Blitzumfrage unter Schulleitern in NRW
Schlechte Noten fürs Ministerium

Münster/Düsseldorf -

"Man hat manchmal das Gefühl, das Ministerium befindet sich auf einem anderen Planeten.“ So frustriert antwortete eine Schulleitung in einer Blitzumfrage der Landeselternschaft der Gymnasien bei den Gymnasien auf die Frage, wie sie die Zusammenarbeit mit dem NRW-Schulministerium einschätzt.  Dass dies kein vereinzelter Eindruck ist, belegen Zahlen.

Mittwoch, 10.06.2020, 21:53 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 22:11 Uhr
Ein Lehrer hängt im Alten Gymnasium in Oldenburg (Niedersachsen) ein Schild mit der Aufschrift „Einbahnstraße“ auf.
Ein Lehrer hängt im Alten Gymnasium in Oldenburg (Niedersachsen) ein Schild mit der Aufschrift „Einbahnstraße“ auf. Foto: dpa

„Man hat manchmal das Gefühl, das Ministerium befindet sich auf einem anderen Planeten.“ So frustriert antwortete eine Schulleitung in einer Blitzumfrage der Landeselternschaft der Gymnasien bei den Gymnasien auf die Frage, wie sie die Zusammenarbeit mit dem NRW-Schulministerium einschätzt. Dass dies kein vereinzelter Eindruck ist, belegen Zahlen: 87 Prozent der 239 teilnehmenden Schulen erklärten, sie fühlten sich vom Ministerium nicht ausreichend unterstützt. Und 83 Prozent fühlen sich nicht gut informiert.

So klagt eine andere Schulleitung, dass das Ministerium zunächst die Presse mit (Halb)-Informationen versorge. Das führe zu Elternnachfragen und -erwartungen, noch bevor die Schulen informiert seien, geschweige denn planen oder Konzepte erarbeiten könnten.

„Die Informationen kommen immer auf den letzten Drücker“, beschwert sich die Spitze eines anderen Gymnasiums und stößt damit ins selbe Horn wie der Vertreter eines Kollegiums, der meint: „Mails, die Samstagabend um 22.30 Uhr verschickt werden und deren Umsetzung zwei Tage später erfolgen soll, erzeugen massiven Druck.“

„Normalität“ erst im Herbst?

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  • Dänemark war der Vorreiter, aber auch andere Länder haben bei den Lockerungen zunächst die Schulen wieder geöffnet. Norwegen gehört dazu, auch die Schweiz und die Niederlande. Deutschland hat sich zu einem dosierten Modell mit vielen Vorgaben durchgerungen. Ein Überblick von Dorle Neumann.

    Foto: Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa
  • Großbritannien: Die Rückkehr in die Schulen wird im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland, das in Europa inzwischen die meisten Coronatoten zu beklagen hat, sehr unterschiedlich gehandhabt. Während die englischen Schüler seit Anfang Juni nach und nach in die Klassenräume Einzug halten, sind die übrigen Landesteile zurückhaltender. Die Schulen in Wales werden ab dem 29. Juni wieder geöffnet – aber nur ein Drittel der Schüler wird gleichzeitig im Unterricht sein. Die schottischen Schulen starten erst zu Beginn des Herbstsemesters am 11. August nach einem gemischten Modell wieder – bis dahin wird weiterhin zu Hause gelernt. Nordirische Schüler, die sich auf Prüfungen vorbereiten, und die „Jüngsten, die kurz vor dem Eintritt in die Grundschule stehen, werden Ende August zurückkehren – der Rest muss sich einige Wochen länger gedulden. Die üblichen Sommerprüfungen wurden in England, Wales und Schottland abgesagt. Dies betraf auch die dem Abitur entsprechenden A-Level-Examina.

    Foto: Joe Giddens/PA Wire/dpa
  • Schweden: Der liberale Weg des Landes setzt bei der Viruseindämmung auf Freiwilligkeit der Bevölkerung: Lockerheit statt Lockdown. Schulen, Restaurants oder Geschäfte wurden nicht geschlossen. Das Land verzeichnet mittlerweile eine wesentlich höhere Infektions- und Sterberate als seine skandinavischen Nachbarn. Die Strategie soll nun überprüft werden.

    Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
  • Österreich: Die Regierung in Wien geht davon aus, dass Kinder und Jugendliche bei der Verbreitung des Coronavirus keine größere Rolle spielen. Dennoch bleibt die Frage, wie sich die am 3. Juni beschlossene Wiedereröffnung der Schulen auswirken wird. Die Schülerinnen und Schüler sind verpflichtet, eine Mund-Nasen-Maske zu tragen – auch die jüngsten.

