Rosendahl
Wildwechsel hat ganzjährig Saison

Rosendahl. „Achtung Lebensgefahr“ steht auf großen Tafeln auf einem Teilstück der Bundesstraße zwischen Coesfeld und Holtwick. Daneben stehen Verkehrsschilder, die auf Wildwechsel hinweisen. Die B 474 führt dort mitten durch ein Waldgebiet.

Freitag, 18.01.2019, 11:49 Uhr aktualisiert: 18.01.2019, 11:52 Uhr
Rosendahl: Wildwechsel hat ganzjährig Saison
Auf der Landesstraße 555 zwischen Osterwick und Coesfeld weist in Höhe der Bauerschaft Varlar ein Gefahrzeichen „Wildwechsel“ die Autofahrer darauf hin, dass sie in diesem Bereich besonders mit Tieren rechnen müssen, die die Fahrbahn überqueren. Foto: Manuela Reher

Tatsächlich haben sich dort schon viele Unfälle mit Hochwild ereignet, teilt Rolf Werenbeck-Ueding, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Coesfeld, mit. Aber er betont auch ausdrücklich, dass nicht nur Vorsicht geboten ist auf Teilstrecken, an denen entsprechende Verkehrsschilder aufgestellt sind. Denn auch auf anderen Straßen, die durch ein Waldgebiet oder an einem Forst vorbeiführen, könne Gefahr für die Autofahrer lauern.

Erst am vergangenen Mittwoch hat es auffällig viele Wildunfälle im gesamten Kreisgebiet gegeben. Zehn davon sind der Polizei mitgeteilt worden. Unter anderem hat sich gegen 18 Uhr ein solcher Unfall auf der Landesstraße 555 in Varlar in Osterwick ereignet.

Die Unfälle mit Wild werden seit drei Jahren nicht mehr in der Bundesunfallstatistik erfasst. Dennoch führt die Kreispolizeibehörde eine eigene Statistik. Danach gibt es im Kreisgebiet jährlich 1200 bis 1300 Wildunfälle. Das sind drei bis vier Unfälle solcher Art pro Tag. Darunter fallen nicht nur Kollisionen mit Hasen oder Fasanen, sondern auch mit Rehen und Hirschen. „Im Südkreis überqueren auch Wildschweine die Straßen, die so manches Mal mit einem Auto kollidieren“, berichtet Werenbeck-Ueding.

Auf dem Teilstück der B 474 zwischen Coesfeld und Holtwick hat es bereits mehrere Unfälle mit Hirschen gegeben. „Der Verkehrsweg ist dem Wild schließlich egal.“

Das bestätigt auch Guido Schürhoff, Berufsjäger bei der Fürstlichen Verwaltung Salm-Horstmar. Zurzeit sei zwar keine Brunft – Paarungszeit –, in der das Wild vermehrt unterwegs sei, aber der abendliche Berufsverkehr falle in die Zugzeit des Wildes. „Die Tiere wollen abends von ihrem Tageseinstand zu ihren Äsungflächen kommen“, erläutert der Fachmann. Dort würden sie Nahrung finden. Gerade im Winter werde es früher dunkel, so dass sich die Autofahrer und das Wild dann schneller in die Quere kommen könnten.

Manchmal sei es auch möglich, dass das Wild durch nicht angeleinte Hunde erschreckt werde und deshalb in Bewegung komme. „Dann herrscht Unruhe im Revier“, weiß Guido Schürhoff.

Selbst wenn der Autofahrer rechtzeitig entdecken würde, dass im nächsten Moment ein Tier die Fahrbahn vor ihm kreuzt, solle dieser damit rechnen, dass weitere Tiere folgen könnten. „Es gibt Rudel mit bis zu 20 Tieren“, sagt der Berufsjäger.

Um den 1. August herum sei die Brunft des Rehwildes; im Oktober sei die Paarungszeit des Damwildes. Dass die Autofahrer nicht nur in diesen Zeiträumen besonders vorsichtig sein müssen, sei auf jeden Fall ein Trugschluss. Denn Wildwechsel, der den Straßenverkehr beeinträchtige, sei an jedem Tag des Jahres möglich.

Die Polizei müsse bei einem Wildunfall laut Landesjagdgesetz in jedem Fall gerufen werden, betont Guido Schürhoff. Meistens würde dann der Jagdpächter informiert, der oft dafür sorge, dass das Wild auf seine eigenen Kosten von der Fahrbahn entfernt und entsorgt wird. Laut Landesjagdgesetz sei der Fahrzeugzeugführer, der Schalenwild verletzt oder getötet hat, verpflichtet, dies unverzüglich bei einer Polizeidienststelle anzuzeigen. Für jeden Jagdbezirk haben die Jagdausübungsberechtigten der zuständigen Polizeidienststelle mindestens eine zur Jagd befugte Person zu benennen. Für Schäden bei einem Wildunfall komme der Jagdpächter im übrigen nicht auf, wie etliche Autofahrer meinen würden.

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