Rosendahl
Immer in Bewegung bleiben

Darfeld. Philipp gibt Gas. Die Allee rauf bis zum Schloss, dann wieder zurück. Anstrengend? „Nein“, schüttelt der Fünfjährige den Kopf. „Das ist gut zum Aufwärmen.“ Drei Kilometer am Morgen, kein Problem für ihn und seine acht „Kollegen“, die ihn an diesem Tag begleiten. Das schaffen sie locker und es macht Spaß. „Ich laufe fast immer mit“, sagt die vierjährige Elsa. Immer in Bewegung bleiben!

Donnerstag, 04.04.2019, 18:24 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 21:38 Uhr
Rosendahl: Immer in Bewegung bleiben
Auch die Kleinsten lassen ihrer Kreativität freien Lauf: Judith Medding (2. von links) und Franzis van den Berg begleiten die U 3-Kinder beim „Kochen“ mit Knete. Foto: az

Die Laufgruppe, die sich immer dienstags mit Franzis van den Berg und Eva Lechtenberg auf den Weg macht, ist nur eines der vielseitigen Angebote im „Zwergenland“. Denn im DRK-Kindergarten in Darfeld steht Aktivität im Mittelpunkt der täglichen pädagogischen Arbeit – deshalb hat die Einrichtung schon im Jahr 2007 die Zertifizierung zum anerkannten Bewegungskindergarten erhalten und arbeitet auch in enger Kooperation mit dem Sportverein Turo. „Unser Kindergarten befindet sich direkt an der Turnhalle, dem Sport- und Reitplatz“, schwärmt Leiterin Franzis van den Berg. „Und wir haben in unmittelbarer Nähe einen Wald, der von den Kindern regelmäßig als Naturspielplatz genutzt wird.“ Alle Erzieherinnen sind entsprechend geschult und bilden sich auch ständig fort.

Lasse hat Platz genommen in einem rollenden Kasten und zieht sich Stück für Stück weiter. „Am liebsten spiele ich in dieser Seilbahn“, versichert der Vierjährige. „Aber eigentlich gefällt mir alles.“ Die Auswahl ist groß in der Turnhalle, die täglich einen Bewegungsparcours bietet. Immer wieder mit anderen Aufbauten – was genau, das dürfen die Kinder mitbestimmen. „Sie dürfen anhand von Bildern oder eigenen Ideen mitentscheiden, was wir aufbauen“, erklärt Franzis van den Berg. Sie partizipieren, helfen beim Aufbau und lernen auch, dass es Mehrheiten gibt und nicht jeder Wunsch immer erfüllt wird.

Durch den Flur geht es von den Gruppenräumen direkt in die Halle, die nach Lust und Laune offen steht. Hier können die Kinder spielen, toben, entspannen. „Der Schwerpunkt liegt bei uns auf der Bewegung“, betont die Kita-Leiterin. „Das bedeutet auch eine Entwicklung mit allen Sinnen.“ Ergänzend wird fünf Mal im Jahr mit Turo ein Familiensport am Sonntag angeboten, bei dem Familien eine gemeinsame Zeit erleben, die Kinder ihre Bewegungsinteressen aufgreifen und experimentieren können.

Sich ausprobieren, dann auch mal über sich hinauswachsen – eine Erfahrung, die viele der Mädchen und Jungen genießen. „Manche beobachten erst und wagen es dann selbst“, erzählt Franzis van den Berg. Perfekt für die Entwicklung von Selbstvertrauen und Kompetenzen. Die Erzieherinnen sind dabei, aber sie machen keine Vorgaben. Abwarten, beobachten, begleiten.

Genau das findet sich auch im pädagogischen Ansatz „Early Excellence“ wieder, bei dem die Einzigartigkeit eines jeden Kindes im Mittelpunkt steht. „Die Erzieherinnen sind Entwicklungsbegleiter, die mit einem positiven Blick auf die Kinder deren Bedürfnisse und Ressourcen feinfühlig wahrnehmen“, erklärt Franzis van den Berg. Die jeweiligen Stärken sollen gefördert werden.

Und das schon früh. So lassen die Erzieherinnen den „Krümelmonstern“ in der U 3-Gruppe gerne freie Hand. Heute wird gemeinsam „gekocht“ – nicht mit Fleisch, sondern mit Knete. „Die Wurst ist heiß“, warnt der dreijährige Theo, während er das Material an die anderen Mädchen und Jungen am Tisch verteilt. „Manche übernehmen bereits Verantwortung“, lächelt Erzieherin Judith Medding. Es gibt gewisse Rituale wie die Morgenrunde, dann aber sollen die Kinder bewusst die Initiative ergreifen. Alltagsthemen werden sehr kreativ ins Spiel übertragen – „und wir beobachten, was die Kinder entdecken und woran sie Interesse haben“, erklärt sie.

Jedes Kind als kompetent, neugierig, kreativ und selbstständig ansehen, das hat sich das Team zum Ziel gesetzt. „Sie sollen selbstbestimmt agieren und angemessene Risiken eingehen können“, erläutert Franzis van den Berg. Dabei soll das Selbstvertrauen immer weiter wachsen. So wie bei Elsa, die natürlich möglichst keinen Einsatz der Schloss-Laufgruppe verpasst. „Das macht Spaß“, lächelt die Vierjährige. „Denn wir Kinder sind immer schneller als Franzis und Eva.“

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