Rosendahl
„Eine unglaubliche Reise geht zu Ende“

Rosendahl. Am Ende entscheiden 0,11 Prozent über Sieg oder Niederlage. Wo ist die Wahlbeteiligung höher – in Rosendahl oder beim Konkurrenten Stockhausen bei Lübbecke in Ostwestfalen? Gegen 19.30 Uhr kommt der Anruf aus der 700-Seelen-Gemeinde: 74,44 Prozent haben dort ihre Stimme abgegeben. Spannung liegt in der Luft, Wilhelm Vennemann, der diesen kleinen Konkurrenzkampf ins Leben gerufen hat, ist optimistisch, „auch wenn ich das hohe Ergebnis nicht erwartet hätte.“ Christoph Gottheil verkündet als Bürgermeister schließlich unter den Kommunalpolitikern und einigen Interessierten im Foyer des Rathauses das Ergebnis: Die Wahlbeteiligung in Rosendahl liegt bei 74,33 Prozent – damit hat Stockhausen um eine Haaresbreite die Nase vorn.

Sonntag, 26.05.2019, 23:38 Uhr
Rosendahl: „Eine unglaubliche Reise geht zu Ende“
Die Ruhe vor dem Sturm: Andrea Benning (von rechts), Karin Schotte, Elisabeth Schönebeck, Anne Brodkorb und Monika Klein zählen im Rathaus die ersten Stimmen von insgesamt 1733 Briefwählern aus. Fotos: Leon Seyock Foto: az

Doch traurig schaut an diesem Abend in Rosendahl keiner – „es ist ein phänomenales Ergebnis“, resümiert Monika Klein, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins und Mitinitiatorin der Aktion „100% Europa – Rosendahl geht hin“. Auch Gottheil zeigt sich zufrieden: „Alle Anstrengungen zu einer hohen Wahlbeteiligung waren erfolgreich.“

Lauter Jubel ist durchs Telefon zu hören, als Monika Klein in Stockhausen anruft und das Ergebnis verkündet. Einstimmige Meinung: Auch wenn Rosendahl den Pokal nun abgeben muss – verloren hat an diesem Abend keiner. „Ein besseres Finish hätten wir uns nicht vorstellen können“, so Klein. „Der ganz große Gewinner ist Europa und die Demokratie“, sagt sie und erntet viel Applaus von allen Anwesenden.

Mit einem Lächeln im Gesicht verlässt Winfried Weber (Grüne) am Abend das Rathaus. Um 11,6 Prozentpunkte haben die Grünen in Rosendahl im Vergleich zur Wahl 2014 zugelegt und kommen insgesamt auf 19,1 Prozent. „Ich bin überrascht, denn Rosendahl war bisher nie so grün“, sagt Weber. Er hofft nun, dass die Politiker im Europäischen Parlament „nicht nur grün denken, sondern auch grün handeln.“ Schon nach Eintreffen der ersten Ergebnisse aus den sieben Wahlbezirken zeichnet sich ein gutes Ergebnis für die Grünen ab. „Wo kommen denn die ganzen Grünen in Darfeld her?“ fragt sich Weber zwischendurch, als die ersten Ergebnisse im Rathaus eintreffen.

Die SPD hingegen muss einen deutlichen Verlust von 8,7 Prozentpunkten hinnehmen, genauso wie die CDU, die um 9 Prozentpunkte auf 47,9 Prozent fällt. „Ein extrem schlechtes Ergebnis. Es gibt in jedem Fall Potenzial nach oben“, so der Vorsitzende der SPD Christian Friemel. „Ich bin an sich zufrieden, dass so viele Rosendahler zur Wahl gegangen sind“, bilanziert CDU-Fraktionschef Ralf Steindorf. „Es gibt allerdings eine Menge zu überdenken.“

Gut zu tun haben Vertreter der Gemeinde und des Partnerschaftsvereins gestern ab Punkt 18 Uhr im Rathaus. 1733 Rosendahler haben per Briefwahl ihre Stimme abgegeben. „Die Beteiligung im Gegensatz zur vergangenen Wahl ist viermal so hoch“, sagt Martin Stauvermann von der Gemeinde. Gelöst ist die Stimmung bei den Helfern beim Auspacken und Auszählen. „Das Fitness-Studio können wir uns heute sparen“, sagt Elisabeth Schönebeck lachend angesichts der Tatsache, dass der Wahlzettel 92,5 Zentimeter lang ist und komplett auseinander gefaltet werden will.

„Eine unglaubliche Reise geht zu Ende“, sagt Monika Klein am späten Abend. „Ich bin stolz und überglücklich, dass wir durch unsere Initiative eine so hohe Wahlbeteiligung erreicht haben.“ Sie spricht ein großes Lob an die Mitglieder im Partnerschaftsverein aus, die „außerordentlichen Einsatz gezeigt haben.“

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