Kriminalität
Kriminalität in NRW auf niedrigstem Stand seit 20 Jahren

403 Seiten voller Zahlen, hinter denen sich Hunderttausende Schicksale verbergen: Das Innenministerium hat auf Antrag der SPD im Landtag eine Anatomie der Verbrechen in NRW vorgelegt. Immerhin: Die Straftaten gingen 2019 zurück - auf den niedrigsten Wert seit Jahren.

Mittwoch, 09.12.2020, 14:36 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 14:43 Uhr
Ein Mann versucht mit einem Bolzenschneider ein Fahrradschloss aufzubrechen (gestellte Szene).
Ein Mann versucht mit einem Bolzenschneider ein Fahrradschloss aufzubrechen (gestellte Szene). Foto: Andreas Gebert

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die erfassten Straftaten bei der Polizei sind im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit 2000 gesunken. Insgesamt wurden noch rund 1,23 Millionen Taten registriert. Den Höchststand mit 1,53 Millionen Taten hatte die Polizei im Jahr 2005 erfasst. Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Große Anfrage der SPD im Landtag hervor.

Auf 403 Seiten beantwortet das Ministerium einen mehr als 200 Fragen umfassenden Katalog zur Lage der Polizei und der inneren Sicherheit, den die SPD Ende Mai eingereicht hatte. Der Bericht ist eine Anatomie der Verbrechen in NRW mit zahlreichen Tabellen und Details. Die dpa dokumentiert Auszüge:

MORD UND TOTSCHLAG

2019 wurden 483 Fälle erfasst - wobei knapp zwei Drittel der Opfer überlebten. Im 20-Jahres-Vergleich schwanken die Zahlen zwischen 422 und 582 Fällen. Seit dem Jahr 2000 wurden für 7745 Ermittlungsverfahren Mordkommissionen gebildet. Die allermeisten Verdächtigen waren Männer.

«COLD CASES»

In der «Cold Cases»-Datenbank der ungelösten Tötungsdelikte, die neu überprüft werden, gab es im Oktober 360 Fälle. Weitere aus der Zeit vor 1990 sollen dazukommen.

VERMISSTE

Zum Stichtag 31. Dezember 2019 galten dem Bericht des Ministeriums zufolge 1224 Menschen in NRW als vermisst. Zwischen 1. Januar 2000 und dem 31. Dezember 2019 wurden durch die Polizei in NRW insgesamt 296 383 Vermisstenfälle bearbeitet.

EINBRÜCHE

Die Zahl der gemeldeten Einbrüche lag 2019 mit 26 857 auf dem niedrigsten Stand seit 2000. Die Aufklärungsquote lag 2019 bei 15,5 Prozent - und damit im Mittelfeld der vergangenen Jahre. Die Polizei geht laut dem Bericht von einer hohen Dunkelziffer aus: So würden versuchte Einbrüche oft nicht gemeldet.

SEXUALDELIKTE

2019 zählten die Ermittler 15 174 Sexualdelikte. Die Zahlen über die Jahre schwanken, unter anderem wegen Gesetzesänderungen. Im Vergleich nur zu 2018 stiegen unter anderem die angezeigten Fälle von sexuellen Missbrauchs von Kindern und Verbreitung verbotener pornografischer Erzeugnisse an. Auch bei Sexualdelikten geht die Polizei von einer hohen Dunkelziffer aus.

CLANKRIMINALITÄT

Mit Stand Juni 2020 wurden 1478 Strafverfahren gegen mutmaßliche Clanmitglieder geführt. Meist wegen Rohheitsdelikten wie Gewalt, Raub oder Tötung. Aber auch wegen Betrug, Diebstahl und Drogen gab es Hunderte Verfahren. Zwischen Juli 2018 und Juli 2019 gab es über 1250 Kontrollaktionen durch die Polizei mit 2058 Sicherstellungen und Beschlagnahmungen. Rund 2 Millionen Euro wurden 2019 abgeschöpft.

ROCKER

Die Polizei führt laut Innenministerium aktuell 62 Verfahren. Viele wegen Drogen, Verstößen gegen das Waffengesetz, aber auch wegen Gewaltdelikten. 119 Polizeibeamte befassen sich schwerpunktmäßig mit Rocker-Kriminalität - etwa die Hälfte von ihnen in einer von 17 Ermittlungskommissionen. In NRW gibt es Bandidos, Freeway Rider’s, den Gremium-Club, Hells Angels, Outlaws und Brothers sowie diverse Unterstützer-Clubs. Alleine bei den Bandidos sind das laut Ministerium 25.

ZUWANDERER

Die SPD-Fraktion fragte auch nach Zuwanderern, wozu in der Polizeistatistik Asylbewerber, Schutzberechtigte, Geduldete und andere Flüchtlinge gehören. 2019 lag ihr Anteil bei allen Verdächtigen bei 12,2 Prozent.

INTENSIVTÄTER

«Mehrfachtatverdächtige» tauchen in der Statistik in 4,6 Prozent aller Fälle auf. Am häufigsten werden sie bei Diebstahl zu Wiederholungstätern.

GEWALT GEGEN EINSATZKRÄFTE

2019 gab es rund 18 500 Attacken gegen Polizisten, 431 gegen Feuerwehrleute und 356 gegen sonstige Rettungskräfte. Die Tendenz ist seit Jahren steigend. Bei der Polizei verzeichnete die Statistik zwischen 2012 und 2019 einen Anstieg von über 38 Prozent, so das Innenministerium.

OPFER

In der Kriminalstatistik werden nicht zu allen strafbaren Handlungen Opferdaten erfasst. Auch so zählten die Ermittler im vergangenen Jahr mehr als 240 000 Opfer. Etwas weniger als in den drei Jahren davor.

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