Gesundheit
Distanzunterricht in Warendorf: Mit Papa auf der Schulbank

Warendorf (dpa/lnw) - Der Tornister steht direkt nebenan, Papa Jens sitzt mit Computer am Tisch und Lotta (9) teilt sich im Wohnzimmer bei Familie Bergmann in Warendorf im Münsterland mit ihrer Schwester die Sitzbank. Nach den Osterferien ist der Schulbetrieb in vielen Familien in Nordrhein-Westfalen mit dem Distanzunterricht wieder angelaufen. Karla (7) brütet - den Kopf auf ihre Hand aufgestützt - über ihren Aufgaben. Nach über einem Jahr hat sich laut Mutter Stefanie bereits Routine eingestellt im Nebeneinander von Arbeiten und Lernen, wie sie der Deutschen Presse-Agentur sagt. Die 42-Jährige arbeitet wie ihr Mann in der IT-Branche. «Nach der Pandemie wird nichts mehr sein wie vorher», sagte Stefanie Bergmann (41). In Zukunft werde es nur noch 10 Arbeitsplätze im Büro für 15 Kollegen geben.

Montag, 12.04.2021, 15:18 Uhr aktualisiert: 12.04.2021, 15:32 Uhr

Obwohl sie auf dem Land lebten, habe die Familie einen Glasfaseranschluss. Da funktioniere das mit dem Internet ganz gut. «Aber wir sind halt keine Pädagogen», sagt Jens Bergmann. Selbständiges Lernen, Kampf gegen die Langweile, wenn alle Aufgaben erledigt sind - «mit einem Auge bist Du neben dem Job immer bei den Kindern», sagt Bergmann. «Und sie glauben ja nicht, wie laut eine Legokisten sein kann, wenn sie mit den Kollegen in einer Konferenz sind.» Etwas umgebaut haben sie. Wo früher der Übergang zwischen Wohnzimmer und Küche fließend war, trennt jetzt eine Wand. Mutter Stefanie hat einen kleinen geschützten Bereich für ihren Computer.

Wie gut es mit dem Unterricht zuhause laufe, hänge viel vom Engagement der Lehrer ab, sagen die Eltern übereinstimmend. Da gebe es schon große Unterschiede. Aber das Liefern der Lernpakete, die Video-Meetings mit dem Lehrer, das alles habe sich schon eingespielt. Den Kindern fehle schlicht der Kontakt zu den Mitschülern, das Soziale bleibe auf der Strecke.

Die größte Herausforderung? Neben der Arbeit und der Begleitung ihrer Kinder müsse am Mittag jetzt an fünf Tagen in der Woche pünktlich das Mittagessen auf dem Tisch stehen. Am Nachmittag kommt Justus (4) aus der Kita zurück nach Hause.

Jens Bergmann fehlt die sogenannte dritte Zeit des Tages. Was früher der Weg zur Arbeit war, das Abschalten im Kopf, diese Auszeit falle heute komplett weg. «Und die Abgrenzung, was ist privat, was ist Arbeit?», das sei schon schwer, sagt seine Frau.

© dpa-infocom, dpa:210412-99-174909/2

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