Jahreswechsel
Laschet rechtfertigt Polizeiaufgebot in Silvesternacht

Köln (dpa/lnw) - Die 4800 Polizisten, die landesweit in der Silvesternacht im Einsatz waren, hatten nicht viel zu tun. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat das massive Aufgebot der Polizei unter anderem mit Drohungen gegen Polizeibeamte gerechtfertigt.

Freitag, 01.01.2021, 09:39 Uhr aktualisiert: 01.01.2021, 13:44 Uhr
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) spricht bei einem Interview in seinem Büro.
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) spricht bei einem Interview in seinem Büro. Foto: Caroline Seidel

„Das ist die größte Zahl an Polizeikräften, die wir je in Nordrhein-Westfalen in einer solchen Silvesternacht aufgeboten haben. Sie sollen Demonstrationen verhindern, die nicht erlaubt sind, sie sollen verhindern, dass jemand gegen Corona-Auflagen verstößt, und sie sollen auch ansonsten für die Sicherheit sorgen“, sagte Laschet am Silvesterabend in Köln. „Es hat in den letzten Tagen Drohungen gegen Polizeibeamte gegeben - gerade für die heutige Nacht“, sagte er. Deshalb wolle er den Polizisten für den Einsatz in der Silvesternacht besondere Rückendeckung geben.

Vor allem in Hagen hatten polizeibekannte Intensivtäter gedroht, sich nicht an das Böllerverbot auf öffentlichen Plätzen zu halten. Sogar massive Angriffe auf Polizisten seien angekündigt worden, hatte Polizeidirektor Hubert Luhmann der «Westfalenpost» gesagt. „Es handelt sich um Jugendliche und junge Erwachsene, die bereits durch Gewalttaten - auch an Silvester - aufgefallen sind.“

Ruhige Silvesternacht in NRW

Die Bilanz der Polizei war dann letztlich aber eine andere: Nordrhein-Westfalen hat mitten in der Corona-Pandemie eine ungewöhnlich ruhige Silvesternacht erlebt, die Vorschriften wurden ganz überwiegend eingehalten. „Die Menschen in Nordrhein-Westfalen haben sich wieder mal sehr vernünftig verhalten“, lobte Innenminister Herbert Reul (CDU).

Die Polizei zog eine zufriedene Bilanz der Silvesternacht. Insgesamt waren landesweit rund 4800 Beamte im Einsatz. Sie hatten deutlich weniger zu tun als in vorangegangenen Jahren. Die Zahl der Einsätze ging um etwa 600 auf rund 2300 zurück. Bei den registrierten Straftaten und den Verletzten gab es ebenfalls ein Minus, wie das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) mitteilte.

Viele Orte, an denen sonst Tausende den Jahreswechsel feiern, waren in dieser Silvesternacht weitgehend menschenleer. In Köln seien die die Sperrbereich respektiert worden. „Da haben wir überhaupt keine Probleme gehabt“, sagte ein Polizeisprecher. In Düsseldorf hieß es: „Absolut ruhig, keine altstadttypischen Vorfälle.“ Der Silvestereinsatz endete, anders als in den Vorjahren, für die meisten Polizisten in Düsseldorf bereits um 3.00 Uhr.

Feuerwerke „überschaubar“ 

Obwohl der Verkauf von Feuerwerk verboten war, stiegen vielerorts Raketen in den Himmel und knallten Böller. Es habe örtlich unterschiedliche Regelungen gegeben, ob und wo mit bereits früher gekauften Böllern geknallt werden durfte, hieß es beim LZPD. Die Feuerwerke über den NRW-Städten seien „überschaubar“ gewesen. Die Feuerwehren berichteten nur von wenigen Löscheinsätzen. Es sei der wohl ruhigste Jahreswechsel „in den vergangen Jahrzehnten“ gewesen, hieß es etwa bei der Feuerwehr in Solingen.

In Moers erwischte die Polizei einen 21-Jährigen, der offenbar illegale Böller verkaufen wollte. Er habe an Silvester große Mengen teils nicht zugelassener Feuerwerkskörper in einer Garage aufgebaut, teilte die Polizei mit. Den Böllern hätten vielfach die erforderlichen Prüfzeichen gefehlt. Der 21-Jährige erhielt eine Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Woher er die Böller bezogen hatte, muss noch ermittelt werden.

Die Polizei unterstützte die lokalen Ordnungsbehörden bei der Durchsetzung der Corona-Regeln. Dabei seien landesweit 612 Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit der Corona-Schutzverordnung festgestellt worden. Bei den Kontrollen hätten die Ordnungskräfte 13 Ansammlungen von größeren Gruppen mit mehr als zehn Personen im öffentlichen Raum festgestellt.

Polizisten und Feuerwehrleute mit Böllern beworfen

In einem Wald bei Königsdorf im Rhein-Erft-Kreis lösten Polizei und Ordnungsamt eine Technoparty auf, für die über die sozialen Medien geworben worden war. Die Veranstalter hätten eine Musik- und Lichtanlage aufgebaut, teilte die Polizei mit. Rund 30 Personen seien dort angetroffen worden. Ihnen drohten Strafen nach der Corona-Schutzverordnung.

In Essen wurden Polizisten und Feuerwehrleute aus einer Gruppe Jugendlicher heraus mit Feuerwerkskörpern beworfen . Dabei habe es sich nach ersten Erkenntnissen um Feuerwerkskörper der Kategorie 4 gehandelt, die zum professionellen Gebrauch verkauft werden, teilte die Polizei am Freitag mit. Verletzt wurde niemand. Ein 16-jähriger mutmaßlicher Werfer wurde festgenommen. Die Jugendlichen sollen zuvor Mülleimer angezündet haben. 

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