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Steuerzentrale für pünktlichere Züge: Positive Bilanz

Für Pendler in Nahverkehrszügen sind Überholungen durch ICEs oder Stopps auf freier Strecke keine Besonderheit. Doch wer entscheidet bei Störungen, welcher Zug wo halten muss und welcher Vorrang hat?

Sonntag, 09.08.2020, 12:07 Uhr aktualisiert: 09.08.2020, 12:22 Uhr
Ronald Pofalla, Vorstand für Infrastruktur bei der Deutschen Bahn.
Ronald Pofalla, Vorstand für Infrastruktur bei der Deutschen Bahn. Foto: Marcel Kusch

Duisburg (dpa/lnw) - Bahn-Vorstand Ronald Pofalla hat die neu eingeführte Steuerungszentrale für die stark belastete Hauptstrecke Köln-Duisburg-Dortmund als Erfolg bezeichnet. «Wir haben im Fernverkehr die Pünktlichkeit von 72 auf 80 Prozent erhöhen können», sagte er bei einem Besuch der Betriebszentrale in Duisburg mit Blick auf diese Strecke. Insgesamt seien dort im vergangenen Jahr mehr als 50 000 Verspätungsminuten verhindert worden.

Die Bahn führt das auf die neue Steuerungs-Struktur zurück, den sogenannten Plankorridor West in Duisburg. Sie wurde vor zwei Jahren für die Hauptstrecke Köln-Duisburg-Dortmund eingeführt.

Pofalla sagte: «Der Plankorridor Köln-Dortmund ist der mit Abstand höchst ausgelastete Korridor, den wir haben. Nach den Pünktlichkeits- und Qualitätsproblemen in den vergangenen Jahren mussten wir handeln.» NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst ergänzte: «In einem Pendler-Land wie Nordrhein-Westfalen, wo fast jeder Zweite zur Arbeit fährt, sind die umgerechnet gut 35 Tage viel kostbare Zeit, die wir gewonnen haben.»

Pendler in Nahverkehrszügen kennen das: Überholungen durch ICEs oder Stopps auf freier Strecke. In der Steuerungszentrale wird entschieden, welcher Zug wo halten muss und welcher Vorrang hat. Dort sitzen Disponenten aller Eisenbahnverkehrsunternehmen und DB Netz-Mitarbeiter in einem Großraum zusammen, beobachten den Bahnverkehr in Echtzeit und stimmen die nötigen Maßnahmen ab. Oberstes Ziel ist Pünktlichkeit. Von diesen Betriebszentralen gibt es noch drei weitere in Deutschland.

Pofalla wies auf das Investitionsprogramm der Deutschen Bahn in Nordrhein-Westfalen hin. Von den 12,2 Milliarden Euro, die 2020 bundesweit in das Netz investiert würden, gingen 1,5 Milliarden nach NRW. In drei Jahren soll die jährliche Investitionssumme bei über zwei Milliarden Euro liegen. «NRW ist absoluter Investitionsschwerpunkt und wird es auch in den nächsten zehn Jahren bleiben», versprach der 61-Jährige. Grund seien Baumaßnahmen mit «Spitzencharakter» wie das RRX-Projekt, der Ausbau des Kölner Verkehrsknotens und der Ausbau der sogenannten Betuwe-Linie zwischen Oberhausen und Emmerich.

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst sagte bei dem Besuch in Duisburg: «Der eingeschlagene Weg der Rekordinvestitionen muss konsequent weitergegangen werden.» Er fügte hinzu: «Wir können es uns bei keinem Verkehrsträger erlauben, jetzt zu sagen, da müssen wir ein paar Jahre sparen.» Was jetzt getan werde, sei gut und richtig, «aber auch zwingend notwendig, um dieses Land mobil zu halten». Es gehe um eine bessere Mobilität und «kostbare Zeit für die Menschen».

Auch Wüst lobte die Arbeit der «Plankorridor West»-Betriebszentrale. «In einem Pendler-Land wie Nordrhein-Westfalen, wo fast jeder Zweite zur Arbeit fährt, sind die umgerechnet gut 35 Tage viel kostbare Zeit, die wir gewonnen haben», sagte er. Möglich sei das nur durch den Schulterschluss der Eisenbahnverkehrsunternehmen. «Dass im Hause der DB auch die Mitbewerber mit am Planungstisch sitzen, ist ein gutes Zeichen», sagte Wüst.

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