    Foto: Patrick PleulPatrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
  • Italien: Das vom Virus hart getroffene Land ruft vor den langen Ferien nur die 463 000 Abiturienten noch mal in die Schule. Für den 17. Juni hat das Schulministerium für das Zentralabitur unter strengen hygienischen Auflagen eine mündliche Prüfung angesetzt – die Klausuren wurden für dieses Jahr abgeschafft. Alle anderen der rund 8,5 Millionen Schüler werden versetzt und kehren erst im September zurück in die Schulen.

    Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
  • Dänemark: Dort war man dagegen am Anfang sehr rigide und schloss Mitte März die Grenzen. Und es ist eines der Länder, die früh die Öffnung gewagt haben – und da besonders bei den Schulen. Denn schon seit Mitte April dürfen dort Kinder von der ersten bis zur fünften Klasse wieder in die Schule gehen. Das Risiko war einkalkuliert, eine Infektion bei den Jüngsten wurde in Kauf genommen, weil kaum Gefahr bestehe, so hieß es von der Regierung, dass sie schwer erkranken. Auch Kitas und Kindergärten haben offen. Die Öffnung ist aber mit strengen Regeln verbunden. Die Kinder müssen zwei Meter auseinander sitzen. Und sie müssen ihre Hände mehrmals am Tag waschen. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt in Dänemark.

    Foto: Sebastian Gollnow/dpa
  • Spanien: In Spanien, das auch stark vom Coronavirus betroffen ist, findet seit Mitte März kein Unterricht in der Schule mehr statt. Der reguläre Unterricht soll erst wieder mit dem neuen Schuljahr im September starten. Es muss aber niemand die Klasse wiederholen – die Noten für das Jahr richten sich nach dem Stand der Schüler in der Zeit vor der Ausgangssperre.

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  • Niederlande: Alle Schulen in den Niederlanden sind nach und nach wieder geöffnet worden. Nachdem Grundschulen und Kitas im Mai wieder aufgemacht haben, kamen am 2. Juni die weiterführenden Schulen hinzu. Am 15. Juni sollen auch Examen an den Universitäten wieder möglich sein. Sie öffnen aber nicht komplett.

    Foto: Jonas D'hollander/BELGA/dpa
  • USA: Präsident Donald Trump möchte die Corona-Beschränkungen lieber heute als morgen beenden – dennoch gehen die meisten ­US-Amerikaner davon aus, dass die Schulen erst im Herbst wieder öffnen. Homeschooling bleibt dort vorerst also der Regelfall.

    Foto: Then Chih Wey/XinHua/dpa
  • Südkorea: Nachdem das Land die Pandemie deutlich im Griff hatte, sind nach leichten Lockerungen die Infektionsfälle wieder gestiegen. Südkorea verschärft deshalb die Beschränkungen für die Menschen in der Millionenmetropole Seoul und Umgebung wieder. Am Zeitplan für die schrittweise Öffnung der Schulen wird aber festgehalten.

    Foto: Jo Jung-Ho/Yonhap/dpa

Die Corona-Lage bringt einige Schulleitungen dazu, den kategorischen Wunsch zu äußern, das Schuljahr zu wiederholen. In der Frage, ob eine zentrale Organisation des Distanzunterrichts sinnvoll sei, sind die Schulleitungen aber gespalten: 50,4 der Teilnehmer an der Umfrage meinen ja, 49,6 Prozent lehnen dies ab. Die Kollegien bereiten sich auch sehr unterschiedlich auf das kommende Schuljahr vor. 152 erklärten, sie nähmen für die Zeit nach den Sommerferien nur eine Option der möglichen Szenarien – Präsenzunterricht, Mischung aus Präsenz und Online, vollständiger Onlineunterricht – in Angriff. 71 bereiten zwei Optionen vor, nur 16 wappnen sich für alle drei.

Allzu flexibel geben sich die Schulleitungen auch in anderer Hinsicht nicht. Auf die Frage, ob Samstagsunterricht ein probates Mittel zur Bewältigung der Situation sei, antworteten 70 Prozent mit Nein. Erklärung: Dann fehle die Zeit zur Erholung und für Korrekturarbeiten.

Das Fazit des Landeselternrats in puncto planvolle Pandemie-Bewältigung an den Schulen ist ebenso ernüchtert wie vorwurfsvoll: „Wenn es um die Bildung unserer Kinder geht, zählt jeder Tag. Nach einem Vierteljahr ist immer noch kein Konzept bekannt. Weder Schülern noch Lehrern und vor allem nicht den Schulleitungen – drei Wochen vor Beginn der Sommerferien!“

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