Fußball
Auch ohne Havertz: Bosz will ersten Bayer-Titel seit 1993

Diesmal hat Bayer Leverkusen das zuletzt oft fehlende Losglück im DFB-Pokal. Und ist nun nur noch einen Schritt vom Endspiel entfernt. Die große Chance darf beim Viertligisten Saarbrücken nicht verspielt werden. Deshalb schärft der Trainer die Sinne.

Montag, 08.06.2020, 13:43 Uhr aktualisiert: 08.06.2020, 13:52 Uhr
Havertz sitzt während der Bundesliga-Partie gegen den FC Bayern München mit Mundschutz auf der Tribüne.
Havertz sitzt während der Bundesliga-Partie gegen den FC Bayern München mit Mundschutz auf der Tribüne. Foto: Matthias Hangst

Leverkusen (dpa/lnw) - Am Montag wurde Peter Bosz nach Dragoslav Stepanovic gefragt. Der kauzige Serbe war schließlich Trainer beim bisher letzten Titelgewinn von Bayer Leverkusen. 27 Jahre ist das her. Seit die Werkself 1993 mit dem Gewinn des DFB-Pokals die letzte Trophäe gewann, gab es zehn verschiedene deutsche Meister und sechs verschiedene Pokalsieger. Für Bayer gab es seitdem fünf Vize-Meisterschaften und drei verlorene Finals.

Damit soll nun Schluss sein. «1993 ist sehr lange her», sagte Bosz vor dem Halbfinale im DFB-Pokal am Dienstag (20.45 Uhr/ARD und Sky) beim Viertligisten 1. FC Saarbrücken: «Dass man da heute noch drüber redet, zeigt, welche Bedeutung es hat, einen Titel zu gewinnen. Deshalb wollen wir, die Spieler und der ganze Verein Titel gewinnen.»

Ausreden zählen daher nicht. Weder das Fehlen von Nationalspieler Kai Havertz, dessen Einsatz wegen Knie- und Muskelbeschwerden laut Bosz ein zu großes Risiko wäre. Noch die ungewohnten Bedingungen in Völklingen. Und schon gar nicht die Umstellung vom Liga-Topspiel gegen den FC Bayern München (2:4) am Samstag auf das Duell beim großen Außenseiter. Auf die Frage, wie er Überheblichkeit verhindern wolle, sagte Bosz nur stoisch: «Pokalfinale.» Er wiederholte das Wort, ließ es im Raum stehen. Dann sagte er: «Mit einem Spiel ins Pokalfinale zu kommen, muss reichen. Wenn die Spieler das nicht verstehen, habe ich keinerlei Verständnis.»

Deshalb dürfe auch das kleine Stadion in Völklingen mit mobilen Flutlicht-Masten und einer fehlenden Tribünen-Seite keine großes Thema sein. «Zwei Bundesligisten und zwei Zweitligisten sind dort ausgeschieden. Das sollte Warnung genug sein», sagte Bosz, der aber einen Vorteil darin sieht, dass auch diese Partie ein Geisterspiel sein wird. «In der Bundesliga herrschen im Moment auch keine Bundesliga-Bedingungen», sagte der 56-Jährige: «Und damit haben wir ja nun schon einige Spiele Erfahrung.» In der Liga hat Bayer alle drei Auswärtsspiele ohne Zuschauer gewonnen - und beide Heimspiele verloren.

Um kein Risiko auf ein böses Erwachen einzugehen, will Bosz die bestmögliche Elf aufbieten. «Wir werden dieses Halbfinale nicht nutzen, um Spielern mit wenig Spielzeit zu geben», betonte der Niederländer: «Wir wollen dieses Halbfinale nutzen, um ins Finale zu kommen.»

Wechsel im Vergleich zum Bayern-Spiel werde es aber trotzdem, alleine schon aus Fitness-Gründen, geben. Kevin Volland wird trotz seines 15-minütigen Comeback am Samstag nach viermonatiger Pause wohl zunächst wieder auf der Bank sitzen. «Er könnte von Anfang spielen», sagte Bosz: «Ob das passiert, werden wir sehen. Wir müssen ihn vorsichtig aufbauen.» Eine Startelf-Chance könnte Paulinho bekommen, der gegen die Bayern nach seiner Einwechslung Akzente setzte.

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