Polizei
Rechtsextreme Netzwerke: Auschwitz Komitee will Untersuchung

Berlin (dpa) - Das Internationale Auschwitz Komitee fordert nach der Entdeckung rechtsextremer Chatgruppen von NRW-Polizisten über das Bundesland hinaus eine deutschlandweite Untersuchung zum Ausmaß solcher Netzwerke. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sollte sich zum Vorreiter dafür machen, «dass Bund und Länder endlich gemeinsam genauere Erkundungen dazu einziehen, wie viele Polizisten in Deutschland in die extrem rechte Ecke abgedriftet und längst zu einer Gefahr für die Demokratie geworden sind», erklärte Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Komitees, am Mittwoch in Berlin.

Mittwoch, 16.09.2020, 17:13 Uhr aktualisiert: 16.09.2020, 17:20 Uhr
Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees.
Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees. Foto: Ina Fassbender

«Nach Hessen haben sich nun auch in Nordrhein-Westfalen Polizisten gemeinsam in der Hass-Welt der Nazis eingerichtet», betonte Heubner. «Und auch in dieser Welt der Menschenverachtung und des Zynismus dürfen natürlich die Gaskammern nicht fehlen, in die diesmal Flüchtlinge hineingepfercht werden. Das alles ist für Überlebende des Holocaust ekelhaft und alarmierend», unterstrich er. Offensichtlich hätten Polizisten, die vom Treiben ihrer Kollegen wussten, aus falsch verstandener Loyalität oder aus Gleichgültigkeit viel zu lange gezögert, ihren Vorgesetzten Mitteilung zu machen. Dass Minister Reul klar Flagge zeige und die rechtsextreme Szene innerhalb der NRW-Polizei durchleuchten und austrocknen wolle, werde begrüßt.

An fünf aufgedeckten rechtsextremen Chatgruppen in NRW sollen 29 Polizistinnen und Polizisten beteiligt gewesen sein. Das sagte Reul am Mittwoch. Er sprach von «einer Schande für die Polizei».

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