der Weltmeister von 2014. «Es gab in den letzten Jahren Attentate gegen Ausländer und Andersgläubige in Deutschland. Insgesamt geht es in eine gewisse Richtung, wo ich mir denke, wir waren doch schon weiter», betonte Boateng, der in Berlin geboren und dort bei seiner deutschen Mutter aufgewachsen ist. Sein Vater stammt aus Ghana.

«Rassismus ist mir leider auch schon oft widerfahren», sagte Leon Bailey, der am Samstag mit Bayer 04 Leverkusen die Bayern im Spitzenspiel empfängt, dem Sender Sport1. Er sei aber ein Typ, der das eher ausblende. Das, was gerade in den USA passiere, sei natürlich schlimm. «Wir sind im Jahr 2020 und dennoch gibt es das. Ich sehe solche Videos und es tut mir im Herzen weh. Ich spreche mich deshalb zu 100 Prozent gegen Rassismus aus.»

Das werden sicher auch weitere Spieler und Mannschaften tun. Der DFB sanktionierte die Aktionen am vergangenen Wochenende nicht, FIFA-Präsident Gianni Infantino betonte: «Um Zweifel zu vermeiden: In einem FIFA-Wettbewerb würden die jüngsten Demonstrationen von Spielern in der Bundesliga einen Applaus verdienen und keine Bestrafung.»

Als «total richtig» bewertete Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl auch, dass es keine Strafen unter anderen für Gladbach-Profi Marcus Thuram gab. Es gehe um Menschlichkeit, betonte Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc. «Für uns alle ist es selbstverständlich, dass es extrem wichtige Themen sind, dass man sich solidarisiert und sich bekennt, dass wir alle gegen Rassismus sind. Deshalb war meine Erwartungshaltung vorher schon so, dass es keine Strafe geben wird», sagte Sportchef Horst Heldt vom 1. FC Köln.

Am vergangenen Wochenende hatten sich Sancho und Hakimi von Borussia Dortmund, Weston McKennie vom FC Schalke 04, Thuram von Borussia Mönchengladbach und Kölns Anthony Modeste mit verschiedene Aktionen und Gesten gegen Rassismus positioniert und ihre Solidarität mit Floyd bekundet. «Wir müssen vielleicht auch etwas tun, denn wir dürfen so etwas keinen Platz geben», betonte Bayern-Profi Kimmich.

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