Textil
Van Laack-Chef: «Alles pieksauber gelaufen»

Der Modeblogger «Joe» Laschet gibt seinem Vater Armin eine Handynummer eines Firmenchefs, für den er arbeitet. Später bekommt die Firma einen Auftrag vom Staat. Die SPD runzelt über diese Konstellation die Stirn. Nun meldet sich der Firmenchef zu Wort.

Mittwoch, 09.12.2020, 21:05 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 21:12 Uhr
Ein Mund-Nasen-Schutz der Modefirma van Laack.
Ein Mund-Nasen-Schutz der Modefirma van Laack. Foto: Rolf Vennenbernd

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Inhaber des Textilienherstellers van Laack, Christian von Daniels, hat Kritik an einem Auftrag des Landes NRW über 10 Millionen Schutzkittel zurückgewiesen. Es sei im Frühjahr «mit dem Auftrag seitens der einkaufenden Behörde alles pieksauber gelaufen», sagte der Unternehmer am Mittwochabend in einer Online-Gesprächsrunde vor Studenten der Universität Witten/Herdecke. Es habe im Frühjahr keine andere Firma in Deutschland gegeben, die den Auftrag in der geforderten Qualität und Geschwindigkeit hätte bedienen können - deshalb habe man den Zuschlag bekommen, sagte er.

Auf Vermittlung seines freien Mitarbeiters, des Modebloggers Johannes «Joe» Laschet, hatte von Daniels im Frühjahr mit dessen Vater und NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) telefoniert. Die SPD-Fraktion im Landtag hatte infrage gestellt, ob es bei der Vergabe des 38,5 Millionen Euro schweren Auftrags mit rechten Dingen zugegangen ist und auf andere Firmen verwiesen, die ebenfalls gern Kittel geliefert, aber keine Antwort bekommen hätten.

Von Daniels hingegen betont, dass die anderen Firmen viel zu klein gewesen wären, um den Großauftrag zu stemmen - binnen zwei Monaten hätten 10 Millionen zertifizierte Schutzkittel geliefert werden müssen, mit dem Start erster Lieferungen schon nach zwei Wochen.

Ende November hatte der Manager in einem Interview der «Rheinischen Post» berichtet, dass der Modeblogger «Joe» Laschet seine Handynummer an den Ministerpräsidenten weitergereicht und dass der Politiker ihn später angerufen habe. Laschet Senior wiederum habe nach dem Telefonat aber lediglich seine Kontaktdaten an das zuständige Gesundheitsministerium weitergereicht, betonte von Daniels.

Das Verhalten der SPD-Landtagsfraktion in der Debatte um die Vermittlung des Auftrags sieht von Daniels mit Kopfschütteln. Die Auftragsvergabe sei seit April bekannt gewesen. Es sei unverständlich, «dass die SPD jetzt auf die Idee kommt, das so zu verdrehen, dass das Vetternwirtschaft sei». Er habe SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty Anfang dieser Woche angerufen und ihm gesagt, «ich verstehe gar nicht, warum Sie nicht bei uns recherchiert haben - wir sind doch zu völliger Transparenz bereit». Er betonte, dass van Laack parteipolitisch nicht festgelegt sei - «Hauptsache, die Leute kaufen unsere Hemden».

Van Laack ist ein Textilienhersteller mit Sitz in Mönchengladbach. In dem Ende April abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 machte die van Laack GmbH laut Bundesanzeiger einen Umsatz von 56,1 Millionen Euro und erzielte dabei einen Gewinn von 7,4 Millionen Euro. Nach Angaben des Firmenchefs hat das Unternehmen in Vietnam eine Produktionsstätte mit 500 Mitarbeitern und in Tunesien eine mit 800 Mitarbeitern. In Vietnam fertigt das Unternehmen seit Februar auch Mund-Nase-Masken, deren Nutzung die Corona-Pandemie eindämmen soll. In Tunesien werden die Schutzkittel hergestellt.

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