Ostsiedlung steht unter Wasser / Lkw voller Sandsäcke für den Hegerort / 84 Liter Regen pro Quadratmeter
Ausnahmezustand in Holtwick

Rosendahl. Beim Blick in seinen restlos überfluteten garten muss Christoph Vogt tief in seinen Erinnerungen graben. „Es muss Anfang der 70er Jahre gewesen sein, als es hier zuletzt so viel Wasser gegeben hat“, vermutet er. „Ich war jedenfalls noch in der Grundschule.“ Am Freitagmorgen stockte ihm beim Blick aus dem Fenster der Atem – und so erging es vielen Holtwickern vor allem in der Ostsiedlung: Die Unwetter in der Nacht hatten so viel Regenwasser in die Gärten und Keller laufen lassen, dass Kreisbrandmeister Christoph Nolte den Ausnahmezustand für den Ort ausrief. Rund 100 Kräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk waren am Vormittag damit beschäftigt, der Wassermassen Herr zu werden. Ganz böse traf es ein Haus am Spielberg in Darfeld, das nach einem Blitzeinschlag vorerst unbewohnbar geworden ist.

Freitag, 24.06.2016, 19:27 Uhr

Ostsiedlung steht unter Wasser / Lkw voller Sandsäcke für den Hegerort / 84 Liter Regen pro Quadratmeter : Ausnahmezustand in Holtwick
In der Bauerschaft Hegerort war dieses Haus am Freitagmittag völlig von den Wassermassen eingeschlossen und nur noch mit schwerem Gerät erreichbar. Foto: az

Gegen 23 Uhr setzte das erste heftige Gewitter ein, das die Holtwicker Kameraden zu den ersten Einsätzen zwang. „Bis 2 Uhr waren wir schon an 20 Stellen, um Keller auszupumpen oder umgestürzte Bäume zu beseitigen“, erklärte Löschzugführer Christoph Lembeck. Nach etwa zwei Stunden Ruhe sei es ab 4 Uhr erneut losgegangen – und das in einer Ausprägung, wie Holtwick sie wohl seit Jahrzehnten nicht erlebt hat. „Ältere Holtwicker haben heute morgen erzählt, dass es 1961 zuletzt solche Überschwemmungen gegeben habe“, berichtete Bürgermeister Christoph Gottheil, der sich mit Fachbereichsleiter Wolfgang Croner und Dipl.-Ing. Christoph Wübbelt selbst ein Bild vor Ort machte. „Hier sind aus kleinen Bächen schon fast reißende Flüsse geworden.“ 84 Liter pro Quadratmeter seien in der Nacht an der Kläranlage Holtwick gemessen worden – „das kann keine Kanalisation schaffen“, betonte Christoph Nolte.

Schnell habe sich am frühen Morgen abgezeichnet, das Rosendahl im Kreisgebiet der Schwerpunkt des Unwetters gewesen sei, erläuterte der Kreisbrandmeister. „Deshalb haben wir um kurz vor sechs den Ausnahmezustand ausgerufen.“ Sprich: Verfügbare Einsatzkräfte aus Orten wie Billerbeck, Dülmen, Havixbeck und Olfen, die noch so schlimm betroffen gewesen seien, wurde nach Holtwick beordert, wo am Gerätehaus eine Einsatzzentrale eingerichtet wurde. „Auch Führungskräfte der Feuerwehren im Kreis haben wir hier zusammengezogen, um die Einsätze zu koordinieren“, so Nolte. Schwerpunkte des Hochwassers waren die Straßen Am Holtkebach, die Gustav-Böcker-Straße, der Eichengrund und vor allem die Ostsiedlung, wo hinter der nördlichen Bebauung ansteigende Felder liegen. „Dazwischen befindet sich zwar ein kleiner Bach“, erklärte der Rosendahler Wehrführer Herbert Wolter. „Aber diese Wassermassen waren zu groß.“

Am Mittag konzentrierten sich die Hilfsmaßnahmen dann auf den Hegerort, wo ein Haus vollkommen vom anströmenden Wasser eingeschlossen war. „Wir packen am Bauhof mit etlichen Kameraden Sandsäcke und versuchen, noch Schlimmeres zu verhindern“, teilte Herbert Wolter mit. Mit einem Lkw der Feuerwehr Dülmen wurden die Säcke dann in den Hegerort transportiert, wo ein Bach mittlerweile auf rund 100 Meter Breite angeschwollen war.

So wie es die Bewohner dort mit einigen Stunden Verzögerung erleben mussten, hatte es sich am frühen Morgen auch an der Schlesierstraße abgespielt. Nahezu ungebremst schoss das Wasser von den Äckern in die Gärten der Häuser und in die Keller, die vereinzelt fast bis zur Decke vollgelaufen waren. „Man ist völlig hilflos, wenn es kommt“, schüttelte Christoph Vogt den Kopf. „Dass der Bach mal voller läuft, das kommt vor, aber so etwas ist unglaublich.“

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