Kirche
«Bild»: Kirche zeigte Missbrauch erst nach vier Jahren an

Köln (dpa) - Das Erzbistum Köln hat einen des Kindesmissbrauchs verdächtigen Priester nach einem Bericht der «Bild»-Zeitung erst mit vierjähriger Verzögerung bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Der mittlerweile gestorbene Priester Josef M. gestand demnach 2014 der Personalabteilung des Erzbistums, dass er 1971, 1972, 1974, 1977 bis 1980 und 1996 Kinder und Jugendliche beiderlei Geschlechts missbraucht habe. 2017 habe er die Verbrechen der Personalabteilung erneut gestanden, berichtete die Zeitung am Dienstag. Doch erst 2018 habe ein Rechtsanwalt aus dem Beraterstab von Kardinal Rainer Maria Woelki Strafanzeige gegen M. erstattet. Das Erzbistum Köln beriet sich am Dienstag zunächst noch hinsichtlich einer Stellungnahme zu dem Bericht.

Dienstag, 09.02.2021, 16:55 Uhr aktualisiert: 09.02.2021, 17:02 Uhr

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Düsseldorf bestätigte am Dienstag, dass das Erzbistum in dem Fall eine Strafanzeige gemacht habe. Die Taten, um die es gegangen sei, hätten sich mutmaßlich zwischen 1982 und 1988 abgespielt und seien damit schon 1993 verjährt. Der Tatverdächtige wurde deshalb nicht verfolgt.

Nach Informationen von «Bild» beteiligte sich der Priester lediglich mit 5500 Euro an Therapie- und Entschädigungskosten. In seiner Personalakte habe das Erzbistum vermerkt: «Pfarrer M. ist über den Brief des Erzbischofs sehr erleichtert.» Schon 2002 sei das Erzbistum zum ersten Mal auf ihn aufmerksam geworden, doch sei er damals von Woelkis Vorgänger Joachim Meisner nur verwarnt worden. Pfarrer M. starb dem Bericht zufolge im Januar mit 77 Jahren in seiner Wohnung in Wuppertal. Nach «Bild»-Informationen ist sein Fall einer von 15 Fällen, die in dem von Woelki unter Verschluss gehaltenen Gutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl aufgeführt werden.

In diesem Gutachten wird der Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen Priester untersucht. Woelki betrachtet das Gutachten als mangelhaft und nicht rechtssicher. Er hat eine neue Untersuchung in Auftrag gegeben.

© dpa-infocom, dpa:210209-99-368817/3

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