Arbeitsmarkt
Monate in Verzug: Corona-Krise erschwert Lehrstellensuche

In der Corona-Krise gelten strikte Schutzmaßnahmen. Das gilt nicht nur für das öffentliche Leben, sondern auch in Unternehmen. Keine guten Zeiten für Praktika oder das persönliche Kennenlernen. Es sind deutlich mehr Jugendliche noch auf der Suche nach einer Lehrstelle.

Donnerstag, 29.10.2020, 15:47 Uhr aktualisiert: 29.10.2020, 16:02 Uhr

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Corona-Krise hat für viele junge Leute die Suche nach einem Ausbildungsplatz deutlich schwieriger gemacht. 20,7 Prozent mehr unversorgte Bewerber ohne einen Alternativplan hat es in Nordrhein-Westfalen nach Daten der Bundesagentur für Arbeit Ende September im Vergleich zum Stichtag des Vorjahres geben. Das sind 8900 Jugendliche, zugleich gab es fast 11 000 offene Stellen, wie die Bundesagentur am Donnerstag bekanntgab. Inklusive der jungen Leute, die einen «Plan B» haben, aber sich noch nicht entscheiden konnten, suchten noch rund 22 000 Bewerber einen Ausbildungsplatz. Das ist fast jeder Fünfte aller Bewerber (plus 4,9 Prozent) des eigentlich im September zu Ende gegangenen Ausbildungsjahres.

«Traut Euch das zu, jetzt noch nach einer Ausbildung zu suchen», appellierte Torsten Withake, Chef der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, an junge Leute. Die strikten Corona-Schutzmaßnahmen von Mitte März an seien genau in die Zeit gefallen, in der üblicherweise ein Großteil der Kontakte geknüpft und auch Entscheidungen angebahnt würden. Er sei angesichts steigender Vermittlungen im Oktober optimistisch, dass die zwei, drei Monate Verzug aufgeholt werden können. Das werde nicht von den neuen Corona-Schutzmaßnahmen ab dem 2. November durchkreuzt. Das Internet-Angebot zur Ausbildung sei schon deutlich ausgebaut worden.

In der Hitliste der beliebtesten Ausbildungsberufe habe es zumindest kurzfristig keine großen Veränderungen durch Corona gegeben. Regional betrachtet gebe es aber weiter Unterschiede in NRW. In Südwestfalen gebe es deutlich mehr Lehrstellen als Bewerber, im Ruhrgebiet sei es anders herum. Vertreter der Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammern berichteten von einer Aufholjagd und auch von einer Stimmungsaufhellung in der Wirtschaft. Nach den Sommerferien seien zum Beispiel verstärkt Betriebspraktika angeboten worden. Unternehmen hätten durch Staatshilfen auch wieder Luft, um das Thema Ausbildung anzupacken. Der Fachkräftemangel bleibe in vielen Bereichen bestehen.

Die Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen verwies darauf, dass die Ausbildungsvermittlung im Frühjahr wegen ausgefallener Messen, «Speed-Datings» und Schnupperpraktika nicht wie gewohnt organisiert werden könnte. «Am seit Jahren sehr hohen Stellenwert von Ausbildung hat auch Corona nichts geändert», erklärte Hauptgeschäftsführer Johannes Pöttering. Ungeachtet des diesjährigen Rückgangs liege die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze immer noch um 18 Prozent über dem Niveau von 2010. Auf einen Bewerber kämen derzeit im Landesschnitt 1,23 freie Stellen. Viele Betriebe nutzten digitale Messen oder offerierten freie Stellen in sozialen Medien.

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