Fußball
Klassiker zum Vergessen für die Bayern - Gladbach ganz stark

Das war keine meisterliche Abwehrleistung. Der FC Bayern führt beim alten Rivalen in Mönchengladbach mit zwei Toren - und verliert doch noch. Am Samstag könnte es einen neuen Tabellenführer geben.

Freitag, 08.01.2021, 23:06 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 23:12 Uhr
Robert Lewandowski (r) vom FC Bayern München köpft den Ball neben Stefan Lainer von Borussia Mönchengladbach.
Robert Lewandowski (r) vom FC Bayern München köpft den Ball neben Stefan Lainer von Borussia Mönchengladbach. Foto: Martin Meissner

Mönchengladbach (dpa) - Manuel Neuer feuerte den Ball direkt nach dem Schlusspfiff bedient auf die Tribüne, dann trotteten die Stars des FC Bayern sauer vom Rasen. Haarsträubende Abwehrfehler haben den deutschen Fußball-Rekordmeister im furiosen Bundesliga-Klassiker bei Borussia Mönchengladbach erneut zu Fall gebracht. Beim 2:3 (2:2) am Freitagabend verspielten die Bayern erstmals seit zehn Jahren wieder eine 2:0-Führung - dem Team von Trainer Hansi Flick, der in Gladbach seine zweite von erst vier Niederlagen als Bayern-Coach kassierte, droht am Samstag der Verlust der Tabellenführung.

«Sie haben leider diese zwei, drei Fehlpässe, die wir im Spielaufbau hatten, eiskalt bestraft», sagte Thomas Müller beim Streamingdienst DAZN. «Aber am Ende ist es müßig, über die Gegentore zu diskutieren. Wir haben aus unserer Belagerung in der zweiten Halbzeit ein Tick zu wenig gemacht.» Zum 3:3 habe es nicht mehr gereicht. Flick sagte: «Wenn man unser Spiel sieht, ist ja schon auch irgendwo auffällig, wo wir Probleme haben.»

Angeführt vom überragenden Offensiv-Duo Lars Stindl und Jonas Hofmann nutzte der alte Bayern-Rivale die bekannten Defensivschwächen der Münchner gekonnt aus. Zwei überragende Pässe von Stindl auf Hofmann (36. Minute/45.) führten zum Ausgleich noch vor der Pause. Florian Neuhaus (49.) traf zum Sieg. «Wir sind überglücklich, das war ein harter Kampf», sagte Hofmann. «Ich glaube, viele hatten uns nach dem 0:2 nicht mehr auf der Rechnung.»

Das Handelfmetertor von Robert Lewandowski (20.) und ein Treffer von Leon Goretzka (26.) reichten dem Triple-Sieger aus München nicht. Die Borussia gewann verdient zum vierten Mal in Folge das Hinspiel gegen die Bayern, die zuletzt im Februar 2011 beim 1. FC Köln eine Zwei-Tore-Führung verspielt hatten.

Die Gladbacher zeigten schon gute erste 15 Minuten im offensiven 4-3-3-System, der Rekordmeister war wie von Flick prophezeit «von der ersten Sekunde an» gefordert. In der Münchner Viererkette setzte der Bayern-Trainer auf den zuletzt schwächelnden Benjamin Pavard als Rechtsverteidiger, Joshua Kimmich spielte seine Paraderolle als Antreiber im Mittelfeld. Gladbach suchte mit hohem Tempo und langen Bällen den Weg nach vorne - dann patzte hinten Neuhaus.

Der Nationalspieler ging im eigenen Strafraum unnötig mit der Hand zum Ball und berührte diesen mit den Fingerspitzen, den fälligen Elfmeter nach Videobeweis verwandelte Lewandowski spielend sicher zu seinem 20. Saisontor. Der Weltfußballer wandelt damit weiter auf den Spuren des großen Gerd Müller, der vor knapp 50 Jahren 40 Tore in einer Spielzeit erzielt hatte. Flick jubelte an der Seitenlinie - in den vorausgegangenen acht Bundesliga-Spielen waren die Bayern immer in Rückstand geraten.

Dieses Mal lief es besser, zumindest zunächst. Zwar versuchte Gladbach, den Druck auf die Gäste sofort wieder zu erhöhen. Mit cleverem Pressing brachten aber die Bayern nur kurz nach der Führung Goretzka in Position, dessen Schuss aus gut 25 Metern für Gladbach-Torwart Yann Sommer nicht zu halten war. Die Borussia kassierte ihren 200. Gegentreffer gegen die Bayern, kam dann aber schnell wieder ins Spiel zurück. Und wie!

Stindl und Hofmann sorgten für die beiden Tore zum Ausgleich noch vor der Pause - nach etwa gleichem Schema. Stindl setzte Hofmann zweimal mit ganz starken Pässen gegen unsortierte Bayern gekonnt in Szene, der 28-Jährige behielt vor dem Tor von Neuer die Nerven und sorgte dafür, dass der Nationalmannschaftskapitän zum zehnten Mal in Folge ein Gegentor kassierte. Ein persönlicher Negativrekord für den 34-Jährigen. Entsprechend bedient ging es für die Bayern in die Pause.

Ein Abspielfehler von Niklas Süle verschlechterte die Münchner Ausgangslage bedenklich. Die Gladbacher spielten gedankenschnell in Richtung Strafraum und Neuhaus machte mit seinem Führungstor den Handelfmeter-Patzer wieder gut. Flick nahm auf der Trainerbank ärgerlich einen Schluck aus seiner Wasserflasche.

Die folgenden Angriffsbemühungen der Bayern hatten die Gladbacher zunächst im Griff. Über die Außen Douglas Costa und Leroy Sané entwickelte der Rekordmeister trotz hohen Pressings lange nicht den gewünschten Druck. David Alabas Abschluss wurde geblockt (70.). Und Gladbach lauerte auf weitere Chancen.

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