Extremismus
LKA Hessen: Haben mutmaßlichen Islamisten nicht gedrängt

Wiesbaden (dpa) - Das Landeskriminalamt in Hessen bestreitet, im Jahr 2010 einen damals unter Islamismusverdacht stehenden Deutsch-Marokkaner zur Ausreise nach Marokko gedrängt zu haben. Nach eigener Darstellung wurde der Mann später in dem nordafrikanischen Land gefoltert und saß jahrelang in Haft, wie das SWR-Politikmagazin «Report Mainz» und das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtet hatten. Der Mann, der mittlerweile in Nordrhein-Westfalen leben soll, fordere daher mindestens 1,5 Millionen Euro Schadenersatz von der Bundesrepublik Deutschland.

Montag, 07.09.2020, 17:27 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 17:32 Uhr

Das hessische Landeskriminalamt erklärte am Montag auf Anfrage, dass es zusammen mit Kollegen des LKA in NRW im Februar 2010 am Frankfurter Flughafen «im Zusammenhang mit der Einreise von Herrn H. nach Deutschland polizeiliche Maßnahmen getroffen» habe. Details dazu wurden nicht genannt. «Die Weiterreise von Herrn H. nach Marokko erfolgte freiwillig», erklärte das LKA. Zu keiner Zeit sei in dieser Sache Druck auf den Mann ausgeübt worden.

Der Deutsch-Marokkaner sagte, er sei nach der Ankunft in dem nordafrikanischen Land von der Polizei mitgenommen und gefoltert worden, er sei dort sieben Jahre in Haft gewesen. «Die deutschen Behörden haben mein Leben zerstört», sagte er «Report Mainz» und dem «Spiegel».

Dem Bericht zufolge lebt der 39-Jährige inzwischen in Nordrhein-Westfalen und leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Ein Rechtsmediziner habe teils großflächige Narben auf seinem Rücken festgestellt. Laut Bundesinnenministerium sei der Mann in Marokko nicht aufgrund der «übermittelten Informationen» verhaftet worden, hieß es weiter in dem Bericht.

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