Gesundheit
Grüne in NRW unter Bedingungen für FFP2-Maskenpflicht

Kommt eine FFP2-Maskenpflicht auch in NRW? Die Grünen können sich das unter Bedingungen vorstellen. Auch die SPD äußert sich.

Donnerstag, 14.01.2021, 12:04 Uhr aktualisiert: 14.01.2021, 12:42 Uhr
Das Logo der Partei Bündnis 90/Die Grünen.
Das Logo der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Foto: Rainer Jensen

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Grünen in Nordrhein-Westfalen sind unter bestimmten Bedingungen für eine FFP2-Maskenpflicht beim Einkaufen und im Nahverkehr. Die Infektionslage in NRW sei trotz des seit Wochen andauernden Lockdowns angespannt, sagte die Grünen-Landeschefin Mona Neubaur der «Rheinischen Post» (Donnerstag). Zudem sei völlig unklar, wie sich die in England und Südafrika entdeckte Virusmutation in NRW auswirken werde. «Eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken in Bussen, Bahnen und Geschäften ist daher generell sinnvoll», sagte sie. «Schnellschüsse wie in Bayern helfen uns aber nicht weiter.»

Was man über FFP2-Masken wissen sollte

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  • FFP2-Masken versprechen einen besseren Schutz vor dem Coronavirus. Bayern macht das Tragen dieser Schutzbedeckungen in Geschäften sowie Bus und Bahn sogar zur Pflicht. Die wichtigsten Infos über FFP2-Masken im Überblick. 

    Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Was sind überhaupt FFP2-Masken?

    Dabei handelt es sich um partikelfiltrierende Halbmasken. Die Bezeichnung FFP stammt aus dem Englischen (Filtering Face Piece). Ursprünglich sind sie insbesondere aus dem Handwerk bekannt. Die Arbeiter schützen sich damit dagegen, Staub oder andere giftige Stoffe einzuatmen.

    FFP-Masken werden in drei Kategorien eingeteilt - 1 bis 3. Die unterschiedliche Bezeichnung geht darauf zurück, wie viele Aerosole die Masken filtern können. „FFP2-Masken müssen mindestens 94 Prozent und FFP3-Masken mindestens 99 Prozent der Testaerosole filtern“, so das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

    Foto: Hendrik Schmidt/dpa
  • Warum sind FFP2-Masken besser als Alltagsmasken?

    Der Unterschied liegt insbesondere darin, ob die Masken eher andere Menschen oder auch die Maskenträger schützen. Bei korrekt sitzenden FFP2-Masken würden beide Seiten vor Partikeln, Tröpfchen und Aerosolen geschützt, erklärt das BfArM.

    Wie die Gesellschaft für Aerosolforschung erläutert, halten einfache Mund-Nasen-Bedeckungen kleinere Partikel nicht so gut ab. Daher seien sie für den Selbstschutz nicht geeignet.

    Für die einfachen Mund-Nasen-Bedeckung - im Sprachgebrauch meist Alltagsmaske genannt - gibt keine Norm und keine wissenschaftlich nachgewiesene Schutzfunktion. Dennoch gehen Experten davon aus, dass auch diese Masken einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten.

    Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
  • Wo bekommt man FFP2-Masken her?

    Sie werden in Drogerien, Apotheken oder online verkauft. Menschen über 60 Jahren, Risikoschwangere oder chronisch Kranke erhalten derzeit eine bestimmte Anzahl FFP2-Masken günstiger in der Apotheke. Die gesetzlichen Krankenkassen verschicken dafür Gutscheine : Für einen Sechserpack muss man dann nur zwei Euro zuzahlen.

    Experten raten, zunächst einmal nur eine Packung FFP2-Masken auszuprobieren. Im Unterschied zu einfachen Stoffmasken liegen diese wesentlich fester an. Manchmal werden sie als unangenehm empfunden. Beim Kauf sollte man auf das CE-Kennzeichen und eine vierstellige Nummer achten, die Rückschlüsse auf das Prüf-Institut zulässt.

    Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
  • Worauf sollte ich beim Kauf von FFP2-Masken sonst noch achten?

