Extremismus
Antisemitismusbeauftragte fordert mehr Courage gegen Rechts

Düsseldorf (dpa/lnw) - Ein Jahr nach dem rechtsextremistischen Anschlag von Halle hat die nordrhein-westfälische Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger mehr Courage gefordert, antisemitischen Radikalisierungen frühzeitig entgegenzutreten. Angriffe wie auf die Synagoge in Halle oder die jüngste Attacke in Hamburg zeigten: «75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz ist Antisemitismus eine tägliche Bedrohung für das jüdische Leben in Deutschland», erklärte Leutheusser-Schnarrenberger am Donnerstag in Düsseldorf.

Donnerstag, 08.10.2020, 15:30 Uhr aktualisiert: 08.10.2020, 15:43 Uhr
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Antisemitismus-Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen.
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Antisemitismus-Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen. Foto: David Young

Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Attentäter versucht, in die Synagoge in Halle in Schsen-Anhalt einzudringen. Dort feierten mehr als 50 Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Als das misslang, tötete der Angreifer Stephan Balliet in der Nähe zwei Menschen und verletzte und traumatisierte viele weitere, ehe er gefasst wurde.

Aus dem Prozess gegen den geständigen Attentäter wisse man, dass antisemitische Stereotypen in der Gesellschaft spätere Täter bestärkten, sagte Leutheusser-Schnarrenberger. «Denn das Schweigen der Mehrheit und des direkten Umfeldes wird oft als Zustimmung empfunden.»

Präventionsangebote müssten zudem an die neuen Formen und Verbreitungswege des Antisemitismus angepasst werden. Auch Sicherheits- und Ermittlungsbehörden müssten sensibilisiert werden. Das Thema müsse auch in Aus- und Weiterbildung fest verankert werden, «damit antisemitische Taten auch als solche wahrgenommen und ermittelt werden.»

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