Kriminalität
Erneut Ermittlungen im Fall Amad A. eingestellt

Kleve (dpa/lnw) - Die Staatsanwaltschaft Kleve hat im Fall des unschuldig eingesperrten und nach einem Zellenbrand ums Leben gekommenen Syrers Amad A. weitere Ermittlungen eingestellt. Gegen einen Polizisten, dem Freiheitsberaubung vorgeworfen worden war, werde nicht mehr ermittelt, teilte die Behörde am Donnerstag mit.

Donnerstag, 04.02.2021, 15:27 Uhr aktualisiert: 04.02.2021, 15:42 Uhr
Eine Statue der Justitia mit verbundenen Augen am Eingang eines Gerichts.
Eine Statue der Justitia mit verbundenen Augen am Eingang eines Gerichts. Foto: Fabian Sommer

Der hellhäutige Syrer Amad A. war wegen eines Haftbefehls eingesperrt worden, mit dem nach dem Schwarzen Amedy G. aus Afrika gesucht worden war. Amad A. hatte wochenlang in Kleve unschuldig im Gefängnis gesessen und schließlich in seiner Zelle selbst Feuer gelegt. Dabei erlitt der 26-Jährige so schwere Verbrennungen, dass er im September 2018 in einer Klinik starb.

Eine Staatsanwältin aus Braunschweig soll drei Wochen nach der Verhaftung Amad A.s mit dem Polizisten in Kleve telefoniert und dabei festgestellt haben, dass dieser nicht mit dem Afrikaner identisch sei. Dennoch wurde Amad A. nicht freigelassen.

Nach Bekanntwerden des Vorgangs hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Polizisten eingeleitet. Der konkrete Inhalt des Gesprächs habe aber nicht sicher rekonstruiert werden können, so die Behörde am Donnerstag.

Zwar sei die Staatsanwältin zu dem Schluss gekommen, dass Amad A. mit Amedy G. nicht identisch sei. Dass dem Polizeibeamten dies aufgrund des Gespräches auch bewusst wurde, sei aber nicht klar. Daher könne dem Beamten auch nicht vorgeworfen werden, dass er die unrechtmäßige Inhaftierung in Kauf genommen habe.

Die Staatsanwaltschaft Kleve hatte auch geprüft, ob sich der Polizist im Untersuchungsausschuss des Landtags wegen Falschaussage strafbar gemacht hat, weil er bei seiner Zeugenaussage den Anruf aus Braunschweig nicht erwähnt hatte.

Auch in dieser Hinsicht wurden die Ermittlungen eingestellt: Die Aussage des Beamten im Ausschuss sei zwar unvollständig gewesen, dies müsse aber nicht vorsätzlich gewesen sein, sagte Oberstaatsanwalt Günter Neifer der dpa. Der Polizist hatte angegeben, sich an den Anruf nicht mehr erinnert zu haben.

Die Staatsanwältin hatte aber einen Vermerk zu ihrem Anruf angefertigt. Die Staatsanwaltschaft Kleve hatte in dem Fall bereits gegen mehrere andere Polizisten ermittelt, diese Ermittlungen aber bereits früher eingestellt.

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