Rosendahl
Persönliche Gespräche statt Geldstrafen

Rosendahl. Mehr Aufklärung und Beratung statt Geldstrafen – so reagieren einige Rosendahler Kitas auf den Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn. Dieser hatte gefordert, dass jedes Kind gegen Masern geimpft sein muss, ansonsten droht ein Ausschluss aus der Kita sowie Geldstrafen von bis zu 2500 Euro.

Dienstag, 07.05.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 11:02 Uhr
Rosendahl: Persönliche Gespräche statt Geldstrafen
Wird es bald zur Pflicht, Kinder gegen Maser impfen zu lassen? Diesen Gesetzentwurf hat Gesundheitsminister Jens Spahn vorgelegt. Impfungen werden von den örtlichen Kindergärten befürwortet, die Geldstrafen werden aber kritisch gesehen. Foto: az

Dass Druck hinter dem Impfen steckt, sei zwar gut, „aber die Geldstrafe ist zu heftig“, sagt Sandra Hoesling, Erzieherin im DRK-Kindergarten „Zwergenland“ in Darfeld. Ihrer Meinung nach sei es besser, Eltern durch persönliche Gespräche davon zu überzeugen, sein Kind impfen zu lassen. „Ich persönlich finde das Thema sehr wichtig“, so die Erzieherin. In der dortigen Einrichtung seien es zwei Kinder, die keine Impfungen bekommen haben. „Bei Anmeldung eines Kindes in unserer Kita lassen wir uns den Impfpass zeigen. Dann geben wir den Eltern Empfehlungen mit auf den Weg“, erklärt Hoesling.

Auch im Kindergarten St. Nikolaus in Holtwick seien die meisten Kinder geimpft. „Ich halte nichts von den Geldstrafen“, macht Einrichtungsleiterin Ruth Grevenbrock deutlich. Denn immer wieder gebe es Familien mit überforderten Eltern. Außerdem gebe es verschiedene Gründe, warum Eltern ihr Kind nicht impfen lassen. „Familien, die beispielsweise Erfahrungen mit Impfschäden gemacht haben, wollen weitere Kinder vielleicht nicht mehr impfen lassen“, hat Grevenbrock Verständnis. Für die Einrichtungsleiterin würde durch die Geldstrafen außerdem das Vertrauen zwischen Erzieher, Eltern und Kind leiden: „Es wäre nicht unsere Aufgabe, nicht geimpfte Kinder zu melden und für Geldstrafen zu sorgen“, so Grevenbrock. „Besser wäre es, Dinge zu initiieren, die die Eltern entlasten“, schlägt Grevenbrock vor. Beispielsweise könnten Ärzte bereitgestellt werden, die sich dementsprechend um die Impfungen der Kinder kümmern. Im Kindergarten St. Nikolaus können die Eltern einen Zettel bekommen, auf dem sie sich vom Arzt bestätigen lassen, dass sie dort zur Impfberatung waren.

Ähnlich ist die Situation auch im DRK-Kindergarten „Fidus“ in Osterwick. „Eltern müssen bei der Anmeldung den Impfpass oder ein entsprechendes Formular vorlegen“, sagt Annelene Konert, Leiterin des Kindergartens. In ihrer Einrichtung seien alle Kinder geimpft, „bei den Eltern ist es kein Thema“, berichtet sie. Die Impfpflicht sei ihrer Meinung nach ein schwieriges Thema. „Denn Eltern haben bestimmte Gründe, ihre Kinder nicht impfen zu lassen“, so Konert. An dieser Stelle sei es wichtig abzuwägen, ob das Persönlichkeitsrecht oder das Gemeinschaftswohl überwiegt. Dennoch schließt sich Konert der Meinung von Hoesling und Grevenbrock an und plädiert für eine ausreichende Beratung und Aufklärung.

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