Justiz
Selbsttötungen hinter Gittern haben sich mehr als verdoppelt

Obwohl im vergangenen Jahr weniger Menschen in Nordrhein-Westfalen hinter Gittern saßen, ist die Zahl der Suizide in den Gefängnissen in die Höhe geschnellt.

Mittwoch, 06.01.2021, 05:42 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 05:52 Uhr
Ein Häftling steht an einem vergitterten Fenster in einer Zelle.
Ein Häftling steht an einem vergitterten Fenster in einer Zelle. Foto: Felix Kästle

Düsseldorf (dpa/lnw) - Im Corona-Jahr 2020 hat sich die Zahl der Selbsttötungen in den nordrhein-westfälischen Gefängnissen mehr als verdoppelt. Nach Angaben des NRW-Justizministeriums begingen im vergangenen Jahr 23 Gefangene hinter Gittern Suizid - 2019 und 2018 waren es jeweils elf.

Dabei waren die Gefängnisse wegen der Pandemie im vergangenen Jahr mit deutlich weniger Häftlingen belegt als 2019. Die Auslastungsquote der NRW-Gefängnisse war von fast 90 Prozent Ende Februar auf knapp 80 Prozent Ende Juli und Ende September gesenkt worden.

Das Ministerium verwies auf Anfrage darauf, dass die Zahl der Suizide erheblichen Schwankungen unterliege. Die Höchstwerte hätten 1992 und 1997 bei jeweils 27 Suiziden gelegen. Häftlinge hatten im Frühjahr beklagt, dass ihnen Schutzmaßnahmen wie Besuchsverbote und gestrichene Freigänge psychisch zusetzen.

Das Justizministerium hatte den Versuch angekündigt, mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz die Zahl der Suizide zu senken. Suizidgefährdete Gefangene sollen mit spezieller Video-Software überwacht werden, die im Fall eines Suizidversuchs Alarm schlägt.

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