Künstlergruppe aus den Niederlanden installiert Projekte entlang der Vechte – auch an der Quelle
"Der Nikolaus ist in Darfeld der Boss"

Von Enttäuschung oder gar Trauer ist weit und breit keine Spur. „Gute Kunst wird eben gestohlen“, sagt Jan Benjamins und lacht. Hatte er doch gemeinsam mit Eline Cornelisse vor rund zwei Jahren einen prächtigen Nikolausstuhl an der Vechtequelle unweit des Darfelder Bahnhofs angebracht, ist er nun verschwunden. „Das ist ein großes Lob für den Künstler“, ergänzt Bejamins mit einem Augenzwinkern.

Montag, 23.09.2019, 15:46 Uhr aktualisiert: 23.09.2019, 15:54 Uhr
Künstlergruppe aus den Niederlanden installiert Projekte entlang der Vechte – auch an der Quelle: "Der Nikolaus ist in Darfeld der Boss"
Der Nikolaus hat für Jan Benjamins und Eline Cornelisse (vorne) von der Künstlergruppe „Treibende Karawane“ eine besondere Bedeutung. Deshalb haben sie an der Vechtequelle einige Präsente für ihn bereitgelegt. Regina Hemker-Möllering (v.l., Kunstverein Steinfurt), Rolf van Deenen und Bernhard Schmeken (Heimatverein Darfeld) sowie Talal Refit (Bentheimer Atelier) haben ihnen über die Schulter geschaut. Foto: Leon Seyock

Die beiden Künstler, die aus dem niederländischen Zwolle stammen und der Gruppe „Treibende Karawane“ angehören, nehmen die Vechte in den Mittelpunkt ihrer Projekte. „Wir wollen zeigen, dass uns das fließende Wasser über die Grenzen hinaus verbindet“, sagt Benjamins. Von Darfeld beginnend fließt die Vechte über 182 Kilometer in Richtung Eggerode, vorbei an Burgsteinfurt, Bad Bentheim und Nordhorn bis sie über die Grenze läuft und in Zwolle in das „Zwarte Water“ mündet. Zwölf Projekte installieren die Künstler insgesamt am Verlauf des Gewässers, 2020 sollen alle fertiggestellt sein: Sechs auf der niederländischen und sechs auf der deutschen Seite. Eines dieser Projekte war eben auch der Nikolausstuhl. Gebaut war er aus einem großen Styropor-Würfel, dahinter klemmten zwei Skistöcke, die die Lehne bildeten. Ein Netz hat alles zusammengehalten.

„Wir wollten eigentlich zurückkommen und den Stuhl reparieren“, erzählt Eline Cornelisse. Doch da war er schon verschwunden. „So ist das eben. Damit muss man als Künstler rechnen“, wirft Regina Hemker-Möllering vom Kunsterverein Steinfurt, mit denen die „Treibende Karawane“ zusammenarbeitet, ein. Sie lachen gemeinsam – die Fröhlichkeit der Künstler steckt an. „Den Stuhl wollen wir nicht noch einmal bauen. Aber vielleicht bekommt der Nikolaus von uns ein anderes Präsent“, überlegt Cornelisse. Mystisch und von großer Bedeutung sei der Nikolaus für die Niederländer. Umso passender, dass dieser der Schutzpatron von Darfeld ist – und genau hier die Vechte entspringt. „Nikolaus ist in Darfeld der Boss!“, sagt Benjamins und lacht laut.
Da ist es nicht verwunderlich, dass sich Benjamins und Cornelisse gestern mit Ketten in den Händen entschlossen auf den Weg zur Quelle machen. Dort, wo einst der Stuhl für den Nikolaus gehangen hat, bringen sie nun die Ketten an. „Vielleicht ist der Stuhl auch verschwunden, weil der Nikolaus ihn gar nicht brauchte. Es ist ja so trocken, da bekommt er sowieso keine nassen Füße“, überlegt Benjamins mit einem Blick zur Quelle und grinst. Vielleicht. Auf jeden Fall aber wollen die beiden spätestens am 5. Dezember zurückkehren, um weitere Ketten und Geschenke für den Nikolaus bereitzulegen.

Gute Kunst wird eben gestohlen.

Jan Benjamins

Alle Installationen entlang der Vechte sind aus Müll hergestellt – und können schwimmen. So etwa Betten aus Plastikkisten oder eine Brücke, die über den Fluss ragt. „Damit möchten wir auch auf die Extreme in der Natur aufmerksam machen, wie zum Beispiel Überschwemmungen“, sagt Cornelisse. Als das schwimmende Bett eingeweiht wurde, haben sich die Künstler darauf entlang der Vechte treiben lassen. Und manchmal, so erzählt Benjamins, habe er ein ganz romantisches Bild im Kopf: „Ich stelle mir vor, wie die Menschen mit dem Rad durch die Natur fahren und an der Vechte zusammenkommen und sich kennenlernen. Das Vechtetal ist so wunderbar“, schwärmt er. Genau darum geht es ihm und Eline Cornelisse: Verbindungen schaffen und seinen Mitmenschen Freude bereiten. Mit Geschenken für den Nikolaus haben sie den Anfang gemacht.

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