    Partikelfiltrierende Halbmasken (FFP2/FFP3/KN95) sind für den Einsatz im Gesundheitsbereich zertifiziert und müssen mindestens 95 Prozent der Aerosole abfangen. Wer entsprechende Masken kaufen will, sollte auf der Verpackung auf die Kombination aus CE-Zeichen und vier Zahlen achten, rät der Tüv Nord.

    Erfüllen die Masken die Kriterien der entsprechenden Prüfnorm, bekommt die Verpackung ein CE-Kennzeichen sowie eine vierstellige Nummer. Dies lässt Rückschlüsse auf das Prüf-Institut zu.

    Foto: Friso Gentsch/dpa
  • FFP2, N95 oder KN95?

    Wenig Unterschied macht es dem Präsidenten der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, zufolge, ob die Atemschutzmasken aus den Klassen FFP2, N95 oder KN95 sind. «Das ist ein ähnlicher Standard.» Entscheidend sei die Qualität der Masken. Immer noch gebe es nicht ausreichend geprüfte Masken auf dem Markt, die jedoch - fälschlicherweise - als solche ausgezeichnet seien.

    «Man sollte nicht so sehr auf den Preis achten, sondern auf eine vertrauenswürdige Quelle», riet der Experte. Anders als im Frühjahr gibt es nach seiner Einschätzung aber keinen derartigen Engpass mehr an FFP2-Masken.

    Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Besser mit oder ohne Ventil?

    FFP2-Masken gibt es mit und ohne Ventil. Haben sie ein Ventil, wird die ausgeatmete Luft nicht so gut gefiltert. Somit ist der Schutz für andere Menschen gering - entsprechend erfüllen die Masken dann nicht wirklich ihren Zweck, der ja auch daran liegt, andere Menschen vor einer möglichen Ansteckung zu schützen.

    Foto: Christin Klose/dpa
  • Wie lange dürfen FFP2-Masken getragen werden?

    Während die Mund-Nasen-Bedeckungen aus Stoff gewaschen und wiederverwendet werden können, sind FFP2-Masken laut dem BfArM vom Hersteller als Einmalprodukte vorgesehen.

    Doch das kann ins Geld gehen, sofern man täglich auf diese Masken angewiesen ist - besonders Haushalte mit wenig Einkommen stellt das womöglich vor Probleme. Das wirft die nächste Frage auf.

    Foto: Christin Klose/dpa-tmn
  • Lassen sich die FFP2-Masken nicht doch aufbereiten?

    Forscher der Fachhochschule (FH) Münster und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster schreiben indes, dass sich FFP2-Masken bis zu fünf Mal aufbereiten lassen: Je nach Beschaffenheit der Maske bei 80 Grad Ober- und Unterhitze für eine Stunde im Ofen, oder indem man sie eine Woche lang an einem Haken im Raum trocknen lässt. Aus verschiedenen Gründen nicht geeignet zur Wiederaufbereitung seien Kochtopf, Mikrowelle, Waschmaschine, Spülmaschine und UV-Lampe. Hier finden Sie eine Infobroschüre zu dem Thema

    Foto: Till Simon Nagel/dpa-tmn
  • Worauf muss ich beim Tragen einer FFP2-Maske achten?

    Wie der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, erläutert, biete eine FFP2-Maske nur dann den versprochenen Schutz, wenn sie eng anliege. Je nach Gesichtsform treffe das nicht bei jedem Modell zu. Luft - und damit auch eventuell Viren - ströme dann an den Seiten der Maske vorbei, erklärte Asbach.

    «Wenn die nicht sauber abschließt, ist sie nicht wirksamer als eine einfache Maske.» Ein besonderes Problem hätten zudem Bartträger. Es gebe in der Industrie sehr teure Alternativen mit Rundum-Visieren, sichereren Hepafiltern und Luftpumpen. Das sei aber nicht für den Alltagsgebrauch gedacht. «Im Grunde bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, sich zu rasieren.»

    Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Bin ich mit einer FFP2-Maske sicher?

