Rosendahl
Auf dem Weg in Beschäftigung begleiten

Rosendahl. Axel Reimers ist seit Januar 2018 im Rahmen eines Leader-Projektes im Einsatz als Jobcoach für Flüchtlinge. Das Ziel: Flüchtlinge auf dem Weg in den Arbeitsmarkt zu begleiten. Im Interview zieht er eine Bilanz.

Freitag, 01.02.2019, 17:33 Uhr aktualisiert: 02.02.2019, 12:08 Uhr
Rosendahl: Auf dem Weg in Beschäftigung begleiten
Jobcoach Axel Reimers im Beratungsgespräch mit Haifa Hammer. Foto: az

Seit einem Jahr läuft das Projekt Jobcoach für Flüchtlinge in Rosendahl und Nottuln. Was ist Ihre Aufgabe?

Reimers: Ich helfe Flüchtlingen in Rosendahl und Nottuln, eine Arbeits- oder Praktikumsstelle zu finden. Als erstes ermittele ich dafür die Qualifikationen, Kenntnisse und die Wünsche des Klienten und finde einen passenden Arbeitgeber, teils mit Hilfe der Agentur für Arbeit, teils über Direktansprache. Ich nehme zum potenziellen Arbeitgeber Kontakt auf und lote aus, ob grundsätzliches Interesse besteht. Falls ja, arrangiere ich ein gemeinsames Gespräch mit dem Klienten, dem potenziellen Arbeitgeber und mir als Jobcoach. Spätestens dann klärt sich, ob der Klient zunächst als Praktikant startet oder sogar ein Arbeitsvertrag zustande kommt. Neben der reinen Vermittlung leiste ich aber auch Hilfe bei ganz elementaren Dingen, zum Beispiel bei der Wohnungssuche, oder versorge die Klienten mit Sicherheitskleidung oder einem Fahrrad, damit sie überhaupt zu ihrer Stelle kommen können und vieles mehr. Diese Dinge passieren im Hintergrund. Bei allem unentbehrlich ist die Zusammenarbeit mit den Kollegen im Rosendahler Rathaus. Allen voran hilft meine Kollegin Haifa Hammer, die selbst aus Syrien stammt, dabei, Sprachbarrieren zu überwinden.

Ein Praktikum ist oft der erste und wichtigste Schritt in das Arbeitsleben für Flüchtlinge. Was müssen diejenigen mitbringen, die Sie in Ihren Vermittlungspool für Praktika aufnehmen?

Reimers: Zuallererst müssen die rechtlichen Voraussetzungen für ein Praktikum erfüllt sein, dabei müssen wir schon genau hinschauen, wie realistisch die Vorstellungen des jeweiligen Klienten sind. Die Sprachprobleme sind vielfach zu groß. Einige Klienten stellen sich eine Ausbildung vor, aber vielen ist es nicht klar, dass wir in Deutschland ein duales Berufsschulsystem haben. Viele kämen aufgrund mangelnder Deutsch-Kenntnisse nicht in der Schule klar. Also ist es unsere Aufgabe, an dieser Stelle anzusetzen und Alternativen zu finden.

Wie kommt Ihr Angebot grundsätzlich an?

Reimers: Die Betriebe nehmen das Angebot grundsätzlich positiv an. Natürlich ist die angespannte Arbeitsmarktsituation dabei bestimmt hilfreich. Abhängig von den Vorerfahrungen mancher Betriebe kommt es zuweilen auch zu negativen Antworten.

Wie ist Ihre Bilanz nach einem Jahr?

Reimers: Alles in allem haben wir schon eine Menge bewegt, meine ich. Bis dato haben wir fünf Klienten in ein festes Beschäftigungsverhältnis gebracht. Ein erster Schritt in den ersten Arbeitsmarkt kann auch über eine Zeitarbeitsfirma sein. Es brauchte auch etwas Zeit, das Angebot bei Arbeitgebern weiter bekannt zu machen. Inzwischen sind aber viele ansässige Firmen regelmäßig im Gespräch, die sich um die Flüchtlinge bemühen.

Gehen Sie auch in die Betriebe, um im Arbeitsalltag zu unterstützen? Was sind das für Fragen, die Ihnen da begegnen?

Reimers: Es gibt selbstverständlich immer wieder Probleme aufgrund kultureller Unterschiede. Dann stehe ich als Mediator zur Seite und versuche, beide Seiten zu hören und das Problem gemeinsam mit allen Beteiligten zu beheben. Gerade in der Einarbeitungsphase unterstütze ich die Klienten besonders engmaschig und führe Reflektionsgespräche. Danach wird es etwas lockerer, dennoch bleibt ein enger persönlicher Kontakt. Zentrale Fragen sind: Wie können die Sprachkenntnisse verbessert werden? Oder sie bitten um Hilfe in Sachen Führerschein.

Wie kann ein Betrieb im Leader-Projekt „Jobcoach für Flüchtlinge“ mitmachen?

Reimers: Einfach anrufen oder per Mail Kontakt aufnehmen.

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