Osterwicker protestieren gegen geplante Unterbringung osteuropäischer Schlachthof-Arbeiter
Angst vor gefährlicher Eigendynamik

Osterwick. Sie sind wütend, aufgeregt, nachdenklich, die protestierenden Bürger. Vor dem Hotel zur Post stehen sie, wo bald mehr als 50 osteuropäische Schlachthof-Mitarbeiter leben sollen. „Das besorgt uns einfach total“, bringt Ralf Hambrügge aus der betroffenen Nachbarschaft die Stimmung auf den Punkt. Pfarrer Dirk Holtmann hat ein kleines Mädchen aus dem benachbarten Kindergarten an der Hand und befürchtet eine gefährliche „Eigendynamik“, die sich bei der Unterbringung so vieler junger Männer entwickeln könnte, wobei die Zahl 150 die Runde macht.

Dienstag, 09.10.2012, 18:46 Uhr

Die Leiterin des benachbarten Kindergartens stimmt ihm zu und sieht das Wohl ihrer Schützlinge in Gefahr: „Sie werden den Weg hier entlang scheuen. Wer wird denn künftig noch ein Haus in Osterwick kaufen?“ Die Gefahr einer solchen „Eigendynamik“ befürchtet auch Nachbarsprecher Hambrügge, der darüber hinaus Angst um „die dörfliche Gemeinschaft“ hat. „Die Arbeitskräfte werden in menschenunwürdigen Verhältnissen untergebracht und sind nicht integrationsfähig.“ Zumal einige Osterwicker damit rechnen, dass mehr als drei Arbeiter in einem Raum untergebracht werden. „Sondern vier bis fünf“, vermutet Ralf Hambrügge. Das alleine berge schon unabhängig von der Nationalität genügend Konfliktpotenzial. Eine Integration in das Dorfleben sei unmöglich, weil die Arbeiter nach einiger Zeit zurück in ihre Heimat gehen.

„Früh- und Spätschicht müssen in einem Bett schlafen. Da wird die Matratze vorm Schlafengehen einfach nur gedreht“, malt ein Osterwicker Geschäftsmann ein Horrorszenario an die Wand. „So ein System dürfen wir doch nicht noch unterstützen.“

CDU-Sprecher Ralf Steindorf kritisiert vor dem Hintergrund der angeblich schon Freitag geplanten Unterzeichnung den Zeitdruck, „der nicht von ungefähr kommt“. Er ruft zu einem erneuten Protest an diesem Tag um 16 Uhr an der Stelle auf und sagt: „Wir müssen über Alternativen sprechen, wo eine menschenwürdige Unterbringung dezentral möglich ist.“

Stellvertretende Bürgermeisterin Clara Everding hat derweil eine Bürgerversammlung organisiert, zu der auch Betreiber Daniel Kox eingeladen ist. Diese findet morgen um 18 Uhr im Rathaussaal statt. Derzeit hat Daniel Kox noch nicht entschieden, ob er dieser Veranstaltung beiwohnt.

„Traurig ist, dass das Hotel im Ortskern zu solch einer Herberge umfunktioniert werden soll,“ zeigt sich Clara Everding enttäuscht während der gestrigen Versammlung.

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