Rosendahl
Begeisterung fürs Auto grenzenlos

Darfeld. Eigentlich sehen Franzosen das Auto als reines Verkehrsmittel an und messen diesem keine besondere Bedeutung zu. Dieses Klischee trifft auch heute noch zu, glauben viele Deutsche.

Samstag, 17.08.2019, 10:02 Uhr
Rosendahl: Begeisterung fürs Auto grenzenlos
Wie ein König hat sich der französische Gast Guéric Cardet gefühlt, als er im Autohaus Potthoff in Darfeld ein Praktikum absolviert hat und dann in diesen Fiat 500 steigen durfte. Mit ihm freuten sich Familie Potthoff und Mitarbeiter. Foto: az

Doch dass Deutsche, für die das Auto oft „ihr liebstes Kind“ ist, die Begeisterung für die blechernen Karossen mit ihren Nachbarn in Frankreich teilen, ist für Ludger Potthoff und seinen Sohn Oliver eine ganz neue Erfahrung. Diese wurde ihnen jetzt zuteil, als im Autohaus der Familie Potthoff in Darfeld der 20-jährige Fransose Guéric Cardet ein mehrwöchiges berufliches Praktikum absolvierte.

„Der Fiat 500 hat es unserem Gast aus Frankreich angetan“, berichtet Ludger Potthoff. In diesem Fahrzeug habe sich der junge Mann wie der damalige französische König Ludwig XIV. gefühlt.

Guéric Cardet, der an der Sorbonne, an der berühmten Universität in Paris, die Fächer Deutsch und Englisch studiert, hatte nach einer Möglichkeit gesucht, seine deutschen Sprachkenntnisse zu verbessern. Er hatte sich an die französische Gemeinde Guénange gewandt, die rund 420 Kilometer von Darfeld und Laer entfernt liegt. Dort stieß der 20-Jährige auf den Vorsitzenden der Association des Amis de Laer, Michel Leubé, der wiederum Kontakt hatte zu seinem Pedant im Ewaldidorf Laer, Bernhard Potthoff vom Freundeskreis Guénange.

Die Frage der Unterkunft im Münsterland war damit innerhalb des Freundeskreises schnell geklärt. Guéric Cardet bezog sein Quartier dann bei Familie Hagemann am Wallheckenweg in Laer. Bernhard Potthoff aus Laer nahm Kontakt zu seinem Bruder Ludger auf und vermittelte das Praktikum, das dem jungen Franzosen völlig neue Einblicke in eine ihm bisher unbekannte Branche bieten sollte. Als Franzose ist Guéric Cardet Temperaturen um die 40 Grad im Sommer gewöhnt. Deshalb war er gegen die Tropenhitze in Deutschland gut gerüstet. Neu für den 20-Jährigen war es allerdings, einen Blaumann zu tragen und sich in einer Werkstatt die Finger schmutzig zu machen.

Guéric Cardet hat in alle Bereiche des Autohauses hineingeschnuppert: in die Werkstatt, den Verkauf und die Buchhaltung. Dort hat der Student, der aus Volmerange-les-Mines in Lothringen stammt, die praktische Arbeitswelt kennengelernt. Das Dorf liegt in der Nähe von Guénange, das am rechten Ufer der Mosel und 25 Kilometer von Metz entfernt liegt.

Kontakte zu weiteren Mitgliedern des Freundeskreises knüpfte der 20-Jährige während des Sommerfestes an Potthoffs Mühle. Dabei unterstützte der besondere Gast die Musiker des Laerer Blasorchesters mit seinem Saxofon. „Guéric ist auch ein toller Piano-Spieler“, schwärmt Bernhard Potthoff, der glücklich über die Belebung des deutsch-französischen Austauschs ist.

Schließlich brauche die Partnerschaft junge Menschen, die sich für ein gemeinsames Europa einsetzen, meint der Freundeskreis-Vorsitzende.

Gemeinsam mit der ehemaligen Laerer Kulturbeauftragten, Maria Hinnemann, die sich noch immer für die Patenschaften einsetzt, hofft er, dass Guéric – wenn seine Zeit es zulässt – bei den nächsten Partnerschaftstreffen dabei sein kann und dadurch weitere junge Menschen anlockt. Der junge Mann aus Frankreich zeigte sich von der Gastfreundschaft in Darfeld und Laer begeistert. Bei einer münsterländischen Hochzeit lernte der besondere Gast das Kränzen kennen und staunte sehr darüber. „Zweifellos werde ich mit einem von Souvenirs und Landschaften erfüllten Kopf weggehen“, meinte Guéric Cardet bei seinem Abschied.

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