Brauchtum
Umsatz vom Kostümhersteller Deiters bricht um 90 Prozent ein

Ob Pappnase, Perücke oder Zirkusclown-Kostüm: Für den rheinischen Händler Deiters ist Karneval ein großes Geschäft. Entsprechend groß sind die finanziellen Löcher in der Corona-Krise.

Mittwoch, 10.02.2021, 06:19 Uhr aktualisiert: 10.02.2021, 06:32 Uhr
Herbert Geiss, Inhaber von Deiters, in der Zentrale seiner Firma.
Herbert Geiss, Inhaber von Deiters, in der Zentrale seiner Firma. Foto: Rolf Vennenbernd

Frechen (dpa/lnw) - Weil die Karnevalsfeiern wegen der Corona-Pandemie ausfallen, hat der Kostümhersteller Deiters heftige Einbußen hinnehmen müssen. In dem im April begonnenen Geschäftsjahr sei der Umsatz bis Ende Januar um etwa 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen, sagte Firmenchef Herbert Geiss der Deutschen Presse-Agentur. Eine absolute Zahl nannte er nicht. Die Firma mit Sitz in Frechen bei Köln hat 31 Läden, vor allem in NRW. Deiters hat nach eigenen Angaben 280 festangestellte Mitarbeiter, von denen die allermeisten in Kurzarbeit sind. Normalerweise beschäftigt Deiters etwa 400 Saisonkräfte, dieses Jahr sind es null.

Der Firmenchef ist beunruhigt. «Wirtschaftlich gesehen ist das für uns eine Katastrophe, alle 31 Standorte sind geschlossen», so Geiss. Eigentlich wollte er im vergangenen Jahr zwischen fünf und zehn weitere Läden aufmachen, doch wegen Corona trat er auf die Bremse.

Auch das Online-Geschäft laufe auf Sparflamme - hier gebe es ein Umsatzminus von etwa 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Internetgeschäft machte vor Corona nur einen Anteil von acht Prozent am Deiters-Umsatz aus. «Es gibt keinen Anlass, sich zu verkleiden - also ist auch die Online-Nachfrage gering.» Wie andere Unternehmen auch hat Deiters staatliche Hilfen bekommen, die nach den Worten von Geiss aber nur «ein Tropfen auf den heißen Stein» waren.

Karneval ist enorm wichtig für Deiters, 70 Prozent seines Geschäfts entfällt auf Verkleidung für die närrische Session vom 11.11. bis Aschermittwoch. Andere Verkleidungsanlässe wie Halloween oder Mottopartys sind zwar ebenfalls wichtig für die Firma, die auch Läden fernab der Karnevalshochburgen im Rheinland hat - etwa in Stuttgart, Berlin oder Frankfurt. Dennoch macht dieses Geschäft nicht mal ein Drittel des Deiters-Jahresumsatzes aus.

Die Deiters-Läden machten im März zu und im Spätsommer wieder auf. Im September und Oktober lagen die Erlöse den Angaben zufolge je nach Geschäft bei bis zu 50 Prozent des Vorjahreszeitraums. Als im November erste Einschränkungen kamen («Lockdown light»), war die Nachfrage entsprechend schwach. Seit Mitte Dezember sind die Läden - wie andere Einzelhändler auch - wegen des Lockdowns geschlossen. Geiss setzt darauf, dass die Menschen den 11.11.2021 wieder feiern können und Deiters-Kostüme kaufen - möglicherweise wäre das aber erst am finalen Karnevalswochenende Ende Februar 2022 der Fall.

«Wir hoffen darauf, dass die Impfstoffe auch uns Unternehmer in normales Fahrwasser zurückbringen.» Finanziell sei die Situation auch für ihn angespannt. «Es ist wie bei einem Hochleistungssportler: Der kann länger laufen als sonst üblich, aber irgendwann geht auch ihm die Luft aus», sagt der 38-Jährige. «Wir tun alles, damit wir durch die Krise durchkommen.»

Hat die Corona-Zeit inklusive Kontaktbeschränkungen und Distanz zu anderen Menschen dem Geschäftsmodell Karneval möglicherweise auch langfristig einen Knacks gegeben? Geiss schüttelt den Kopf. «Die Menschen wollen zusammen feiern, sie wollen gemeinsam fröhlich sein - dementsprechend wird die Nachfrage wieder da sein, wenn Corona überstanden ist.»

Das seit Jahren expandierende Familienunternehmen wollte in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum feiern. «Nach Feiern ist mir derzeit aber nicht zumute», sagt Geiss. Deiters ist der größte deutsche Händler von Karnevalskostümen, zu den Konkurrenten gehört Karnevalswierts mit Sitz im niederländischen Heerlen.

© dpa-infocom, dpa:210210-99-374647/3

Nachrichten-Ticker