Corona-Tests
Pflege fühlt sich benachteiligt

Düsseldorf -

In dieser Woche starten die Tests für Personal in den Kitas und Schulen, auch Reiserückkehrer aus Risikogebieten werden zum kostenfreien Test gebeten. Für Pflegende gibt es Reihentests bislang nur im Einzelfall. Die Branche ärgert das.

Sonntag, 02.08.2020, 19:14 Uhr aktualisiert: 02.08.2020, 19:18 Uhr
Corona-Tests: Pflege fühlt sich benachteiligt
Eine ältere Frau sitzt in einem Pflegeheim in ihrem Rollstuhl vor einem Tisch. Foto: Marcel Kusch/dpa

Erzieherinnen und Tagesmütter haben ab Montag die Möglichkeit, sich vorsorglich und kostenlos auf das Coronavirus testen zu lassen. In der Woche darauf starten die Testmöglichkeiten für Schulbeschäftigte. Zunächst bis zu den Herbstferien kann das Personal in Kitas und Schulen dann im Wechsel alle zwei Wochen einen Abstrich machen lassen. Die Kosten übernimmt das Land - und sorgt damit für Kopfschütteln in der Pflegebranche. Dort wird angesichts der Ausweitung der Testmöglichkeiten die schon lange geäußerte Forderung nach kostenfreien oder auch verpflichtenden Reihentestungen laut.

„Ich halte es für einen Skandal, dass der Pflege und der Behindertenhilfe kostenfreie Tests verwehrt sind. Wir müssen doch die Gruppe derer, die am meisten gefährdet ist, schwer an Corona zu erkranken, besser schützen“, sagte der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes NRW, Christian Woltering, der Deutschen Presse-Agentur. Das Angebot für das pädagogische Personal sei eine sinnvolle Maßnahme, die Vertrauen schaffe und helfe, das Infektionsrisiko zu minimieren, betonte Woltering. „Es ist nur völlig unverständlich, dass ausgerechnet für Personal in der Pflege und Behindertenhilfe nicht das Gleiche gilt. Wir halten sogar flächendeckende Reihentestungen für nötig“, sagte er.

Gesundheitsämter könnten zwar solche vorsorglichen Reihentestungen anordnen, täten dies aber in vielen Kommunen nur zögerlich, weil sie dann Teile der Kosten übernehmen müssen. „Hier ist das Land klar in der Verantwortung“, sagte Woltering.

Kritik an falscher Prioritätensetzung

Eine Studie der Universität Bremen zeigte zuletzt eine besonders hohe Covid-Sterblichkeit von Heim-Bewohnern und ambulant betreuten Alten: Die Sterblichkeit unter Pflegebedürftigen ist demnach mehr als 50 Mal so hoch wie im Rest der Bevölkerung.

Abgesehen von dem hohen Risiko für schwere Verläufe unter den Bewohnern habe ein Corona-Ausbruch in einer Pflegeeinrichtung stets weitreichende Folgen: Wenn die Belegschaft unter Quarantäne gestellt werde, müssten Pflegebedürftige womöglich auf andere Häuser verteilt werden - „mit allen sozialen Folgen, die das hat“, sagte Woltering.

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) kritisiert eine falsche Prioritätensetzung bei der Teststrategie: Neben den Angeboten für Schulen und Kindergärten, werde auch den Reiserückkehrern versprochen, sie kostenlos testen zu lassen. „Mit Blick auf verfügbare Kapazitäten droht der Schutz der besonders von einer Infektion gefährdeten Gruppe der pflegebedürftigen Menschen dabei genauso vergessen zu werden wie der Schutz der zweiten Risikogruppe, nämlich unserer Pflegekräfte“, kritisierte bpa-Geschäftsführer Herbert Mauel. Pflegekräfte und Heimbewohner bräuchten endlich Zugang zu regelmäßigen Tests.

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