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Abu-Walaa-Prozess: V-Mann kommt nicht zu Zeugenaussage

Celle (dpa) - Im Terror-Prozess gegen den mutmaßlichen Deutschland-Chef des IS, Abu Walaa, ist es nicht gelungen, den ehemals wichtigsten V-Mann der Polizei in islamistischen Kreisen als Zeugen zu hören. «Murat Cem», jahrelang ein Top-Informant der Polizei in Nordrhein-Westfalen, erschien am Mittwoch nicht vor dem Oberlandesgericht in Celle. Nach Angaben eines Gerichtssprechers hatte den Zeugen die Ladung trotz vielfältiger Bemühungen offenbar nicht erreicht. Eine Aussagegenehmigung für den Terror-Prozess gab es für den wertvollen Polizei-Spitzel «VP01» ohnehin nicht.

Mittwoch, 16.09.2020, 14:27 Uhr aktualisiert: 16.09.2020, 14:32 Uhr

Der V-Mann, dessen Informationen die Angeklagten im Abu-Walaa-Prozess belasten, war auf den Prediger angesetzt, den die Ermittler für den Statthalter der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland halten. Der Informant will die Polizei in Nordrhein-Westfalen aber auch früh vor Anis Amri gewarnt haben. Bei dessen Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt 2016 wurden zwölf Menschen getötet. In Celle sollte der V-Mann auf Wunsch der Verteidigung gehört werden. Die Erkenntnisse, die «Murat» im Umfeld von Abu Walaa gewann, waren bisher über Ermittler des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen in den Prozess eingeführt worden, die «VP01» anleiteten.

Dem Iraker Abu Walaa und drei Mitangeklagten wird vorgeworfen, junge Menschen vor allem im Ruhrgebiet und im Raum Hildesheim islamistisch radikalisiert und in die IS-Kampfgebiete geschickt zu haben. Sie müssen sich wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in der Terror-Miliz IS verantworten. Ein weiterer geständiger Mitangeklagter war im April zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.

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