Rosendahl
Am „Wittensundag“ fallen die Masken

Darfeld. So gesittet auch alles beginnt, mit zunehmender Dauer läuft das Fest aus dem Ruder. Und das ist gewiss nicht überspitzt dargestellt, sondern das „ganz normale“ Leben. „Wenn sich heute einer besäuft, dann lasse ich alles liegen und stehen und gehe“, kündigt Mutter Hedwig an. „Das gehört sich nicht an Wittensundag.“ Eine Drohung, mehr ein frommer Wunsch, denn die liebe Verwandtschaft lässt schon früh nach und nach die Masken fallen. Eine Erstkommunionfeier, wie sie sich niemand wünscht und doch so mancher schon zumindest in Teilen erlebt hat – ebenso schonungslos wie unterhaltsam gezeigt von der Spielschar Darfeld.

Sonntag, 17.03.2019, 16:45 Uhr aktualisiert: 17.03.2019, 19:10 Uhr
Rosendahl: Am „Wittensundag“ fallen die Masken
Neumodisches Zeugs: Oma Anna staunt über Maries Radiowecker – gespielt von Mutter und Tochter Martina und Maren Garwers. Foto: az

Ungewöhnlich, dafür stehen die Akteure um Heinz Schwering. Und der Regisseur bringt auch diesmal mit „Wittensundag“ wieder ein Stück auf die Bühne, das von den Darstellern alles fordert. Denn sie sind nahezu durchgängig präsent, alles spielt sich an der üppigen Tafel ab. „Dafür haben wir sehr viel geprobt“, erzählt er. Die Einsätze müssen punktgenau stimmen – und das klappt dank eines starken Ensembles und einer Inszenierung, die 4-D-Theater bietet, weil in der Tat alle Sinne angesprochen werden: Wenn kräftig aufgetischt wird, von Zwiebelsuppe über Gemüse zu Rehrücken und Schnitzel, von Kaffee und Kuchen zu Würstchen und Schnittchen, dann wabert der Geruch durch den Saal und der Zuschauer fühlt sich erst recht mittendrin.

Und er bekommt den Spiegel vorgehalten, denn das, was sich rund um Kommunionkind Marie abspielt, mögen viele schon selbst erlebt haben. „Genau darum geht es“, erklärt Heinz Schwering, der nie zuvor so viel Herzblut in ein Stück gelegt hat. Denn eine Vorlage hat er komplett „entkernt“ und neu aufgebaut – inklusive viel eigener, hervorragend beobachteter Erfahrung. „Sozialkritik ist hier absolut erlaubt“, betont er. Wenn Opa Willi über Krieg und Gefangenschaft sinniert, muss so mancher sogar schlucken.

Im Vordergrund steht aber der Spaß, und der schwappt mit der Spielfreude der Akteure schnell herüber. Während Mutter Hedwig (Karin Monse) noch die Hoffnung hegt, ein harmonisches Fest zu erleben, giften sich Opa Willi (überragend: Franz Potthoff) und Oma Anna, liebenswert kratzbürstig dargestellt von Martina Garwers, durchweg an. Patentante Hannelore (Marita Kortüm) durchlebt alle Emotionen und dreht am Ende richtig auf, Tante Gerda (Barbara Wellner) gibt die feinere Dame und nimmt ihren Gatten Manfred (Guido Bertmer) unter die Fuchtel – der aber mit zunehmendem Alkoholkonsum durchaus mutiger wird. „Jetzt werden sie gleich schnapsgräsig“, befürchtet Hedwig mit Blick auf ihren Mann Hans, und in der Tat gibt Daniel Roters auf der Bühne alles. „Warum habe ich keinen Jungen zum Trinken und Fußball gucken bekommen?“, bedauert er sich selbst. Mittendrin Kommunionkind Marie, das von der 17-jährigen Maren Garwers bei ihrer Bühnenpremiere ebenso glaubhaft wie schlagfertig dargestellt wird. Und wenn Opa Willi zu „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ restlos aufdreht, gibt es kein Halten mehr – eben wie im richtigen Leben!

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6478606?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947623%2F
Nachrichten-Ticker