    Experten warnen vor falschen Vorstellungen bezüglich der Sicherheit von FFP2-Masken . Diese böten selbst dann keinen hundertprozentigen Schutz, wenn sie perfekt getragen würden.

    Die Masken müssten den Anforderungen zufolge 94 Prozent der Partikel filtern - damit gingen immer noch 6 Prozent durch. 

    Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Wo bekomme ich weitere Infos?

    Aktuelle Infos rund um das Thema Coronavirus finden Sie in unserem Special und unserem regionalen Coronavirus-Newsticker. 

    Foto: Jasper Jacobs/BELGA/dpa

Zunächst müsse sichergestellt sein, dass die FFP2-Masken in ausreichender Menge und flächendeckend verfügbar seien. An Menschen mit geringem Einkommen müssten kostenlose Masken verteilt werden. «Infektionsschutz darf keine Frage des Geldbeutels sein», so Neubaur.

In Bayern muss nach einem Beschluss des Landeskabinetts von kommender Woche an in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr eine FFP2-Maske getragen werden. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) begründete dies damit, dass diese Masken den Träger selbst besser schützten als herkömmliche Masken.

SPD-Landtagsfraktionschef Thomas Kutschaty forderte von der NRW-Landesregierung, FFP2-Masken «so flächendeckend wie möglich kostenfrei zur Verfügung zu stellen und gezielt dafür zu werben, auch hauptsächlich diese Masken zu tragen».

Seine Fraktion drang zudem darauf, dass Beamte im Außendienst mit FFP2-Masken ausgestattet werden sollten. So verfüge die Polizei aktuell nur über kleinere Bestände an solchen Masken. Ergänzend zu Stoffmasken müssen die Beamten im Außendienst «täglich mit mindestens einer FFP2-Maske pro Tag versorgt werden», sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Hartmut Ganzke, laut Mitteilung vom Donnerstag. Auch die 950 Gerichtsvollzieher im Land sollten FFP2-Masken bekommen.

Das Land hatte vergangene Woche angekündigt, jeden Lehrer im Präsenzunterricht mit zwei FFP2-Masken pro Tag ausstatten. Es würden entsprechende Gelder zur Verfügung gestellt, um das bis zu den Osterferien zu gewährleisten, hatte es in einer E-Mail des Bildungsministeriums an alle Schulen geheißen.

Zudem prüft die Landesregierung derzeit eine FFP2-Maskenpflicht wie in Bayern. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte sich zuletzt allerdings skeptisch geäußert. FFP2-Masken könnten zwar eine etwas höhere Sicherheit bieten, aber nur, wenn sie richtig getragen würden. Falsch aufgesetzte Maske könne aufgrund eines falschen Sicherheitsgefühls das Risiko einer Übertragung sogar erhöhen.

Hochwertigere Atemschutzmasken beispielsweise der Klassen FFP2, N95 oder KN95 sind nach Angaben der Gesellschaft für Aerosolforschung mit Sitz in Köln sowohl für den Selbst- als auch den Fremdschutz effizient, sofern sie kein Ausatemventil haben. Einfache Mund-Nasen-Bedeckungen hielten kleinere Partikel nicht so gut ab und seien daher für den Selbstschutz nicht so gut geeignet. Masken mit Ausatemventil wiederum dienen einem Positionspapier der Gesellschaft zufolge nur dem Selbstschutz «und widersprechen daher dem Solidaritätskonzept, dass Mitmenschen durch kollektives Maskentragen geschützt werden».

Mund-Nase-Masken filtern einen Teil der Partikel und Viren aus der Luft heraus. Dadurch sinkt deren Konzentration und damit das Infektionsrisiko. Ausgeatmete Aerosolpartikel sind nach Angaben der Gesellschaft für Aerosolforschung durch anhaftende Feuchtigkeit relativ groß, auch einfache Masken können sie daher recht effizient zurückhalten. In der Raumluft schrumpfen die Partikel aber - und können darum beim Einatmen durch einfache Masken hindurch gelangen. FFP2-Masken sind dichter und filtern so mehr und auch kleinere Partikel. In der Folge bieten sie mehr Schutz für den Träger.

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