Kriminalität
Vorfall in Altstadt: Polizei meldete «Tumultlage»

Rund 50 Jugendliche, die einen Streifenwagen umringen und einen 16-Jährigen befreien wollen: Diese Szenen in der Düsseldorfer Altstadt sorgen für Debatten. Der Chef der Polizeiwache beobachtet eine neue Szene, die sich im Teil-Lockdown in der Altstadt trifft.

Dienstag, 08.12.2020, 18:14 Uhr aktualisiert: 08.12.2020, 18:22 Uhr
Polizisten stehen in der Innenstadt in Bereitschaft.
Polizisten stehen in der Innenstadt in Bereitschaft. Foto: Gerhard Berger

Düsseldorf (dpa/lnw) - Nachdem rund 50 Jugendliche in der Düsseldorfer Altstadt einen Streifenwagen umringten, meldete die Polizei intern eine «Tumultlage». Das sagte der Leiter der zuständigen Inspektion Mitte («Altstadt-Wache»), Thorsten Fleiß, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Es sei die vierte Tumultlage in der Düsseldorfer Altstadt in diesem Jahr gewesen.

Laut Fleiß hatte der Vorfall am Samstagabend eine neue Dimension: Im Sommer habe man - nach den Corona-Lockerungen - an den Wochenenden vor allem Nachts oder früh Morgens Probleme mit Störern und großen Gruppen zum Beispiel am Rheinufer gehabt. «Die Personen waren aber älter als jetzt, kamen auch aus dem Umland wie dem Ruhrgebiet», so Fleiß. In den letzten Wochen des neuen Teil-Lockdowns habe sich eine neue, jüngere Szene gefunden - die sich am Eingang zur Altstadt vor einer U-Bahn-Station treffe. Die bisher festgestellten Jugendlichen kamen alle aus Düsseldorfer Stadtteilen, die nicht eben als wohlhabend gelten - offenbar, so der Verdacht der Polizei, fällt ihnen in engen Wohnungen die Decke auf den Kopf.

An Samstag selbst sei es am frühen Abend zu einem «Solidarisierungs-Effekt» gekommen, als die Polizei dem Ordnungsamt zu Hilfe kam und einen 16-Jährigen im Streifenwagen wegbringen wollte. Eine Gruppe von 50 bis 80 Jugendlichen sei dem Wagen in der Fußgängerzone zunächst hinterher gelaufen und habe ihn dann gestoppt. Ein Jugendlicher habe sich vor den Wagen gelegt, ein anderer habe versucht, aufs Dach des Kleinbusses zu klettern. Wie die Polizei vorher mitteilte, gab es Tritte und Schläge gegen den Wagen - einzelne versuchten, ihn zu öffnen. Die Verfolgung wurde von den fest installierten Überwachungskameras der Polizei aufgezeichnet, die Attacke selbst nicht - sie passierte außerhalb der Zone.

«So schnell wie das kam, war es auch vorbei», so Fleiß: «Als Verstärkung anrückte und der Kollege aus dem Wagen kam, wichen die jungen Störer rasch zurück.» Letztlich habe es auch daher keine Verletzten bei den Beamten gegeben. Im Sommer sei dies bei der damaligen Szene noch anders gewesen, die sich aggressiv gewehrt und zum Beispiel Flaschen geworfen habe.

Taktisch habe sich die Polizei in der Altstadt schon lange in Vierer-Teams aufgestellt: Zwei Beamte sprechen an, zwei sichern nach außen ab. Zudem weite man nun die Video-Überwachung aus und man arbeite gut mit der Stadt zusammen - was zum Beispiel die Beleuchtung von Hot-Spots angehe. Dennoch richte man sich nun auf die neue Situation ein: «Wir sind jetzt bereits am frühen Abend kräftemäßig entsprechend aufgestellt», so Fleiß. «Es gibt eine schnelle Ansprache: Wenn unsere - teilweise selbst noch jungen Kollegen - eine Situation sehen, wo es zum Beispiel zu noch scherzhaft gemeinten Rangeleien kommt, zu pseudo-aggressivem Verhalten, da gehen sie ran.»

Nach dieser Gefährderansprache sei die nächste Eskalationsstufe der Platzverweis. Wer dann immer noch nicht die Bahn nimmt, komme in Gewahrsam, so Fleiß: «Dann sagen wir auch klar: Diese Nacht verbringst Du bei uns.»

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