Ärger um bewegliche Ferientage
Kein Karneval – trotzdem schulfrei

Münster -

Keine Karnevalsumzüge, keine Karnevalsflucht auf die Skipisten: Doch trotz Corona haben sich viele Schulen rund um den Rosenmontag wie gewohnt Ferientage eingeplant. Das empört die Eltern.

Mittwoch, 03.02.2021, 01:14 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 08:24 Uhr
Ein Schüler sitzt in seinem Zimmer am Schreibtisch und erledigt Aufgaben im Rahmen des Homeschooling
Ein Schüler sitzt in seinem Zimmer am Schreibtisch und erledigt Aufgaben im Rahmen des Homeschooling. Foto: dpa

Keine Karnevalsumzüge, keine Karnevalsflucht auf die Skipisten: Doch trotz Corona haben sich viele Schulen rund um den Rosenmontag wie gewohnt Ferientage eingeplant. Das empört die Eltern. Vielen wurde der freie Rosenmontag ja gestrichen: Die Landesregierung etwa ordnete am 15. Februar Dienstpflicht für alle Landesbehörden an.

Grund für die Ausnahme für Lehrerinnen und Lehrer sind die beweglichen Ferientage, die jede Schule festlegen darf. Das Karnevalswochenende erfreut sich großer Beliebtheit. Und: „Ei­ne Streichung von beweglichen Ferientagen im Jahr 2021 in der Karnevalszeit, die an den einzelnen Schulen bereits festgelegt wurden, ist nicht vorgesehen“, heißt es in einem Brief des Schulministeriums, der un­serer Zeitung vorliegt. Es sei aber denkbar, dass die beweglichen Ferientage auf andere Tage verschoben werden – „durch die Schulkonferenz im Einvernehmen mit Schulträgern“. Ähnlich argumentieren die Bezirksregierungen.

Lehrergewerkschaft plädiert für freien Rosenmontag

Das Festhalten vieler Schulen an den Kurzferien bringt gleich dreifach die Eltern auf: Zum einen endet an dem Wochenende bislang der Lockdown. Viele hoffen darauf, dass damit auch der schwierige Distanzunterricht aufhört – doch nun gibt es oft gleich mehrere Tage völlig geschlossene Schulen statt Wechsel- oder Präsenzunterricht. Zweitens: Als der Unterricht vor Weihnachten zwei Tage vorher endete und zwei Tage später startete, kündigte NRW-Schulministerin Yvon­ne Gebauer an, dafür könne man die Karnevalstage streichen.

Doch dies wurde vom Ministerium nicht verordnet. Drittens: „Wir fühlen uns als Elternschaft nicht richtig eingebunden“, so die Vorsitzendes der Landeselternkonferenz, Anke Staar. Der Pressesprecher der Lehrergewerkschaft GEW in NRW, Berthold Paschert, erklärt dagegen: „Wir sehen keinen Anlass, an den Regelungen für Rosenmontag zu rütteln.“ Es gebe langfristige Planungen. Angesichts der Anspannung der Lehrerschaft würde auch ein Feiertag zum Stressabbau guttun.

Kommentar

Ein echter Aufreger

Eigentlich könnte man den Lehrerinnen und Lehrern nach all dem Stress ja ein paar freie Tage gönnen. Sie haben sich allen Vorurteilen zum Trotz sehr flexibel gezeigt und mit oft unzureichenden technischen Voraussetzungen aus der Distanz ihren Klassen den Lernstoff vermittelt.

Doch die Profis hätten es kommen sehen müssen: Die Sache mit dem freien Rosenmontag an vielen Schulen ist ein echter Aufreger. Feingefühl, Planung und Kommunikation von Seiten des Schulministeriums? Einmal mehr Fehlanzeige. Yvonne Gebauer hatte ja angekündigt, die verlängerten Weihnachtsferien könnten durch einen Verzicht auf Karnevalstage ausgeglichen werden. Problem: Sie hat dies nicht rechtzeitig „verordnet“. Doch Krisenmanagement ist Chefsache: Es reicht nicht, die Verantwortung an die Schulkonferenzen weiterzugeben.

Nun ist der Imageschaden da: Bewegliche Feiertage direkt nach dem möglichen Ende der Distanzphase, die Schüler und Eltern an ihre Grenzen bringt? Das klingt nach dem Beharren auf liebgewonnenen Auszeiten mitten in einer Notlage. Denn jeder Tag Unterricht ist für junge Menschen, deren Zukunft auf dem Spiel steht, ein großer Gewinn – zu tun gibt es mehr als genug.

von Claudia Kramer-Santel

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