Kommunen
Laschet: In NRW wenige Frauen in kommunalen Spitzenämtern

Auf den 31 Landratschefsesseln in NRW sitzt eine Frau. «Zu wenig», räumt auch CDU-Landeschef Laschet ein. Gleichstellungsministerin Scharrenbach meint zu wissen, woran das liegt. Frauen fragten immer: «Kann ich das?». Für Männer sei hingegen meist klar: «Ja, ich mach'.»

Donnerstag, 10.09.2020, 13:52 Uhr aktualisiert: 10.09.2020, 14:02 Uhr
Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.
Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Foto: Andreas Krebs

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Beteiligung von Frauen an kommunalen Machtpositionen ist in Nordrhein-Westfalen laut Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) «besonders schlecht». Unter allen 54 kommunalen Spitzenbeamten in NRW gebe es parteiübergreifend nur die Kölner Oberbürgermeisterin (OB) Henriette Reker (parteilos) und die einzige Frau unter 31 Landräten, die erneut kandidierende Soester Landrätin Eva Irrgang, stellte der CDU-Landeschef am Donnerstag in Düsseldorf fest. Derzeit halte die CDU in NRW 6740 kommunale Mandate - davon seien rund 21 Prozent Frauen. «Das ist zu wenig.»

Bei der NRW-Kommunalwahl am Sonntag, zu der rund 14 Millionen Bürger aufgerufen sind, bestehe die Chance, das Missverhältnis zumindest etwas auszugleichen. Die CDU unterstütze Reker in Köln und ziehe darüber hinaus mit OB-Kandidatinnen in Krefeld und Remscheid in den Wahlkampf. Neben Irrgang wollen zudem CDU-Politikerinnen in Minden-Lübbecke, Kleve und Herford Landrätinnen werden.

Irrgang, die sich schon seit 13 Jahren als Landrätin in Soest behauptet, ermunterte andere Frauen, sich ebenfalls ein politisches Spitzenamt zuzutrauen. «Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, das ich gerne los würde», sagte sie über ihre Ausnahmeposition.

Die nordrhein-westfälische Gleichstellungsministerin und Vorsitzende der Frauen Union, Ina Scharrenbach, kennt aus Erfahrung Gründe, warum sie Geschlechtsgenossinnen eher selten in Spitzenpositionen trifft. «Die Frage, die Frauen immer stellen, ist: Kann ich das?», berichtete die 43-Jährige. «So 'ne Frage kriegen Sie von Männern eher nicht. Die sagen: Ja, ich mach'. Und da müssen wir die Frauen noch hinbekommen.»

Auch auf Bundesebene müsse das Thema vorangetrieben werden, unterstrich Laschet, der sich um den CDU-Bundesvorsitz bewirbt. Er unterstütze das Kompromiss-Papier der Parteispitze, wonach bis 2025, beginnend bei Vorstandswahlen auf Kreisebene, schrittweise eine Frauenquote bis 50 Prozent eingeführt werden soll. Der Vorschlag umfasse auch eine 50-Prozent-Quote für die ersten zehn Listenplätze bei Landtags-, Bundestags- und Europa-Wahlen. Das habe die NRW-CDU schon bei der Landtagswahl 2017 umgesetzt.

«Wir wollen drei Jahre nach der Landtagswahl zeigen, dass wir mit Abstand die stärkste Kraft in Nordrhein-Westfalen sind», unterstrich Laschet. Zu den besonderen Zielen gehöre unter anderem, den OB-Posten in der Landeshauptstadt Düsseldorf für die CDU zurückzuerobern und weiterhin den Oberbürgermeister in Deutschlands neuntgrößter Stadt Essen zu stellen.

Als Rückenwind für seine Kandidatur als CDU-Bundesvorsitzender möchte Laschet die Kommunalwahl im bevölkerungsreichsten Bundesland im Falle eines guten CDU-Ergebnisses nicht verstanden wissen. «Das glaube ich nicht», entgegnete er auf entsprechende Fragen. «Die Richtungsfrage wird im Dezember beantwortet», sagte er mit Blick auf den Bundesparteitag.

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