Rosendahl
Per Anhalter mobil durch Rosendahl

Rosendahl. Es ist ein sonniger Nachmittag, 14 Uhr. Wer sich auf eine der Mitfahrerbänke setzt, der signalisiert den Autofahrern: Ich möchte in einen anderen Ortsteil mitgenommen werden. Die Bank in Osterwick ist gut sichtbar. Dementsprechend hoffe ich, möglichst schnell nach Holtwick zu kommen. Ich bin optimistisch, dass mich jemand einsteigen lässt. Viele Autofahrer schauen mich an, werden auch langsamer, wollen aber leider nur hinter der Mitfahrerbank in die nächste Straße abbiegen. So vergehen die ersten 20 Minuten – ohne Erfolg. „Es ist bestimmt nicht nur für mich komisch, wenn ich in ein fremdes Auto einsteige“, rede ich mir ein. Immerhin muss ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis zwischen Pendler und Autofahrer vorhanden sein, damit das Projekt aufgeht. Funktioniert das wirklich? 25 Minuten – und es ist nichts passiert. Viele Autofahrer schauen herüber – fahren jedoch alle vorbei. Doch plötzlich nähert sich ein weiteres Auto, die Fahrerin lässt das Fenster herunter und wirft mir freundlich zu: „Hey, willst du mitfahren?“

Samstag, 20.10.2018, 11:32 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 19.10.2018, 17:28 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 20.10.2018, 11:32 Uhr
Rosendahl: Per Anhalter mobil durch Rosendahl
Wer sich auf eine der Mitfahrerbänke setzt, signalisiert den Autofahrern: Ich möchte in einen anderen Ortsteil mitgenommen werden. Foto: az

Die Ziele des Projektes der Mitfahrerbank sind neben der geförderten Mobilität die bessere Vernetzung der Rosendahler Ortsteile und das Stärken der gegenseitigen Hilfsbereitschaft – so die Idee der Bürgerstiftung Rosendahl, die das Projekt mit Unterstützung der Gemeinde umgesetzt hat.

„Ich komme von der Arbeit und muss sowieso nach Holtwick, da kann ich dich auch mitnehmen“, erklärt die Autofahrerin ihre Hilfsbereitschaft. Zuvor habe sie noch nie jemanden von der Mitfahrerbank mitgenommen. „Ich habe aber bisher auch noch niemanden auf einer der Bänke sitzen gesehen“, gibt sie zu. „Ansonsten würde ich jederzeit Anhalter mitnehmen.“ Natürlich müsse das Projekt von den Menschen angenommen werden und ein bisschen Vertrauen müsse auch dabei sein. Ihr Fazit zu den Mitfahrerbänken fällt aber grundsätzlich positiv aus: „Gerade für ältere Menschen oder Jugendliche ist das Projekt hilfreich. In anderen Städten gibt es ja zum Beispiel Bürgerbusse.“

Nach fünf Minuten sind wir in Holtwick angekommen. Mal schauen, wie lange ich dieses Mal warten muss, um wieder zurück nach Osterwick zu kommen. Ich stelle mich darauf ein, dass es schon 20 Minuten dauern könnte, bis ein Autofahrer anhält. Außerdem ist es nicht so einfach, an der Bank „Am Holtkebach“ zu halten, ohne den kompletten Verkehr aufzuhalten. Doch kaum habe ich mich hingesetzt, hält schon das erste Auto an. Mit einem Lächeln winkt mich der Holtwicker Pastor Hans Schmeinck in sein Auto. „Ich bin auf dem Weg zu einem Termin nach Darfeld, ich kann dich in Osterwick aussteigen lassen“, sagt er. Gesagt, getan. „Ich habe schon oft Menschen mitgenommen, auch schon bevor es die Mitfahrerbänke gab“, erklärt er. „Deswegen denke ich, dass die Idee sehr gut ist.“ Die Busverbindungen seien nämlich innerhalb Rosendahls nicht optimal. „In meinen jüngeren Jahren bin ich selbst per Anhalter durch ganz Europa gereist“, erzählt Schmeinck, während wir in Richtung Osterwick fahren. Dementsprechend sei er Feuer und Flamme für die Mitfahrerbänke.

Abschließend fällt das Fazit über die Mitfahrgelegenheiten positiv aus. Natürlich ist es etwas unangenehm, sich in ein fremdes Auto zu setzen, dennoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Fahrer freundlich und vertrauensvoll waren. Für den Erfolg des Projektes ist Vertrauen definitiv die Grundlage. Ich war außerdem überrascht, dass ich insgesamt lediglich 30 Minuten warten musste. Vor dem Test hatte ich mit deutlich längerer Wartezeit gerechnet, um mitgenommen zu werden.

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